Aktualisiert 15.02.2016 19:33

Gefälsche DokumenteSchweizer Fahrausweise gibts im Darknet ab 220 Fr

Im Darknet werden Daten zu Schleuderpreisen verhökert. Und auch Schweizer Dokumente gibts zuhauf, etwa den Scan eines Passes für 10 Franken.

von
tob

Auf Online-Schwarzmärkten im Darknet finden sich nicht nur illegale Substanzen, Waffen und Plagiate – sondern auch Schweizer Passdaten und gefälschte Dokumente. Marc Ruef, Sicherheitsforscher bei der Zürcher Firma Scip AG hat dies zusammen mit seinem Team im Rahmen einer intensiven Recherche im Darknet aufgedeckt.

«Es gibt definitiv einen Markt für gefälschte Ausweisdokumente», sagt Ruef. Momentan würden gefälschte Schweizer Fahrausweise für 210 bis 300 US-Dollar angeboten. Eine gefälschte Schweizer Niederlassungsbewilligung C findet sich ebenfalls.

Scans, um Geld zu waschen

Im Darknet finden sich aber auch Scans und Kopien von Pässen – darunter auch von Schweizer Papieren. «Hier bewegen sich die Preise zwischen 5 und 100 Dollar», sagt Ruef. Betrüger nutzen solche Dokumente, um etwa bei einem legitimen Bezahlservice eine falsche Identität vorzutäuschen und so Geld zu waschen.

Auf den Märkten werden allerlei gefälschte Dokumente gehandelt: Ein US-Pass kostet rund 160 Dollar. «Gefälschte Dokumente sind aber natürlich umso schwieriger herzustellen, jr mehr Sicherheitsmerkmale verwendet wurden», sagt Ruef. Er und sein Team setzen sich mit genau solchen Merkmalen auseinander.

Biometrische Merkmale fälschen

Ruef stuft Schweizer Dokumente als «nicht so einfach zu reproduzieren» ein. Die Fälscher würden sich generell primär auf optische Merkmale konzentrieren.

«Es ist aber eine Frage der Zeit, bis auch auf der technologischen Ebene nachgezogen wird», so Ruef. Insgesamt sei das Angebot von Schweizer Dokumenten im Darknet aber «überschaubar».

Geschlossene Gruppen infiltrieren

Gehandelt wird einerseits in den offenen Darknet-Märkten, in denen es auch Drogen und Waffen zu kaufen gibt. Andererseits gibt es spezielle, geschlossene Gruppierungen, die den Handel vorantreiben. Zu diesen muss zuerst Kontakt aufgenommen und eine Vertrauensbeziehung aufgebaut werden, bevor eine Transaktion überhaupt in Frage kommt. «Das ist sehr aufwendig und kostet Zeit», erzählt Ruef.

Dabei sei es für die Sicherheitsexperten besonders wichtig und schwierig, selbst keine strafbaren Handlungen zu vollziehen oder zu unterstützen, sagt Ruef. Deshalb werden die Aktivitäten von Scip im Darknet immer genau geplant und im Team abgesprochen. «Sobald eine Gefahr für unser Unternehmen oder unsere Analysten besteht, sehen wir von weiteren Zugriffen ab», so der Experte.

Zwei Verhaftungen in der Schweiz

Die Angebote und vor allem die Darknet-Händler sind auch im Visier des Fedpol: «Das Einschleusen von verdeckten Ermittlern ist zur Zeit einer der erfolgversprechendsten Ermittlungsansätze», sagt Alexander Rechsteiner, Sprecher des Bundesamt für Polizei. Die verdeckten Ermittlungen würden sich allerdings langwierig und schwierig gestalten. «Die Täter kennen die Schwierigkeiten der Strafverfolgungsbehörden und ergreifen gezielt Massnahmen zur Erkennung verdeckter Ermittler».

Die Zuständigkeit der Behörden wird von Fall zu Fall beurteilt. «Je nach Angebot kommt sowohl die kantonale wie auch die Bundeskompetenz in Frage», so Rechsteiner. Zu einzelnen Fällen will sich das Fedpol nicht äussern. In der Schweiz hat es bisher zwei Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Darknet und anonymisierten Dienstleistungen gegeben. Dies im Rahmen der internationalen Kampagne Operation Onymous im Jahr 2014.

Bis zu fünf Jahre Haft

Wer in der Ab­sicht, je­man­den am Ver­mö­gen oder an an­dern Rech­ten zu schä­di­gen oder sich oder ei­nem an­dern ei­nen un­recht­mäs­si­gen Vor­teil zu ver­schaf­fen, ei­ne Ur­kun­de fälscht oder ver­fälscht, die ech­te Un­ter­schrift oder das ech­te Hand­zei­chen ei­nes an­dern zur Her­stel­lung ei­ner un­ech­ten Ur­kun­de be­nützt, wird mit Frei­heits­stra­fe bis zu fünf Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft. (Art. 251 StGB)

Das Darknet

Über 99 Prozent der Daten im Internet sind nicht über Suchmaschinen auffindbar. Man spricht vom Deep Web. Darin versteckt sich auch das Dark Net. Das sind Netzwerke, die bewusst unsichtbar sein wollen. Um darauf zuzugreifen, benötigt man spezielle Software wie den TOR-Browser. Der Datenverkehr verläuft dabei verschlüsselt und zufällig über unzählige private Rechner. Überwacher können so nur schwer Informationen über die Kommunikation sammeln.

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