Virales Video - Schweizer Fecht-Weltmeister Max Heinzer begeistert Eishockey-Fans
Publiziert

Pucks mit Degen abwehrenSchweizer Fecht-Weltmeister Max Heinzer begeistert auch Eishockey-Fans

Fechter Max Heinzer bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor. Dabei greift er auch zu unkonventionellen Trainingsmethoden. Diese zeigt er in einem Video, das viral geht.

von
Adrian Hunziker

Heinzer wehrt Pucks ab, die auf ihn abgeschossen werden.

Video: Max Heinzer

Darum gehts

  • Fechter Max Heinzer hat eine alternative Trainingsmethode entdeckt.

  • Er wehrt Pucks mit seinem Degen ab.

  • Ein Video, das er postete, geht viral, sodass die NHL darauf aufmerksam wurde.

  • Heinzer befindet sich aktuell in der Vorbereitung für die Olympischen Spiele.

  • Mit 20 Minuten hat er über sein Video gesprochen.

Wenn die Nachricht nicht untergegangen wäre, hätte Max Heinzer sicher früher reagiert. Da stand geschrieben: «Wir würden gerne dein unglaubliches Goalie-Fechten-Video auf Facebook, Twitter, Instagram und Tiktok zeigen.» Gezeichnet von der NHL – der besten Eishockey-Liga der Welt. Was will denn die NHL mit einem Video eines Fechters?

Foto: Instagram/Max Heinzer

Einmal gesehen, macht alles Sinn. Denn da steht der 33-jährige Innerschweizer in seiner Fechtmontur in einem Eishockey-Goal – und lässt Pucks aus einer Maschine auf sich schiessen. Und was macht Heinzer? Er wehrt die Scheiben ab, mit seinem Degen. Oder genauer gesagt mit der Degen-Glocke, dem Handschutz. «Ich wollte ursprünglich den Puck mit der Spitze abwehren und nicht mit der Glocke, aber das wäre zu gefährlich gewesen wegen der Abpraller», sagte Heinzer im Interview mit 20 Minuten.

Aber auch mit der Glocke Pucks abzuwehren ist kein Zuckerschlecken. «Die Pucks machen eine Delle in die Degen-Glocke. Ich muss immer eine alte nehmen, die ist danach kaputt. Ich weiss nicht, wieviele Schüsse ich bereits abwehrte, direkt hat mich aber noch nie einer getroffen. Ein Puck wurde aber von der Glocke an meine linke Hand abgelenkt. Das tat richtig weh.» Und ja, der Team-Weltmeister von 2018 trainierte nicht nur für dieses Video auf diese Art, er tut das immer wieder.

Es ist ein Job anstatt Vergnügen

Er sagt ganz deutlich, dass er stets hochkonzentriert sein muss. «Ich steh nicht hin und mach mal ein bisschen. Deshalb dauert eine Session auch nicht länger als 15 Minuten. Ich habe keine Lust, mir eine Prellung zu holen.» Jetzt speziell nicht, da sich Heinzer in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele von Tokio befindet.

Er, der bereits zweimal an Sommerspielen teilgenommen hat, verspürt aktuell weniger Vorfreude im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Spielen. «Es werden wohl recht sterile Spiele mit all den Regelungen. Ich schaue es nun mehr als Job an, freu mich aber trotzdem auf die beiden Wettkampftage.» Er fühlt sich sieben Wochen vor Tokio recht gut. «Für uns Fechter ist es sehr speziell, wir hatten in den vergangenen 16 Monaten einen Wettkampf in Russland und sonst nichts. Von der Ausgangslage her wird es also noch spezieller, als es sowieso bereits ist. Es gibt immer viele Favoriten – und nun wird das Feld noch offener sein.»

Badminton-Training mit EVZ-Goalie

Zurück zur NHL: Was war Heinzers Gedanke nach der Anfrage? «Das find ich schon cool, es ist eine gewisse Ehre dahinter. Sie haben einen Repost gemacht, es gab einige Kommentare.» Diese gab es natürlich auch aus der Fecht-Szene. Kein Wunder, ist das doch eine ungewöhnliche Trainingsmethode. Wie kommt man denn auf so eine Idee? Heinzer erklärt: «Ich trainiere seit letztem November im Athletik-Zentrum Oym, dort trainiert auch der EV Zug. Immer am Montagmorgen spiele ich mit EVZ-Keeper Leonardo Genoni Badminton. Ich beobachtete ihn beim Goalie-Training und sah diese Maschine. Da kam mir die Idee: ‹Die könnte ich doch brauchen für mein Reflex-Training.›»

Für Heinzer ist das Video keine Show, er zieht einen Nutzen aus diesem Training: «Es ist ein Ziel dahinter: In dem Moment, in dem der Schuss abgefeuert wird, zuckt man etwas zusammen. Ich kann das damit vergleichen, wenn ein 2-Meter-Mann mich beim Fechten angreift. Im Moment, in dem die Beschleunigung erfolgt, ist es das Ziel, dass ich locker und ruhig bleibe. Und nicht zusammenzucke. Wenn ich locker bin, kann ich richtig reagieren. Das kann ich so versuchen zu trainieren.» Natürlich ist es für ihn auch eine Challenge und ein Fun-Faktor. «Abwechslung ist im Training nach 27 Jahren Fechten wichtig.» Gut möglich also, dass auch in Zukunft weitere aussergewöhnliche Videos von Fechter Heinzer zu sehen sein werden.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

1 Kommentar