Nicolas Haas (25) – Schweizer erobert die Serie A – «Nati-Aufgebot würde mich mit Stolz erfüllen»
Aktualisiert

Nicolas Haas (25)Schweizer erobert die Serie A – «Nati-Aufgebot würde mich mit Stolz erfüllen»

Nicolas Haas (25) gehört beim Serie-A-Club Empoli zu den Schlüsselspielern. In der Schweiz hat der Surseer trotz starken Leistungen bislang kaum jemand auf dem Radar. 20 Minuten hat ihn in Italien besucht.

von
Lucas Werder

Zu Besuch bei Nicolas Haas im Training des FC Empoli.

Lucas Werder

Darum gehts

  • Nicolas Haas sorgt mit dem FC Empoli in der Serie A für Furore.

  • Der Schweizer gehört beim Aufsteiger zum Stammpersonal.

  • 20 Minuten hat den in der Schweiz noch eher unbekannten 25-Jährigen in Empoli besucht.

Nicolas Haas, Sie sind Stammspieler in der Serie A. Trotzdem hat Sie in der Schweiz bis jetzt kaum jemand auf dem Radar. Stört Sie das?

Überhaupt nicht. Ich interessiere mich auch nicht gross dafür, was in den Zeitungen steht. Im Gegenteil: Ich geniesse es, dass ich einfach so raus kann und nicht überall erkannt werde.

Dabei haben Sie mit Empoli in dieser Saison bereits für Aufsehen gesorgt. Am zweiten Spieltag haben Sie als Aufsteiger auswärts bei Juventus Turin mit 1:0 gewonnen. Das bisherige Highlight?

Sicher eines davon. Wir haben generell einen guten Saisonstart hingelegt und gezeigt, dass wir mithalten können. Die Spiele auswärts in Turin oder Rom waren schon etwas Spezielles.

Sie haben sich als Club mit bescheidenen Mitteln im Tabellenmittelfeld festgesetzt. Wie erklären Sie sich den guten Saisonstart?

Wir haben eine gute Mannschaft, die versucht mitzuspielen und es auch in Kauf nimmt, Fehler zu machen. Es herrscht ein sehr familiäres Umfeld, in dem wir gut und in Ruhe arbeiten können.

2017 sind Sie von Luzern nach Bergamo gewechselt. Dort konnten Sie sich aber nie richtig durchsetzen. War der Transfer ein Fehler?

Das ist schwierig zu sagen. Schliesslich hat mich das am Ende dahin gebracht, wo ich heute stehe. Rückblickend hätte ich vor dem Wechsel wohl einiges kritischer hinterfragt.

Zuerst Palermo, dann Frosinone und schliesslich Empoli. Sie wurden jedes Jahr zu einem anderen Club ausgeliehen, mussten sich immer wieder aufs Neue durchsetzen. Wie schwierig war das für Sie?

Für mich war das immer eine Einstellungssache. Ich habe bei jedem Verein immer sofort Vollgas gegeben. Ganz wichtig war für mich auch, dass ich möglichst schnell Italienisch konnte. Für das Zwischenmenschliche in der Kabine ist das sehr wichtig, um sich wohl zu fühlen. Gerade in Palermo in Süditalien habe ich nochmals etwas ganz anderes kennengelernt als beispielsweise in Bergamo.

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Am zweiten Spieltag siegten Haas und Empoli auswärts bei Rekordmeister Juventus Turin mit 1:0.

Am zweiten Spieltag siegten Haas und Empoli auswärts bei Rekordmeister Juventus Turin mit 1:0.

imago images/NurPhoto
Im Römer Stadio Olimpico gab es dagegen eine 0:2-Pleite.

Im Römer Stadio Olimpico gab es dagegen eine 0:2-Pleite.

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Haas gehört beim Aufsteiger zum Stammpersonal im zentralen Mittelfeld.

Haas gehört beim Aufsteiger zum Stammpersonal im zentralen Mittelfeld.

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Seit eineinhalb Jahren spielen Sie nun in Empoli, im Sommer hat Sie der Club fest verpflichtet. Wie beurteilen Sie Ihre eigene Entwicklung?

Ich habe meine Erfahrungen in der Serie B gesammelt und bin kein Neuling mehr. Der Trainer hier kennt mich und weiss, wie ich spiele. Ich bin sehr selbstkritisch und kann meine eigene Leistung gut einordnen. Und ich habe meine Ziele, an denen ich arbeite.

Ziele, wie einen Wechsel zu einem grösseren Club?

Ich nehme Schritt für Schritt. Zuerst will ich mit Empoli den Ligaerhalt schaffen. Es ist mein Anspruch in einer Top-5-Liga zu spielen.

Das heisst, Sie könnten sich vorstellen, länger hier zu spielen?

Das kommt darauf an, wie sich der Club entwickelt. Die Stadt ist klein, aber der Verein hat eine gute Infrastruktur und ein langfristiges Konzept.

Gibt es eine Liga, die Sie besonders reizen würde?

Die Premier League ist schon ein Traum. Die Stimmung dort ist besonders. Auch, weil die Fans so nahe am Rasen sitzen.

Wie steht es um das Thema Nati? Hat Murat Yakin schon mal angerufen?

Bis jetzt nicht. Aber das ist sicher ein Ziel. Sein Land vertreten, das dürfen nur sehr wenige und würde mich mit Stolz erfüllen. Aber dafür braucht es konstant gute Leistungen im Club.

Gerade auf Ihrer Position im zentralen Mittelfeld ist der Konkurrenzkampf mit Xhaka, Freuler, Zakaria, Sow und so weiter riesig. Ärgert Sie das?

Nein. Mit Dennis und Djibril hab ich damals in der U21 gespielt. Ich freue mich für sie.

Wie würden Sie Ihren Spielstil selber beschreiben?

Hier in Empoli bin ich schon eher der defensiv ausgerichtete zentrale Mittelfeldspieler. Ich habe aber sicher auch meine Qualitäten nach vorne. Mein Pass ist aber besser als mein Schuss (lacht).

Womit verbringen Sie Ihre Zeit abseits des Fussballplatzes?

Ich gehe regelmässig mit meinen Teamkollegen Abendessen. Wenn ich sonst mal rausgehe, dann eher nach Florenz. Das liegt nur rund 20 Minuten von meinem Wohnort entfernt. Zudem absolviere ich zurzeit ein Psychologie-Studium.

Warum Psychologie?

Ich beobachte gerne Menschen und ihr Verhalten. Das finde ich extrem spannend und ich kann auch einiges für mich daraus ziehen. Der Kopf ist zentral für die persönliche Entwicklung. Ich habe in diesem Bereich auch Ziele und Projekte für nach meiner Karriere.

Die Karriere von Nicoals Haas

Nicolas Haas (* 23. Januar 1996) ist in Sursee aufgewachsen und wechselte im Alter von zwölf Jahren in die Nachwuchsabteilung des FC Luzern. Im Februar 2015 gab er sein Profi-Debüt in der Super League. Gute zwei Jahre später folgte der Wechsel zum italienischen Top-Club Atalanta Bergamo. Dort kam er zu Beginn nur sehr sporadisch zum Einsatz und wurde immer wieder ausgeliehen.

Nach Leih-Stationen in der Serie B Palermo, Frosinone und Empoli folgte im vergangenen Sommer nach dem erfolgreichen Aufstieg der definitive Wechsel zum FC Empoli. Für den Club hat er in dieser Saison bereits zwölf von 13 möglichen Ligaspielen absolviert und zwei Vorlagen beigesteuert. Für die Schweizer U-21 lief Haas zwischen 2016 und 2017 insgesamt sieben Mal auf und trug sogar die Captain-Binde. Neben seiner Fussball-Karriere absolviert der 25-Jährige zurzeit sein Bachelor-Studium im Bereich Psychologie.

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