26.10.2020 16:50

«Lassen Sie uns Hockey spielen»Schweizer Eishockey-Präsidenten fordern finanzielle Hilfen

Die Präsidenten der National-League-Clubs tun sich zusammen und wenden sich an den Bundesrat und die Regierungsräte. Ihr offener Brief: emotional.

von
Nils Hänggi

Marc Lüthi, SCB-CEO, zeigte bereits Mitte Oktober eindeutig, dass er mit den Regierungs-Entscheidungen nicht zufrieden ist.

Video: SRF

Darum gehts

  • Die Präsidenten der National-League-Clubs wehren sich und wenden sich an den Bundesrat.

  • In einem offenen Brief zeigen sie auf, was sie alles getan haben.

  • Auch fordern sie Geld.

In einem offenen Brief wenden sich alle Präsidenten der National-League-Clubs an den Schweizer Bundes- und die Regierungsrat. Sie schreiben, dass sie einstimmig beschlossen haben, die Eishockey-Saison zu Ende zu spielen. Dies, so die Präsidenten, weil der Sport im Land eine immense Bedeutung habe.

«Es ist zentral, dass auch in Krisenzeiten Sport betrieben wird – für das Kader, für die Junioren, für die Fans, für die Mitarbeiter, für die Partner und für die gesamte Bevölkerung», heisst es etwa. Und: «Wir dürfen uns nicht durch das Covid-19-Virus das Leben diktieren und verbieten lassen. Wir müssen, wollen und können mit entsprechenden Massnahmen auch während einer Pandemie Hockey vor Zuschauern spielen!»

Aus diesem Grund habe man im Hinblick auf die Saison 2020/21 Schutzkonzepte entwickelt. Konzepte, die auch ihren Praxistest bestanden hätten. Die Präsidenten lassen verlauten: «Es gab keine Superspreader-Events – weder in noch vor den Stadien, weder vor noch nach den Matches.»

Die Eishockey-Präsidenten fordern finanzielle Hilfen. 

Die Eishockey-Präsidenten fordern finanzielle Hilfen.

Foto: Peter Schneider (Keystone)

«Lassen sie uns Hockey spielen»

Au diesem Grund verstehen die Präsidenten nicht, dass die Stadien vielerorts nicht mehr zu zwei Drittel gefüllt werden dürfen. Im offenen Brief schreiben sie: «Die finanzielle Basis, auf der wir aufgebaut haben, ist uns entzogen worden. Das ist unfair, weil wir uns darauf ausgerichtet haben und das Parlament seine geplante Liquiditätshilfe darauf ausgerichtet hat. Das ist unverhältnismässig, weil unsere Konzepte funktionieren und das soziale Leben auch mit Corona weitergehen muss.»

Der Brief der Präsidenten endet mit einer finanziellen Forderung. So heisst es: «Lassen Sie unsere Spieler Hockey spielen! Wenn sie das nicht vor Menschen mit Emotionen tun dürfen, weil Sie dies verboten haben, dann entschädigen Sie uns dafür.»

Lüthi kämpfte wie ein Löwe.

Lüthi kämpfte wie ein Löwe.

Foto: Screenshot (SRF)

SCB-CEO attackierte Berner Regierungsrat heftig

Dass bei den Eishockey-Clubs Unmut herrscht, war klar. Zu sehen war dies etwa auch beim Auftritt von Marc Lüthi im SRF-«Club». In der Diskussionssendung diskutierte der SCB-CEO mit Alain Schnegg, dem Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, und attackierte ihn heftig.

Dass die Clubs erst fünf Minuten vor der Bekanntgabe informiert wurden, sei «unanständig und schnodrig», sagte Lüthi beispielsweise. Und: «Uns ist in fünf Minuten die wirtschaftliche Existenz entzogen worden. Und ein gewählter Regierungsvertreter fand es nicht für nötig, mit seinem Volk zu reden. Das bringt mich auf die Palme.»

Später sprach der 59-Jährige über seinen Auftritt und sagte im Interview mit dieser Zeitung: «Wir brauchen für Grossanlässe eine nationale Lösung.» Ein Punkt also, den nun auch die Präsidenten der National-League-Clubs fordern.

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44 Kommentare
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Paul

26.10.2020, 20:50

Clubs, Ligen und Anbieter von käuflichem Live-Fernseh-Bildmaterial schliesst für diese Saison zusammen einen Kompromis und ermöglicht den Abobesitzern und den interessierten Sportkunden einen günstigeren, einfachen Zugang zum Live-Sport zu Hause am Fernseher. Somit könnte die Chance auf allfällige Rückforderungen seitens Abobesitzern/Sponsoren etc. minimiert werden. Alle Gruppen sind über diese Saison hinaus am Fortbestehen des Spitzensports interessiert und wollen auch nächstes Jahr wiederum Eishockey/Fussball und Co. in die heimischen Stuben verkaufen/konsumieren können - Es gäbe neue Kunden

Franz vo de Schratteflueh

26.10.2020, 20:43

Wenn die Fussball- und Eishockeyclubs nicht unterstützt werden in Form von Subventionen ohne Rückzahlungspflicht gehen nicht nur die Proficlubs unter sondern auch die damit verbundene Juniorenbewegung. Wollen wir das wirklich?? Es ist somit besser die "Jungen" sind in einem Juniorenteam engagiert ob Fussball- oder Eishockey, als dass sie "auf der Strasse herumlungern".

Anwalt

26.10.2020, 20:11

Eishockey ist nicht Systemrelevant, eine finanz. Unterstützung somit unnötig.