27.07.2016 16:30

Therapie mit Wirkstoff

Schweizer finden Mittel gegen üblen Thai-Wurm

Würmer gehören zu den fiesesten Souvenirs, die man aus den Ferien mitbringen kann. Basler Forscher haben nun einen neuen Therapieansatz gefunden.

von
jcg
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Der Saugwurm Opisthorchis viverrini ist in Thailand, Laos und Malaysia verbreitet. Er gilt als Auslöser für das Cholangiokarzinom, einen Tumor der Gallengänge.

Der Saugwurm Opisthorchis viverrini ist in Thailand, Laos und Malaysia verbreitet. Er gilt als Auslöser für das Cholangiokarzinom, einen Tumor der Gallengänge.

CDC
Der Verzehr roher Fischspeisen wie des in Nordthailand beliebten Koi Pla können zu einer Infektion führen. Die 15 schlimmsten Parasiten, die im Essen lauern, finden Sie auf den folgenden Bildern.

Der Verzehr roher Fischspeisen wie des in Nordthailand beliebten Koi Pla können zu einer Infektion führen. Die 15 schlimmsten Parasiten, die im Essen lauern, finden Sie auf den folgenden Bildern.

Wikimedia Commons/Banchob Sripa/CC BY 2.5

Acht Millionen Menschen weltweit leiden an einer Infektion mit dem Saugwurm Opisthorchis viverrini, viele davon in Thailand und Laos. Ausgelöst wird sie durch den Verzehr von rohem oder nicht durchgebratenem Fisch.

Der Parasit löst Entzündungen der Gallenblase aus und führt zur Krebserkrankung dieses Organs – mit tödlichen Folgen. Ein chinesischer Wirkstoff gegen Haken- und Spulwürmer kann auch den Saugwurm eliminieren, wie Basler Forscher nachweisen konnten.

Selbst eine geringe Dosis des chinesische Wirkstoffs Tribendimidine befreit Patienten von der Saugwurm-Infektion. Das ergaben klinische Studien des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts Swiss TPH und des National Institute of Public Health NIOPH in Laos, wie das Basler Institut am Mittwoch mitteilte.

Wichtig wegen Resistenzen

Das Team um Jennifer Keiser vom Swiss TPH ermittelte mit Kollegen in Laos die ideale Dosierung von Tribendimidine und bestätigte die Wirksamkeit des Medikaments in zwei klinischen Phase-2-Studien. Bei Erwachsenen erreichten die Forschenden mit 100 Milligramm des Wirkstoffs eine Heilungsrate von 61 Prozent, bei Kindern sogar über 77 Prozent. Die Zahl der Wurmeier sank bei beiden um fast 100 Prozent.

Tribendimidine sei somit gleich wirksam wie die Therapie mit dem Wirkstoff Praziquantel, der als Standard gegen verschiedene parasitische Würmer eingesetzt wird. «Es ist wichtig, ein Alternativmedikament neben dem Praziquantel verfügbar zu haben, da Resistenzen bei Anthelminthika, also Wurmmitteln, rasch auftreten können», erklärte Keiser auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Weniger Nebenwirkungen

Die nun im Fachjournal «Lancet Infectious Diseases» veröffentlichten Studienergebnisse seien zwar kein direkter Vergleich der beiden Wurmmittel gewesen, so Keiser weiter. Aber sie und ihr Team hätten festgestellt, dass Tribendimidine weniger Nebenwirkungen hervorrufe. Ausserdem lasse sich der chinesische Wirkstoff mit einer fixen Dosis einsetzen – unabhängig vom Körpergewicht.

Wurminfektionen stellen eine enorme gesundheitliche Belastung dar, an der über eine Milliarde Menschen weltweit leiden. Die meisten Betroffenen leben in einkommensschwachen Ländern Afrikas und Asiens. Insbesondere bei Kleinkindern ist die Behandlung schwierig.

Eine Auswahl der gefährlichsten Parasiten, die man sich beim Essen einfangen kann, finden Sie in der Bildstrecke oben. (jcg/sda)

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