Mélanie René für Eurovision: «Schweizer ESC-Titel wird kaum Beachtung finden»
Aktualisiert

Mélanie René für Eurovision«Schweizer ESC-Titel wird kaum Beachtung finden»

Bei den 20-Minuten-Lesern hält sich die Begeisterung über unseren ESC-Beitrag in Grenzen. Ähnlich ist die Reaktion der Musikchefs der grossen Radiosender.

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Die Freude ist gross: Mélanie René vertritt die Schweiz beim ESC 2015.

Die Freude ist gross: Mélanie René vertritt die Schweiz beim ESC 2015.

Stevan Bukvic / Tilllate.com
Die 24-jährige Genferin konnte das Publikum und die Jury von ihren Qualitäten als Sängerin überzeugen.

Die 24-jährige Genferin konnte das Publikum und die Jury von ihren Qualitäten als Sängerin überzeugen.

Stevan Bukvic / Tilllate.com
Sie wird mit dem Song «Time to Shine» antreten, den Mélanie eigentlich für ihr geplantes Album aufgenommen hatte.

Sie wird mit dem Song «Time to Shine» antreten, den Mélanie eigentlich für ihr geplantes Album aufgenommen hatte.

Stevan Bukvic / Tilllate.com

Nachdem die Schweiz letztes Jahr den Tessiner Sebalter mit seinem Folkpop-Titel ins Rennen um den Sieg beim Eurovision Song Contest geschickt hatte, bekam heuer eine epische Ballade den Zuschlag. Es könnte daher durchaus der Eindruck entstehen, dass Mélanie René mit ihrem Lied «Time to Shine» Vorjahres-Siegerin Conchita Wurst nacheifern will.

Eines ist klar: Bei den Lesern fällt der Song mehrheitlich in Ungnade. Ein Satz, auch wenn er nicht gerade der originellste ist, fällt im Kommentarfeld am häufigsten: «Switzerland, zero points!» Und auch die 20-Minuten-Umfrage spricht eine deutliche Sprache. Ein Viertel der Teilnehmer findet das Lied «schrecklich». 27 Prozent halten es für «ganz ok». Noch mehr Teilnehmern, nämlich 31 Prozent, ist die ganze Veranstaltung egal. Nur 17 Prozent geben «Time to Shine» das Votum «toller Song».

«Song bleibt zu wenig hängen»

Auch das Urteil der Musikchefs der grossen Radiosender ist verhalten. «Wenn man in klassischen ESC-Kategorien denkt, dann erfüllt ‹Time to Shine› praktisch alle Anforderungen. Der ESC ist aber schon länger nicht mehr diese klassische Veranstaltung und darum müssten sich auch die Beiträge der Schweiz entsprechend anpassen. Ich fürchte, dass der Schweizer Titel auch dieses Jahr wenig bis gar keine Beachtung finden wird», sagt Christian Jäckli, der Leiter Musik bei Radio 24, zu 20 Minuten.

Warum dem so sein könnte, erklärt der Experte so: «Der Song bleibt nach dem ersten Durchhören zu wenig hängen und man hat den Eindruck, dass sich Mélanie René nicht entscheiden konnte, was sie aus dem Lied machen will: ein klassisches Chanson, ein düstere, coole und durchgestylte Popnummer oder eine grosse Ballade.»

«Time to Shine» probiert zu gefallen

Bei Radio Energy ist man noch unentschlossen, ob der Beitrag über den Äther geht oder nicht. Darüber werde in einer der kommenden Sitzungen entschieden. «Der Song kriegt bei uns keinen Bonus, nur weil er der offizielle Eurovisions-Beitrag der Schweiz ist. Wir werden ihm aber auch keine Steine in den Weg legen und ihn genau gleich behandeln wie jeden anderen Song auch», so Andy Studer, Leiter Content bei Radio Energy. Und: «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Lied bei Energy laufen wird.»

Diplomatisch fällt auch die Einschätzung von Michael Schuler, Leiter der Fachredaktion Musik beim Schweizer Radio und Fernsehen, aus. «Im Song verbindet Mélanie René sehr viele Elemente. Er besticht durch die Melodieführung, lehnt sich an zeitgemässe Rhythmen an und überrascht mit einem kurzen Gitarren-Intermezzo. ‹Time to Shine› probiert mit vielem zu gefallen – vielleicht mit zu vielem?»

Mélanie René und ihr offizieller Schweizer ESC-Beitrag «Time to Shine». (Quelle: YouTube)

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