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Sex-DarstellungenSchweizer - ein einzig Volk von Pornobrüdern

Jeder zweite Mann in der Schweiz schaut regelmässig Pornos. Brisant: Zehn Prozent der Jungs kommen bereits vor ihrem zehnten Geburtstag mit Pornos in Kontakt.

von
Bruno Wermuth
50 Prozent der Schweizer Männer konsumieren mindestens einmal im Monat einen Porno. (Symbolbild: Colourbox.com)

50 Prozent der Schweizer Männer konsumieren mindestens einmal im Monat einen Porno. (Symbolbild: Colourbox.com)

Laut einer in der Deutsch- und Westschweiz durchgeführten repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online und dem Premium Casual-Dating Service Secret.ch sind zwei Drittel der Frauen und 90 Prozent der Männer schon mindestens einmal in ihrem Leben mit Pornographie in Kontakt gekommen.

Bei den 15- bis 25-jährigen Teilnehmenden, die angeben, bereits mindestens einmal Pornos gesehen zu haben, fand bei 27 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen der erste Kontakt vor Beginn der Pubertät, also bis zum zwölften Lebensjahr, statt.

Brisant und bedenklich: Für zehn Prozent der pornoerfahrenen Männer und vier Prozent der pornoerfahrenen Frauen fand die Konfrontation zwischen dem fünften und dem zehnten Lebensjahr statt.

Pornos wirken - aber anders, als oft befürchtet

Was die Wirkung beim ersten Kontakt anbelangt, ist das Bild eindeutig: An erster Stelle wird sexuelle Erregung genannt (Männer: 67 Prozent, Frauen 40 Prozent), gefolgt von Lust auf Sex (Männer: 54 Prozent, Frauen 33 Prozent). Nur bei den Frauen, folgt an dritter Stelle eine negative Auswirkung: Ein Viertel fand die Bilder Ekel erregend.

Diese Resultate widersprechen der weit verbreiteten Ansicht, Pornografie löse bei der betrachtenden Person beim Erstkontakt in erster Linie negative Reaktionen wie Angst oder Verunsicherung aus. Zwar werden solche Effekte auch genannt – häufiger von (jungen) Frauen. Insgesamt überwiegen aber die eher positiven Wirkungen. Beispielsweise, dass durch den Pornokonsum die Neugier befriedigt oder der Informationsbedarf gestillt wurde. Ein Viertel der 15- bis 25-jährigen Männer und ein Fünftel der gleichaltrigen Frauen geben an, dass die erste Konfrontation mit Pornographie bei ihnen Fragen aufgeworfen hat.

Das Internet löst das Sexheftli ab

Bei den pornoerfahrenen 15- bis 25-jährigen Männern sind es Computer (53 Prozent) und Smartphone (11 Prozent), die das Tor zur ungeschönten Nacktheit öffnen. Das war früher eindeutig anders: Die Mehrheit der männlichen Teilnehmer zwischen 26 und 60 erhaschte den ersten Blick auf die blanke Wahrheit in Sachen Sex noch in einem Pornoheft.

Bei den 26- bis 60-jährigen Frauen, die schon einmal mit gezeigtem Sex in Kontakt kamen, liefern sich Hochglanzmagazine und Fernsehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber auch hier wird bei der jüngeren Generation das Papier vom Internet abgelöst: 42 Prozent der 15- bis 25-jährigen Frauen hatten ihren ersten Kontakt mit Pornographie über einen Computer. Überraschend: Nur gerade ein Prozent nutzte das Handy als ersten Zugang zur pornografischen Fi(c)ktion – zehnmal weniger als die gleichaltrigen Männer.

Pornos sind und bleiben hauptsächlich Männersache

Bei der Frage nach dem aktuellen Konsum zeigt sich ein eindeutiger Geschlechterunterschied. Nur gerade 7 Prozent der befragten Frauen geben an, aktuell mindestens einmal im Monat Pornografie zu konsumieren. Bei den Männern sind es 50 Prozent. Knapp ein Fünftel von ihnen schaut wöchentlich mehrmals einen Porno, zwei Prozent sogar mehrmals täglich.

Auffallend ist der Unterschied zwischen jung und alt: Die Hälfte der 15- bis 25-jährigen Männer mit Pornoerfahrung gibt an, wöchentlich mindestens einmal sexuell explizite Darstellungen zu konsumieren, bei den 26- bis 40-Jährigen ist es etwas mehr als ein Drittel und bei den 41- bis 60-Jährigen noch ein Viertel. Auch bei den pornoerfahrenen Frauen ist es die Gruppe der jüngsten, die sich als häufige Nutzer hervortut – wenn auch weit abgeschlagen hinter den Männern: Vier Prozent von ihnen konsumieren einmal die Woche einen Sexfilm, weitere vier Prozent mehrmals wöchentlich. Der tägliche Konsum findet bei Frauen hingegen nicht statt.

Je jünger die Umfrageteilnehmer sind, desto eindeutiger ist der Trend zum Internet als Medium für den Pornokonsum – unabhängig vom Geschlecht. An erster Stelle steht bei den 15- bis 25-jährigen der Computer, gefolgt vom Smartphone. Eindeutig ein Auslaufmodell ist das Sexkino: Nur gerade vier Prozent der Teilnehmenden besuchen noch ab und zu einen dieser abgedunkelten Säle mit Kleenex-Dispenser beim Eingang. Ziemlich verbreitet hingegen ist die DVD: Gleich viele Männer wie Frauen (28 Prozent) bestücken ihre Heimkinoanlage ab und zu mit einer Sex-Silberscheibe.

Wichsvorlage und Inspirationsquelle für guten Sex

Für die männlichen Umfrageteilnehmer ist der Fall klar: Fast 60 Prozent sind der Meinung, Pornos seien eine geeignete Wichsvorlage bei der Selbstbefriedigung. Dieser Aussage stimmen immerhin fast ein Drittel der Teilnehmerinnen zu. Für 30 Prozent der Männer sind die pornografischen Darstellungen auch Inspirationsquelle für guten Sex und rund 70 Prozent der 26- bis 40-jährigen mit Pornoerfahrung geben an, beim Sex schon gezielt Dinge ausprobiert zu haben, die sie in Pornos gesehen haben. Erstaunlich: Von den gleichaltrigen erfahrenen Frauen sind es nur 40 Prozent, die schon an einem solchen Experiment teilgenommen haben und nur gerade 13 Prozent der Teilnehmerinnen stimmen mit den Männern überein, wenn es darum geht, ob Pornos neue Ideen für guten Sex liefern.

Etwas mehr als ein Fünftel der Männer und 28 Prozent der Frauen finden Pornos sexistisch. Ein Drittel der Frauen und ein Viertel der Männer halten sie für Frauen verachtend, aber nur gerade fünf Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen für Männer verachtend. Fast 30 Prozent der Teilnehmenden (Frauen: 20 Prozent, Männer 36 Prozent) finden Pornos unterhaltsam und belustigend.

Die grosse Sex-Umfrage

Für die repräsentative Erhebung wurden insgesamt 2 070 Menschen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren in der Schweiz mit Hilfe des Markt- und Sozialforschungsinstituts LINK zu ihrem Sexualleben befragt, davon 1 574 in der Schweiz und 496 in der Westschweiz. 977 der Befragten sind weiblich, 1093 männlich.

Ausarbeitung und Auswertung der Umfrage erfolgte in Kooperation mit der Universität Bern. Im Anschluss an die Erhebung wurde die Stichprobe durch nach soziodemographischen Merkmalen und der Sprachregion gewichtet. Die Befragung erfolgte im Zeitraum vom 22. September – 11. Oktober 2011.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie gibt es hier >>

Eine Umfrage im Auftrag von

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