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Der Gesundheit zuliebeSchweizer essen weniger Glace

Der Konsum von Glace geht in der Schweiz seit Jahren zurück – ein Zeichen für steigendes Gesundheitsbewusstsein. Laut einem Experten kann Verzicht jedoch krank machen.

von
ced
Industriell hergestellte Glace ist nicht mehr so beliebt wie früher.

Industriell hergestellte Glace ist nicht mehr so beliebt wie früher.

Keystone/Regina Kuehne

Schweizerinnen und Schweizer griffen im Jahr 2014 weniger in die Tiefkühltruhe: Während 2013 noch 43,5 Millionen Liter industriell hergestelltes Eis verspeist wurden, waren es im vergangenen Jahr 42,9 Millionen Liter. Das ist laut dem Verband Schweizerischer Glaceproduzenten Glacesuisse einerseits auf das schlechte Wetter zurückzuführen.

Andererseits ist der Konsum aber nicht nur im letzten Jahr, sondern seit dem Rekordsommer 2003 – in dem 55,5 Millionen Liter Eis verzehrt wurden – kontinuierlich zurückgegangen. Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, liegt das an der Einstellung der Konsumenten.

Weniger Glace – der Gesundheit zuliebe

Die Lust auf Glace kommt laut Jouni Palokangas, Präsident des Verbands Glacesuisse und Leiter der Nestlé-Division Frisco-Findus, ab Temperaturen von 20 Grad auf. Deshalb erwirtschaften Glaceproduzenten 75 Prozent ihres Jahresumsatzes zwischen April und September. Auch 2014 lag der Glacekonsum bis April auf gutem Niveau – sogar bei 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch der nasskalte Juli und August liessen diesen Vorsprung bis Ende Jahr auf minus 1,5 Prozent wegschmelzen.

Wie Palokangas sagt, werde aber auch wetterunabhängig immer weniger Glace gegessen. Das habe damit zu tun, dass sich die Kunden immer mehr mit der Gesundheit auseinandersetzen. «Das Gesundheitsbewusstsein hat in den letzten Jahren stark zugenommen», so Palokangas zur «Aargauer Zeitung». Es gebe einen Trend hin zu kleineren Portionen und Glace aus natürlichen Zutaten. So ändert sich laut Reto Buchli, Leiter der Abteilung Food Service bei Emmi, das Konsumverhalten. Früher sei man öfters auswärts eine Coupe essen gegangen, heute sei das weniger der Fall.

«Das kann krank machen»

Verwunderlich ist indes, dass viele aus gesundheitlichen Gründen auf Glace verzichten, bei anderen süssen Produkten wie Schokolade aber keine Hemmungen zeigen: Laut dem Verband Schweizerischer Schokoladenfabrikanten ist der Schokoladenkonsum in den letzten Jahren in etwa konstant geblieben. Dafür hat der Konsumpsychologe Christian Fichter eine Erklärung parat: «Durch die Werbung wissen wir: Ein ‹Reiheli› Schokolade ist gesund und macht glücklich. Glacehersteller haben es hingegen verschlafen, Gesundheitsaspekte anzusprechen.»

Allgemein werde in der Schweiz seit schätzungsweise sieben Jahren aus gesundheitlichen Gründen vermehrt auf gewisse fett- und zuckerhaltige Produkte verzichtet – und der Trend nehme weiter zu. Fichter: «Einerseits sind die Entwicklungen – aus einer gesundheitspsychologischen Sicht – positiv zu werten. Andererseits darf man sich zwischendurch auch ruhig einmal etwas gönnen. Ein extremer Gesundheitswahn kann krank machen.»

Laut dem Konsumpsychologen ist es aber vielfach schwierig, einen gesunden Mittelweg zu finden: «Man will der Norm entsprechen und passt seinen Konsum dementsprechend an.»

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