Aktualisiert 22.06.2011 07:55

EDA untersucht

Schweizer Diplomat soll geklaut haben

Ein Schweizer Diplomat soll in Kosovo ein Präparat zum Abnehmen entwendet haben, berichtet ein kosovarischer TV-Sender. Zwar habe er es im Nachhinein bezahlt, doch das Aussendepartement untersucht nun den Vorfall.

von
Lukas Mäder und Antonio Fumagalli

Einen happigen Vorwurf hat der kosovarische Fernsehsender Klan Kosova am Montag gegen einen Schweizer Diplomaten in Pristina erhoben. Der Stellvertretende Leiter der Schweizer Botschaft in Kosovo soll in einem Fitnessstudio im Zentrum der Hauptstadt am Samstagnachmittag ein Präparat zum Abnehmen im Wert von 35 Euro entwendet haben. Das bestätigt der Besitzer des Studios, Visar Geci, gegenüber 20 Minuten Online. Nachdem ihn ein Mitarbeiter angerufen hatte, habe er das Überwachungsvideo angeschaut. Während der Mitarbeiter des Fitnessstudios mit einem anderen Kunden beschäftigt war, habe der Diplomat das Produkt eingesteckt, so Geci, nachdem er sich umgeschaut hatte.

Dank der Überwachungsaufnahmen, die auch das Auto des Diplomaten zeigten, sowie des elektronischen Zugangssystems hätten sie die Person identifizieren können. Die herbeigerufene Polizei wollte jedoch nichts unternehmen, sagt Geci. Sie habe darauf verwiesen, dass der Diplomat Immunität geniesse. Die Aufnahmen der Überwachungskamera hätten sie nicht mitnehmen wollen. Erst am Montag, nachdem Klan Kosova über den Vorfall berichtet hatte, nahm die Polizei Gecis Aussagen zu Protokoll.

«Tolerieren keine Gesetzesverstösse»

Das Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA bestätigt, dass es Kenntnis des Vorfalls habe. Es habe eine Untersuchung eingeleitet, in die auch die kosovarische Polizei involviert sei, schreibt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Nach Vorliegen der Resultate werde über das weitere Vorgehen entschieden. Doch bereits jetzt betont das Aussenministerium: «Es ist klar, dass das EDA keine Gesetzesverstösse von Schweizer Diplomaten in Gaststaaten toleriert.»

Der Diplomat selbst war sich des Fehlers offenbar auch bewusst, zumindest laut der Schilderung von Fitnessstudio-Besitzer Geci. Als der Schweizer am nächsten Tag wieder zum Training kam, habe ihn ein Mitarbeiter darauf hingewiesen, er habe noch vergessen, etwas zu bezahlen. Da habe er die eingesteckte Packung bezahlt. Gegenüber 20 Minuten Online wollte der Diplomat keine Stellung nehmen.

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