07.12.2017 15:08

Privatsphäre gefährdetSchweizer entwickelt Spionage-Tool für alle

Ein Schweizer IT-Crack stellt ein kostenloses Tool bereit, mit dem man andere ausspionieren kann. Damit will er auf mögliche Gefahren aufmerksam machen.

von
swe
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Das Projekt Minary soll normale Internet-Nutzer ansprechen und ihnen zeigen, wie schnell die Privatsphäre abhanden kommen kann.

Das Projekt Minary soll normale Internet-Nutzer ansprechen und ihnen zeigen, wie schnell die Privatsphäre abhanden kommen kann.

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Entwickelt wurde die Software vom IT-Experten Ruben Unteregger, der schon mehrfach Anwendungen programmiert hat, um nachlässige PC-Nutzer wachzurütteln.

Entwickelt wurde die Software vom IT-Experten Ruben Unteregger, der schon mehrfach Anwendungen programmiert hat, um nachlässige PC-Nutzer wachzurütteln.

Interessierte können Minary kostenlos herunterladen und anschliessend in einer Umgebung ausprobieren, in der sie dazu berechtigt sind - etwa im Heimnetzwerk. Der Code steht auf der Plattform Github auch anderen Programmierern offen.

Interessierte können Minary kostenlos herunterladen und anschliessend in einer Umgebung ausprobieren, in der sie dazu berechtigt sind - etwa im Heimnetzwerk. Der Code steht auf der Plattform Github auch anderen Programmierern offen.

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Der Vater sitzt abends zu Hause am Computer und surft heimlich auf Porno-Seiten. Seine Frau informiert sich über die Behandlung einer Infektion im Genitalbereich. Beim Zmorge dann fragende Blicke des Sohnes – er konnte die gesamte Internetnutzung seiner Eltern nachvollziehen.

Ein solcher Verlust der Privatsphäre ist unangenehm, selbst wenn man eigentlich nichts zu verbergen hat. Dass die Gefahr jedoch nicht nur von Hackern aus fernen Ländern ausgeht, sondern auch von Personen, die dasselbe WLAN nutzen oder Zugriff auf den eigenen PC haben, ist selten ein Thema.

Ein schützenswertes Gut

Um aufzuzeigen, dass die Bedrohung manchmal näher ist, als man denkt, hat der Programmierer Ruben Unteregger das Tool Minary.io entwickelt. Mit diesem können Computer, die sich im selben Netzwerk befinden, überwacht und kontrolliert werden. Minary soll die Nutzer dafür sensibilisieren, dass es auch mit relativ wenig Fachwissen möglich ist, an private Informationen anderer zu gelangen.

Mit dem Tool kann beispielsweise die gesamte Internetnutzung eines Kindes überwacht werden, wenn es dieselbe WLAN-Verbindung nutzt. Vielleicht erfährt ein Ehemann mithilfe des Tools aber auch, dass seine heimlich geplante Traumreise zum Hochzeitstag von seiner Frau bereits entdeckt worden ist.

Bekannt durch Bundestrojaner

Der IT-Experte hat in der Vergangenheit bereits mehrfach Anwendungen programmiert, um nachlässige PC-Nutzer aufzurütteln. 2008 hatte Unteregger einige Bekanntheit erreicht, als er den Quellcode für den sogenannten Bundestrojaner veröffentlichte – eine Art Abhörsoftware für Skype.

Interessierte können Minary kostenlos herunterladen und anschliessend in einer Umgebung ausprobieren, in der sie dazu berechtigt sind – etwa im Heimnetzwerk. Die Gefahr, dass sein Programm missbraucht werden könnte, schätzt Unteregger dabei als geringer ein als seinen Nutzen: «Bei Kriminellen oder in bestimmten Kreisen sind solche Tools sowieso schon lange bekannt.»

Tipps für Schutz in der digitalen Welt

Minary soll dagegen normale Internet-Nutzer ansprechen. «Das Projekt zeigt auf, mit wie wenig Kenntnis die Privatsphäre abhanden kommen kann, indem es dem normalen Internet-Nutzer ein Werkzeug aushändigt, wie es auch die Profis nutzen.» Denn ein Bruch der Privatsphäre geschehe meist versteckt: «Oft merkt man nicht, dass man überwacht wird.»

Unteregger möchte nicht nur das Bewusstsein fördern, sondern gibt auch konkrete Tipps, wie man die eigene Datensicherheit verbessert (einige davon gibt es in der Box). Denn «man kann und sollte etwas tun», um sich in der digitalen Welt zu schützen.

So schützen Sie sich

Ruben Unteregger betont, dass alle Internetnutzer beim Surfen gefährdet sind. Denn sie können von jeder Person, die im selben Netzwerk unterwegs ist, ausspioniert werden.

Seine Tipps gegen Angriffe: «Updaten Sie Ihren Computer regelmässig und verwenden Sie sowohl eine Antiviren-Software als auch eine Firewall.» Zudem sollte darauf geachtet werden, dass man beim Surfen verschlüsselte Websites nutzt. Diese erkennt man daran, dass anstatt dem üblichen http:// in der Adresse https:// steht. Denn unverschlüsselte Seiten seien für einen Angreifer leicht zu manipulieren.

Zudem sollten sensible Daten nicht in einem fremden oder öffentlichen Netz übertragen werden, sondern besser zu Hause. Deshalb gelte: «Machen Sie Ihr E-Banking nicht im Starbucks.» Zudem sollte der Besuch von zwielichtigen Websites vermieden werden, denn dieser habe oft üble Auswirkungen auf den Computer.

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