Dreimal so viel: Schweizer fahren seit Virus-Ausbruch mehr Velo
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Dreimal so vielSchweizer fahren seit Virus-Ausbruch mehr Velo

Seit in der Schweiz der Ausnahmezustand herrscht, verbringen Schweizer viel mehr Zeit auf dem Velo – und fahren dreimal grössere Distanzen.

von
Reto Heimann
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Seit wegen Corona der Ausnahmezustand über die Schweiz verhängt ist, fahren Schweizer mehr Velo. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Seit wegen Corona der Ausnahmezustand über die Schweiz verhängt ist, fahren Schweizer mehr Velo. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

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Statt den Zug mehr mit dem Velo unterwegs: Die tägliche Durschnittsdistanz hat sich verdreifacht. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Statt den Zug mehr mit dem Velo unterwegs: Die tägliche Durschnittsdistanz hat sich verdreifacht. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

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Über eine halbe Stunde sind Schweizer nun pro Tag auf dem Velo. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Über eine halbe Stunde sind Schweizer nun pro Tag auf dem Velo. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

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Die Corona-Krise macht die Schweiz zum Velo-Land: Seit Mitte März hat sich die Distanz, die Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich pro Tag auf dem Veo zurücklegen, fast verdreifacht. Das berichtet die Redaktion Tamedia, die sich dabei auf eine gross angelegte Studie der ETH stützt.

Konkret betrug die durchschnittlich auf dem Velo zurückgelegte Strecke letzte Woche 1,8 Kilometer pro Tag. Zum Vergleich: Im Herbst 2019 lag dieser Wert noch bei 680 Metern pro Tag. Interessant auch: Die durchschnittlich zurückgelegte Tagesdistanz ist bei allen anderen Transportmitteln zurückgegangen. So hat die Schweiz einen regelrechten Einbruch bei der Nutzung von Tram, Bus und Zug erlebt.

Gross angelegte Studie

Die ETH ermittelt die Zahlen mittels GPS-Daten. Insgesamt 1200 Schweizerinnen und Schweizer zwischen 18 und 65 Jahren nehmen an der Studie teil. Sie kommen allen Regionen der Schweiz. Grundlage der Studie ist die Tacking App «Catch My Day», die die Teilnehmer auf ihr Smartphone downloaden – und die mit jeder Bewegung die zurückgelegte Strecke automatisch aufzeichnet. Ein Algorithmus erkennt, mit welchem Transportmittel ein Teilnehmer sich gerade bewegt.

Aus den Daten lässt sich herauslesen: Schweizer verbringen aktuell über eine halbe Stunde täglich auf dem Velo; Männer 32 Minuten, Frauen sogar deren 38. Im Herbst 2019 waren es noch rund 15 Minuten pro Tag gewesen.

«Auf den Geschmack gekommen»

Warum Schweizer zurzeit so viel mehr Zeit auf dem Fahrrad verbringen, kann erst eine detaillierte Analyse erklären. Professor Kay W. Axhausen, der die Studie mitleitet, hat aber erste Erklärungsansätze: Er vermutet, dass die Menschen einerseits mehr in der Freizeit aufs Velo steigen. Andrerseits seien aber wohl auch Berufspendler aufs Velo umgesattelt in letzter Zeit: «Beim öffentlichen Verkehr sehen wir denn auch einen markanten Einbruch», sagt Axhausen.

Die Lobby Pro Velo, die sich für die Interessen der Velofahrer in der Schweiz einsetzt, ist überzeugt, dass dieser Effekt über Corona hinaus bestehen bleiben wird. «Wir sind überzeugt, dass der Velo-Boom nachhaltig ist, da noch mehr Schweizerinnen und Schweizer auf den Geschmack gekommen sind, kurze Strecken mit dem Velo zu fahren», sagt Claudia Bucher; Leiterin Kommunikation bei Pro Velo.

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