Terrorist aus Arbon: Schweizer Dschihadist hält Ehefrau in Syrien fest
Aktualisiert

Terrorist aus ArbonSchweizer Dschihadist hält Ehefrau in Syrien fest

Im vergangenen Jahr schloss sich ein Ostschweizer einer Terrorgruppe in Syrien an. Seine Frau folgte ihm schwanger – und sendet nun Hilferufe in die Heimat.

von
dia
Der 21-jährige Arboner Onur.

Der 21-jährige Arboner Onur.

Der 21-jährige Logistikfachmann A. A.* aus Arbon TG ist nach Syrien gereist, um die Terrororganisation Jabhat al-Nusra zu unterstützen. Mit dabei hat er seine Frau Johanna*. Doch diese ist nicht freiwillig in dem Kriegsgebiet: Wie die Sendung «Rundschau» des SRF berichtet, wird die 22-Jährige dort gegen ihren Willen festgehalten.

Dem Sender liegen Tonaufnahmen der Deutschen vor, in denen sie ein Lebenszeichen an ihre Familie sendet. «Ich will nach Hause, bitte helft mir.» Ihr Mann A. verbreitet via WhatsApp Drohungen an die Schweiz. «Ich bin hergekommen, um die Köpfe der Kufar abzuschlagen. Irgendwann sind wir in der Schweiz.»

Tochter im Kriegsgebiet geboren

Im vergangenen Spätsommer war A. A. von Hamburg über die Türkei nach Syrien gereist. Wenig später folgte ihm seine schwangere Frau. Nach Angaben ihrer Schwester wollte die junge Frau nur eine Woche bleiben. Doch eine Rückkehr blieb ihr bis heute verwehrt. Die Familie erhält nur Nachrichten aus Syrien.

Am vergangenen Montag kam die Nachricht, Johanna habe eine Tochter zur Welt gebracht. «Man muss jeden Tag daran denken, ob man sie wiedersieht, ob sie die Situation überlebt», erzählt die Mutter.

Behörden sind alarmiert

Kennengelernt habe sich das Ehepaar laut der Recherche von SRF und der «Stuttgarter Nachrichten» über eine Heiratsvermittlung. In Stuttgart kam es in einer Moschee zur Hochzeit, anschliessend trauten sich die beiden auf dem Standesamt in der Schweiz. Seit 2013 lebte das Paar in Arbon in einem Mehrfamilienhaus. Den Nachbarn fiel die Familie negativ auf: «Es gab immer Streit, ein Riesengeschrei. Die Frau war komplett verschleiert», erzählt eine Anwohnerin.

A. stammt aus einer türkischen Grossfamilie und hat den Schweizer Pass. Nahe Verwandte erzählen, dass er erst Hilfsgüter nach Syrien bringen wollte. Dort sei er aber einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Nach Angaben der «Rundschau» sind sowohl die deutschen als auch die Schweizer Behörden in dem Fall aktiv geworden.

*Name der Redaktion bekannt. SRF verwendet für A. A. das Pseudonym Onur.

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