Erstes 2G+-Konzert am Dienstag – Schweizer Eventbranche bereitet sich auf schärfere Corona-Regeln vor
Publiziert

Erstes 2G+-Konzert am DienstagSchweizer Eventbranche bereitet sich auf schärfere Corona-Regeln vor

Eine deutsche Band verlangt beim Konzert in Zürich neben dem Zertifikat auch einen gültigen Test, also 2G+. Auch die Schweizer Eventbranche bereitet sich auf Verschärfungen vor – wehrt sich aber gegen 2G+.

von
Daniel Graf
Christina Pirskanen
1 / 7
Für Clubbesuche und Konzerte könnten schon bald wieder schärfere Massnahmen drohen. 

Für Clubbesuche und Konzerte könnten schon bald wieder schärfere Massnahmen drohen.

20min/Michael Scherrer
Die deutsche Punkband «Boilers» macht den ersten Schritt: Beim Konzert am nächsten Dienstag kommen auch Besucherinnen und Besucher mit Zertifikat nur rein, wenn sie zusätzlich einen negativen Antigen-Test haben. 

Die deutsche Punkband «Boilers» macht den ersten Schritt: Beim Konzert am nächsten Dienstag kommen auch Besucherinnen und Besucher mit Zertifikat nur rein, wenn sie zusätzlich einen negativen Antigen-Test haben.

Screenshot Facebook 
Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny begrüsst das: «Das Konzert in Zürich könnte ein Denkanstoss für andere Veranstalter und Künstler sein, solche Regeln ebenfalls einzuführen.»

Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny begrüsst das: «Das Konzert in Zürich könnte ein Denkanstoss für andere Veranstalter und Künstler sein, solche Regeln ebenfalls einzuführen.»

privat

Darum gehts

  • Nächste Woche findet das erste Konzert in der Schweiz statt, bei dem 2G+ gilt: Auch wer ein Zertifikat hat, muss sich vor dem Anlass testen lassen.

  • Infektiologe Andreas Cerny plädiert dafür, schärfere Regeln für Veranstaltungen auszudehnen.

  • Die Eventbranche tut sich schwer: Wenn überhaupt, wollen sie Ungeimpfte ausschliessen.

Die deutsche Punkrock-Band «Broilers» spielt am Dienstag ein Konzert im Zürcher Kaufleuten. Rein darf nur, wer neben einem gültigen Covid-Zertifikat auch einen tagesaktuellen negativen Antigentest vorweisen kann. Das «Broilers»-Konzert im Kaufleuten wird somit das erste 2G+-Konzert der Schweiz sein.

Für den Tessiner Infektiologen Andreas Cerny ist klar: Daran könnten sich weitere Veranstalter ein Beispiel nehmen. Denn infektiologisch seien Konzerte mit 2G+-Regeln sinnvoll: «So lange das aber nur einzelne Events betrifft, sind solche Massnahmen nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Das Konzert in Zürich könnte ein Denkanstoss für andere Veranstalter und Künstler sein, solche Regeln ebenfalls einzuführen.»

«Lieber 2G als Sperrstunde um Mitternacht»

Zumindest offen für 2G – also dem Ausschluss von Ungeimpften – zeigt sich Hänse Schegg vom Club «Bolero» in Winterthur: «Wir könnten damit leben. Aktuell gehen wir davon aus, dass bei uns eine Impfquote von über 90 Prozent besteht, weshalb wir aus wirtschaftlicher Sicht auf die restlichen zehn Prozent ungeimpfte Gäste verzichten könnten.»

Der Bolero Club sei schon länger davon ausgegangen, dass die Covid-Zahlen im Herbst wieder steigen würden und habe sich deshalb schon früh Gedanken über mögliche neue Massnahmen gemacht. «Solange wir dürfen, fahren wir weiter mit der 3G-Regel.» Für Schegg ist aber klar: «Wir führen lieber 2G ein, als wieder Massnahmen in Richtung einer Sperrstunde ab Mitternacht oder einer Sitzpflicht beim Konsumieren zu riskieren. Sollte es so weit kommen, hätte das weitere Schliessungen zur Folge.»

«Behörden müssten Umsatzausfälle kompensieren»

Auch beim Basler Club Nordstern heisst es: «Eine 2G-Regel sehen wir durchaus als gangbare Option an, wenn dadurch eine mögliche Schliessung abgewendet werden kann.» Selbst 2G+ käme infrage, allerdings nur, wenn der Bund die Testkosten übernehme. «Wir empfinden beide Auflagen als sinnvoller, als komplett geschlossen zu bleiben.» Klar ist für das Team vom «Nordstern»: «Die Behörden müssten die durch die Massnahmen entstehenden Umsatzausfälle kompensieren.»

Kein Verständnis für schärfere Massnahmen für Clubs hat hingegen Stefan Breitenmoser, Geschäftsführer des Branchenverbands der Konzert-, Show- und Festivalveranstalter SMPA: «Konsequent umgesetzte 3G-Regeln haben sich in der Schweiz bewährt», sagt er.

«An politische Entscheide halten wir uns natürlich»

Breitenmoser sieht den Ball bei den Behörden: «Bund und Kantone müssen entscheiden, wie es weitergeht.» Es sei nicht angebracht, dass nun einzelne Veranstalter oder Künstler vorpreschen würden: «Schweizweit müssen einheitliche Regeln gelten, damit diese vom Publikum akzeptiert werden.»

Auch Alex Bücheli, Geschäftsführer der Zürcher Bar- und Club-Kommission, glaubt, dass 3G reicht. «Wir sehen derzeit keinen Anlass, die Regeln zu verschärfen. Sollte aber ein politischer Entscheid gefällt werden, halten wir uns selbstverständlich daran.» Die Umsetzung wäre laut Bücheli unterschiedlich schwierig: «Auf dem Land dürfte das mehr Probleme bereiten. In der Stadt konnten wir schon viele Erfahrungen mit Testmöglichkeiten direkt vor den Clubs machen. Hier wäre die Einführung von 2G+ wohl umsetzbar.»

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

293 Kommentare