«Shades of Grey»: Schweizer decken sich mit SM-Spielzeug ein
Aktualisiert

«Shades of Grey»Schweizer decken sich mit SM-Spielzeug ein

Dank der Roman-Trilogie von E. L. James stehen Schweizer offen zu ihren Fesselspielchen. Sexshops und Erotik-Versandhandel verzeichnen eine deutlich höhere Nachfrage.

von
Claudia Landolt
«Du hast nicht nur ein hübsches Gesicht, du hattest sechs Orgasmen, und alle verdankst du mir.« (Christian Gray)Bild: Facebook.com

«Du hast nicht nur ein hübsches Gesicht, du hattest sechs Orgasmen, und alle verdankst du mir.« (Christian Gray)Bild: Facebook.com

Schon 2012 verriet eine Studie des Kondomherstellers Durex, dass die heimischen Damen und Herren Sextoys gegenüber nicht abgeneigt sind. 31 Prozent der befragten Personen gaben an, dann und wann auf Sexspielzeug zu setzen. Entscheidend mitgetragen hat dies der US-amerikanische Megaseller «Fifty Shades of Grey» über das Mädchen, das den Prinzen sucht, von dem es geschlagen werden soll.

93 Millionen Dollar hat die britische Autorin Erica Leonard James laut «Forbes»-Magazin verdient – nicht nur mit ihrer Romanreihe (diese wurde in 39 Sprachen übersetzt und hundert Millionen Mal verkauft) oder mit dem Verkauf der Filmrechte, sondern vor allem auch mit der Lizenzierung von Sexspielzeug. Denn seit Erscheinen des etwas abschätzig als «Mummy Porn» betitelten Romans mutierten Flogger (Lederpeitschen), Stings (Gerte) und Pinch (Nippelklemmen) plötzlich zum Partythema, machten Hiebe wie Triebe über Nacht salonfähig.

Bücher brachen ein Tabu

Auch der Versandhandel profitiert. Der Spezialist in Sachen Sextoys, Orion in Flensburg, hat laut einem Sprecher sogenannte Fifty-Shades-of Grey-Sets und alles, was mit dem Bondage-Roman zusammenhängt, «aussergewöhnlich gut verkauft». Selbst ältere Artikel aus dem BDSM-Bereich (kurz für Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) seien im Zuge der boomenden Lustromane überdurschnittlich stark gefragt. Auch Michael Schneider, Geschäftsführer von Lovershop.ch, der zu den fünftgrössten Schweizer Versandhäusern von Sexspielzeug gehört, profitiert vom Geschäft mit Sado-Maso-Spielzeug. Die gleichnamigen Toy-Serien seien im vierstelligen Bereich verkauft worden.

«Wir verkaufen in jeder dritten Bestellung mindestens ein Sexspielzeug aus diesem Bereich», erklärt Schneider. Die Leute hätten die Lust an dieser Art der Sexualität entdeckt und seien definitiv offen für Neues. «BDSM ist jetzt kein Tabuthema mehr, sondern in der Gesellschaft akzeptiert.»

Angst vor der Domina

Geht es nach den Studios, ist S/M aber noch immer nicht ganz gesellschaftsfähig. «Unsere Kundschaft wächst ständig, und wir haben auch immer mehr Businessmänner, die zu uns kommen, ihre Fantasien ausleben und schwach sein möchten», erklärt Domina Letizia vom Studio Hades im Kanton Zürich 20 Minuten. «Aber konkret mehr Gäste haben uns die Bücher keine gebracht. Privat habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen sie gelesen haben, um ihre Männer besser zu verstehen. Sozusagen präventiv, damit er nicht zu einer Domina geht.»

Die Trends der Sexindustrie gehen noch weiter. Die neuste Sextoy-Messe in Tokio setzte gross auf das Thema Vernetzung: Sexspielzeuge noch ausgefeilter per Smartphone oder Tablet steuern, zu Hause virtuell mit den grossen Pornostars Sex haben. «Noch vernetzter, über noch grössere Distanzen und noch vielseitigere Anwendungsmöglichkeiten – das ist die Zukunft,» so Michael Schneider. Davon ausgenommen ist auch BDSM nicht.

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