«Tag der offenen Tür»: Schweizer Clubs lassen am Samstag jeden rein
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«Tag der offenen Tür»Schweizer Clubs lassen am Samstag jeden rein

Am Wochenende findet der erste nationale «Tag der offenen Bar- und Clubtür» statt. Eingeladen sind alle – besonders jene, die nicht am Nachtleben teilnehmen.

von
lüs
Besucher inspizieren 2013 den Club Zukunft am Zürcher Tag der «offenen Clubtür».

Besucher inspizieren 2013 den Club Zukunft am Zürcher Tag der «offenen Clubtür».

20 Minuten/Deborah Sutter

Über 40 Nachtlokale in Basel, Bern, Freiburg, Genf, Luzern, Lausanne, Winterthur und Zürich beteiligen sich am Samstag am ersten nationalen «Tag der offenen Bar- und Clubtür». Sie öffnen für einmal, noch bevor es dunkel wird – und es gibt keine Türsteher, die eine strenge Gästeselektion vornehmen.

«Eingeladen ist jeder. Vor allem aber wollen wir Leute begrüssen, die sonst nicht am Nachtleben teilnehmen und noch nie oder erst selten einen Club von innen gesehen haben», sagt Alexander Bücheli, Sprecher der Schweizer Bar- und Clubkommission SBCK, die den Tag gemeinsam mit dem Verband Schweizer Musikclubs (Petzi) organisiert.

Eltern können sehen, wo ihre Kinder feiern

Dabei denke man an etwa an Nachbarn von Clubs, an Quartiervertreter sowie an Eltern von Partygängern, die einmal sehen möchten, wo sich ihre Kinder nachts herumtreiben. «Wir wissen aber auch von jungen Eltern, die ihren kleinen Kindern zeigen wollen, wo sie im Ausgang sind, wenn der Babysitter sie hütet», so Bücheli. Und selbst für Clubgänger sei es interessant, ihr Lieblingslokal einmal bei Tageslicht zu sehen.

Mit dem «Tag der offenen Tür» wolle man signalisieren, dass die Clubbetreiber an einem friedlichen Zusammenleben mit Anwohnern interessiert seien, sagt Bücheli. «Wer das Nachtleben nicht kennt, hält es oft für etwas Düsteres, Geheimnisumwittertes und Gefährliches.»

«In Clubs wird seriös und hart gearbeitet»

Solche Vorurteile wolle man abbauen. «Wir wollen den Leuten zeigen, dass das Nachtleben ein wichtiger sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Faktor ist, von dem auch die Existenz von vielen seriös und hart arbeitenden Menschen abhängt.»

Anders als manche dächten, machten Bar- und Clubbetreiber nicht einfach ein schnelles Geschäft mit dem Rausch der Menschen, sagt Bücheli. «Dass die Vorbereitung einer Partynacht ähnlich aufwendig ist wie eine Operninszenierung, ist vielen nicht bewusst.» Die Besucher hätten an diesem Tag die Gelegenheit, sich alle Fragen beantworten zu lassen, die sie im Zusammenhang mit dem Nachtleben beschäftigen.

Gespräche statt Klagen bei der Polizei

Verbunden sei der «Tag der offenen Tür» natürlich auch mit der Hoffnung, dass Anwohner bei Problemen das Gespräch mit dem betreffenden Clubbetreiber suchen, statt gleich die Polizei zu rufen, sagt Bücheli. «Das fällt ihnen natürlich leichter, wenn sie die Verantwortlichen kennengelernt haben.»

Lanciert wurde die Idee, Clubs für einen Tag zu öffnen, im Jahr 2013 in Zürich, später zogen Bern und St. Gallen nach. «Verläuft der erste nationale Tag erfolgreich, wollen wir ihn künftig jedes Jahr am letzten Samstag im April durchführen.» Auch internationales Interesse bestehe. Bücheli: «Bei Clubbetreibern aus Amsterdam, Berlin, London und Tokio stiess die Schweizer Idee ebenfalls auf Anklang.»

«Vielleicht kehren manche in der Nacht zurück»

Warum aber findet der «Tag der offenen Tür» nicht in der Nacht statt? «Logistisch ist dies kaum dann machbar, wenn die Clubs schon mit Partygästen gefüllt sind», sagt Bücheli. «Doch vielleicht kommt ja der eine oder andere Besucher des ‹Tags der offenen Tür› auf den Geschmack und besucht einen Club auch mal in der Nacht.»

Neben Führungen durch die Räumlichkeiten gibt es am Samstag in Clubs auch Performances, DJ-Crashkurse und Podiumsdiskussionen. Die Liste der teilnehmenden Lokale und das Programm gibt es hier.

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