Aktualisiert 30.06.2016 05:10

Southside-Abbruch

Schweizer Festivals sind wetterfest

Schon zwei deutsche Openairs wurden wegen schweren Unwettern frühzeitig beendet. Gegen höhere Gewalt kommen auch Schweizer Festivals nicht an – abgesehen davon sind sie gut gewappnet.

von
Schimun Krausz
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Schwärzer geht fast nicht: Der Himmel über dem Gelände kündigte das schwere Unwetter an, das Anfang Juni das deutsche Festival Rock am Ring heimsuchte. Als aus noch ungeklärten Gründen ein Blitz in den Campingplatz einschlug - Blitze schlagen in der Regel ins höchste Gebäude ein, also eher in die Bühne -, wurden rund 80 Menschen verletzt. Schliesslich wurde das Openair aus Sicherheitsgründen schon am Samstag statt erst am Sonntagabend beendet.

Schwärzer geht fast nicht: Der Himmel über dem Gelände kündigte das schwere Unwetter an, das Anfang Juni das deutsche Festival Rock am Ring heimsuchte. Als aus noch ungeklärten Gründen ein Blitz in den Campingplatz einschlug - Blitze schlagen in der Regel ins höchste Gebäude ein, also eher in die Bühne -, wurden rund 80 Menschen verletzt. Schliesslich wurde das Openair aus Sicherheitsgründen schon am Samstag statt erst am Sonntagabend beendet.

Keystone/AP/Thomas Frey
Auch die Veranstalter des Southside Festival hatten Pech, wobei deren Besucher deutlich glimpflicher davonkamen. Das süddeutsche Openair begann vergangenen Freitag - und endete noch in derselben Nacht. Starkregen und Sturm spülten also ganze zwei von insgesamt drei Festivaltagen davon.

Auch die Veranstalter des Southside Festival hatten Pech, wobei deren Besucher deutlich glimpflicher davonkamen. Das süddeutsche Openair begann vergangenen Freitag - und endete noch in derselben Nacht. Starkregen und Sturm spülten also ganze zwei von insgesamt drei Festivaltagen davon.

epa/Felix Kaestle
Schlammpfützen - auch ausgedehnte - gehören am OpenAir St. Gallen (30.6.-3.7.) praktisch zum Line-up; wenn es im Sittertobel mal schüttet, dann sammelt sich das Wasser schnell an. Steigt es zu hoch, wird es abgesaugt, sagt Mediensprecherin Sabine Bianchi. 1978, als das Festival noch nicht wasserfest war (und auch noch an einem anderen Standort stattfand), musste das St. Galler zum ersten und einzigen Mal wegen Regen abgebrochen werden.

Schlammpfützen - auch ausgedehnte - gehören am OpenAir St. Gallen (30.6.-3.7.) praktisch zum Line-up; wenn es im Sittertobel mal schüttet, dann sammelt sich das Wasser schnell an. Steigt es zu hoch, wird es abgesaugt, sagt Mediensprecherin Sabine Bianchi. 1978, als das Festival noch nicht wasserfest war (und auch noch an einem anderen Standort stattfand), musste das St. Galler zum ersten und einzigen Mal wegen Regen abgebrochen werden.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Das Southside Festival musste vergangenes Wochenende wegen heftiger Gewitter schon am Freitag abgebrochen werden. Das Rock am Ring Anfang Juni wurde wegen Stürmen und eines Blitzeinschlags in den Campingplatz bereits am Samstagabend beendet.

Geld gibt es keines zurück, mit dem Ticketkauf stimmt jeder Gast den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu, die eine Entschädigung in solchen Fällen ausschliessen. Ähnlich ist das in der Schweiz, weiss Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz: «In den meisten Fällen ist es ausgeschlossen, dass man etwas zurückbekommt. Es ist nicht möglich, bei Absage des Headliners sein Geld zurückzuverlangen mit der Begründung, dass man ausschliesslich wegen dieses Acts ein Ticket gekauft hat.»

Blitze seien keine Gefahr

In den AGB beispielsweise des Openairs St. Gallen werden Schadenersatzansprüche dann auch weitestgehend ausgeschlossen. Mediensprecherin Sabine Bianchi fügt jedoch an, dass Rückerstattungsansprüche stets abhängig von den Faktoren seien, die zum Abbruch des Festivals führen. «Das ist grundsätzlich eine Ermessensfrage unsererseits und kann von Fall zu Fall abweichen, je nach Grund und Intensität», stimmt Open-Air-Gampel-Sprecher Olivier Imboden zu.

Gegen höhere Gewalt ist niemand gefeit, aber die Veranstalter ziehen alle im Bereich des möglichen liegenden Register. Verheerende Blitzeinschläge wie beim Rock am Ring, bei denen rund 80 Besucher verletzt wurden, schliesst das Gurtenfestival zum Beispiel aus. «Der Blitz würde in die Bühne oder sonst ein hohes Gebäude einschlagen», sagt Mediensprecher Simon Haldemann, «diese sind allerdings allesamt geerdet, weshalb es zwar einen ordentlichen Knall geben, aber sonst nichts passieren würde».

Das Wasser ablaufen oder absaugen lassen

«Windmesser vor Ort ermöglichen eine direkte Kontrolle und Reaktion», führt Imboden vom Walliser Openair aus, «zudem sind alle Bauten fest im Boden verankert.» Die Haupt-Interventionsachsen in Gampel seien ausserdem geteerte Strassen, die auch bei starkem Regen zugänglich bleiben. Asphalt gibt es auf dem Berner Hausberg so gut wie nirgends, weshalb das Gurtenfestival vor gut zehn Jahren unter dem Openair-Gelände Drainagen verlegt hat, wie Haldemann erzählt: «Das sind unterirdische Leitungen, die das Wasser bei Starkregen abfliessen lassen. Der tiefste Punkt des Festivals befindet sich vor der Hauptbühne, wo sich das Wasser früher jeweils angesammelt hat; mittlerweile fliesst es aber schön ab.»

Wenn sich im Sittertobel mal das Wasser staut, müsse dieses eben abgesaugt werden – wie es 2013 nötig war. «Aber unser Publikum ist sehr wetterfest», betont Bianchi vom Openair St. Gallen, «das geht so weit, dass von unseren Besuchern sogar bei absolut sonnigen und trockenen Verhältnissen Schlammlöcher ausgehoben werden.»

Am St. Galler 24 Grad, aber durchzogen

Sowohl in der Ostschweiz, in Bern als auch im Wallis sei man intensiv mit Wetterdiensten in Kontakt, während des Festivals gar rund um die Uhr. Und wenn diese Unwetterwarnungen aussprechen, informiere man die Besucher via Lautsprecher, Screens, Openair-App und -Website. «Je nach Situation kommen verschiedene Evakuierungspläne zum Einsatz», so Imboden vom Gampel – alle befragten Veranstalter versicherten, dass man auf jegliche Szenarien regieren könne.

Zumindest wettertechnisch muss am diesjährigen Openair St. Gallen nicht mit Schlimmem gerechnet werden – aber mit Schlamm. «Am Donnerstag ist es immer wieder nass und obwohl es am Freitag wunderbar sonnig und 23, 24 Grad warm wird, reicht das wohl nicht, um den Boden komplett zu trocknen», prognostiziert Géraldine Schnyder vom Wetterdienst MeteoNews. Der Samstag werde durchzogen und es könne auch mal kräftiger regnen sowie winden, dafür werde es zum Festivalabschluss am Sonntag schöner, je länger der Tag dauere.

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