21.11.2015 19:53

Abenteuer in der ArktisSchweizer Extremsportler kiten zwischen Eisbergen

Die beiden Zürcher Geza und André Scholtz haben eine Kitesurf-Expedition in die Arktis unternommen – und extremen Wetterbedingungen getrotzt.

von
lüs

In der Stadt Zürich führen die Brüder Geza und André Scholtz gemeinsam eine Zahnarztpraxis. Doch immer wieder brechen der 34- und 35-Jährige aus dem Alltag in der Schweiz aus – sie sind nicht nur Dentalmediziner, sondern auch Extremsportler.

Ihre neuste Expedition ist erst seit kurzem zu Ende. Sie führte die beiden in diesem Herbst nach Grönland – drei Wochen lang erkundeten sie die arktische Eislandschaft auf ihren Kiteboards. Zwischen haushohen Eisbergen liessen sie sich vom bis zu 60 km/h starken Wind über das Meer treiben. «Dass wir ab und zu im eisigen Wasser landeten, liess sich nicht vermeiden», sagt Geza Scholtz. «Dass wir Anzüge trugen, in denen man nicht nass wird, war lebensnotwendig.»

Gefahr von abbrechenden Eisblöcken

Sowieso war das Abenteuer alles andere als ungefährlich: Ständige Gefahr drohte von Eisblöcken, die von den Eisbergen hätten abbrechen können. «Nicht getroffen zu werden ist das eine – man muss sich auch vor den Wellen in Acht nehmen, die ausgelöst werden, wenn die Eismassen ins Wasser prallen», so Geza Scholtz.

Doch die beiden Brüder, die gemeinsam mit dem britischen Profi-Kitesufer Richard Flindall (25) unterwegs waren, hatten Glück und überstanden das Abenteuer unbeschadet. «Von den Wetterbedingungen her war es das Extremste, was wir je gemacht haben», so Scholtz. Die Lufttemperaturen lagen 10 Grad Celsius unter Null, das Wasser war minus 0,7 Grad kalt. Neben der beeindruckenden Eislandschaften bleiben den Abenteurern auch die Begegnungen mit zahlreichen Robben in Erinnerung – und mit ihren Jägern.

Perfekte Wetterbedingungen

Eigentlich hatten die beiden Zürcher erst ein anderes Wunschziel: Sie hätten ihre Expedition nicht in der Arktis, sondern im Reich der Pinguine durchführen wollen. «Doch wir merkten schnell, dass die Kosten einer Reise in die Antarktis unser Budget übersteigt», so Geza Scholtz. Deshalb entschieden sie sich schliesslich für Grönland.

Auch hier liess sich eine solches Unternehmen nicht so einfach realisieren: «Es waren lange Recherchen und viele Gespräche mit Einheimischen nötig, um herauszufinden, zu welcher Zeit im Jahresverlauf Kitesurfen in der Arktis überhaupt möglich ist», sagt Geza Scholtz. Sie hätten ein Riesenglück gehabt, dass sie genau das richtige Zeitfenster erwischt hätten. «Noch kurz vor unserer Ankunft hatte es keinerlei Wind, als wir aber in Grönland eintrafen, war es windig und zugleich sonnig – und kaum waren wir fertig, setzte der Schneefall ein, der Kitesurfen unmöglich gemacht hätte.»

Vor zwei Jahren die Magellanstrasse bezwungen

Die Brüder Scholtz hatten nicht immer so viel Glück. Zwar schafften sie es 2013, als erste Kiteboarder die Magellanstrasse zwischen dem chilenischen Festland und Feuerland zu durchqueren. Zweimal waren sie davor aber wegen widriger Wetterbedingungen bei ihrem Versuch gescheitert, auf ihren Kiteboards die Beringstrasse zwischen Sibirien und Alaska zu bezwingen. «Für dieses Pech wurden wir nun entschädigt», freut sich Geza Scholtz. Die Brüder haben bereits Ideen, wohin es das nächste Mal gehen soll, wenn sie die Zahnbohrmaschine mit dem Kite tauschen. «Es ist aber noch zu früh, über diese Pläne zu sprechen.»

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