Interview mit Seerow-Geschäftsführer - Schweizer Firma führt Viertagewoche ein und wird von Bewerbern überrannt
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Interview mit Seerow-GeschäftsführerSchweizer Firma führt Viertagewoche ein und wird von Bewerbern überrannt

Der Test hat geklappt: Die Mitarbeitenden einer Solothurner IT-Firma sind mit der Viertagewoche produktiver. Der Chef erklärt im Interview, wie die Angestellten weniger arbeiten können und trotzdem gleich viel verdienen.

von
Fabian Pöschl
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Die Angestellten von Seerow arbeiten weniger und bekommen trotzdem den vollen Lohn.

Die Angestellten von Seerow arbeiten weniger und bekommen trotzdem den vollen Lohn.

Seerow
Fabian Schneider, Geschäftsführer von Seerow, sagt im Interview, wie das funktioniert.

Fabian Schneider, Geschäftsführer von Seerow, sagt im Interview, wie das funktioniert.

Seerow
So konnte die Firma die Produktivität durch die bessere Work-Life-Balance steigern. Dementsprechend leisten die Angestellten an den Arbeitstagen mehr … (Symbolbild)

So konnte die Firma die Produktivität durch die bessere Work-Life-Balance steigern. Dementsprechend leisten die Angestellten an den Arbeitstagen mehr … (Symbolbild)

imago images/Addictive Stock

Darum gehts

Arbeiten von Montag bis Freitag kommt zunehmend aus der Mode. Grosskonzerne wie Unilever und Panasonic setzen auf die Viertagewoche bei vollem Lohn. Auch das Solothurner IT-Unternehmen Seerow testete die Viertageswoche und ist vom Modell überzeugt.

Bedenken, dass die Angestellten gleich viel Arbeit einfach in weniger Zeit leisten müssen, wie sie etwa Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch gegenüber 20 Minuten äusserte, erfüllten sich bei Seerow nicht. Geschäftsführer Fabian Schneider (33) erklärt im Interview mit 20 Minuten, wie das klappt.

Wie geht das auf, dass die Angestellten weniger arbeiten, aber gleich viel verdienen?

Schneider: Unsere Kunden zahlen nicht nur für geleistete Arbeitsstunden sondern vor allem für die Produkte, die wir für sie designen und entwickeln. Das heisst, nicht die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden, sondern das Know-how und die Leidenschaft, die in unseren Produkten stecken, sind für unseren Erfolg verantwortlich. Wir konnten die Produktivität durch die bessere Work-Life-Balance steigern. Dementsprechend konnten wir an den anderen Arbeitstagen mehr leisten.

Welche Arbeiten fallen weg?

Grundsätzlich keine. Wir hinterfragen aber laufend unsere Arbeitsprozesse und unsere Firmenkultur und versuchen so Leerläufe zu minimieren. Projektverantwortungen verteilen wir besser auf verschiedene Mitarbeitende. Das wirkt sich positiv auf die Produktivität, Motivation und auch den Stresslevel einzelner Mitarbeitenden aus.

Was hat sich bei den Angestellten verändert?

Die Stimmung im Team war schon vorher gut. Ich spüre aber, dass alle Mitarbeitenden von diesem neuen Arbeitsmodell überzeugt sind, und ihren Teil dazu beitragen wollen, dass es zu einem Erfolg wird – das ist toll und sehr motivierend für alle! Es ist wichtig, dass die Änderungen der Mitarbeitenden mit Überzeugung getragen werden.

Sie suchen noch Angestellte. Werden Sie von Bewerbern überrannt?

Am Anfang, als wir das neue Arbeitsmodell eingeführt haben, ja. Wir haben sogar Bewerbungen aus Italien erhalten. Darunter viele Blindbewerbungen aus anderen Disziplinen, die für uns als kleinere Firma weniger in Frage kommen. Mittlerweile hat es sich wieder etwas gelegt. Aber ich finde es toll, dass die Leute bei uns arbeiten wollen.

Wie geht es weiter nach dem Viertagewoche-Test?

Das Pilotprojekt läuft noch zweieinhalb Monate, aktuell sind wir aber zuversichtlich, dass wir die Viertagewoche für immer beibehalten können.

8,75 Stunden lange Arbeitstage

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