Gesperrte iPhones: Schweizer Firma reicht Klage gegen Apple ein

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Gesperrte iPhonesSchweizer Firma reicht Klage gegen Apple ein

Apple schaltet keine gesperrten iPhones frei, die als Fundsachen abgegeben wurden. Dagegen geht nun eine Schweizer Firma vor Gericht.

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tob
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Die iPhones und iPads, die als Fundsachen im Lager einer Schweizer Firma landen, können nicht einfach so weiterverkauft werden. Der Grund: Die Geräte sind mit einer Aktivierungssperre versehen, die nur der ursprüngliche Besitzer aufheben kann.

Die iPhones und iPads, die als Fundsachen im Lager einer Schweizer Firma landen, können nicht einfach so weiterverkauft werden. Der Grund: Die Geräte sind mit einer Aktivierungssperre versehen, die nur der ursprüngliche Besitzer aufheben kann.

Youtube/iDeviceHelp
Die Firma Fundsachenverkauf.ch möchte nun dagegen vorgehen und hat Zivilklage beim Zürcher Friedensrichteramt eingereicht.

Die Firma Fundsachenverkauf.ch möchte nun dagegen vorgehen und hat Zivilklage beim Zürcher Friedensrichteramt eingereicht.

Youtube/JGTechBlog
Der auf IT-Recht spezialisierte Anwalt Martin Steiger bezweifelt, dass diese Erfolg haben wird: Er sehe keine Rechtsgrundlage, die Apple dazu zwingen könnte, die Aktivierungssperre bei betroffenen Geräten aufzuheben.

Der auf IT-Recht spezialisierte Anwalt Martin Steiger bezweifelt, dass diese Erfolg haben wird: Er sehe keine Rechtsgrundlage, die Apple dazu zwingen könnte, die Aktivierungssperre bei betroffenen Geräten aufzuheben.

Steigerlegal.ch

Rund 400 iPhones und iPads stapeln sich zurzeit im Lager des Zürcher Unternehmens Fundsachenverkauf.ch. Die Geräte stammen unter anderem aus den Fundbüros von SBB und VBZ. Das Problem: Als funktionierende Handys und iPads können sie nicht weiterverkauft werden. «Sie sind mit einer sogenannten iCloud-Aktivierungssperre geschützt», sagt Roland Widmer, Geschäftsführer von Fundsachenverkauf.

Die Smartphones dienen nur noch als Ersatzteillager. Denn Apple entsperrt die Geräte nur nach richterlichem Beschluss oder unter Vorlage der Originalquittung – «was bei einer Fundsache natürlich nicht möglich ist», so der Unternehmer.

Dabei würden laut Fundsachenverkauf vor dem Verkauf alle Daten auf den Geräten gelöscht. Mit der Polizei werde zudem anhand der IMEI-Nummer geprüft, ob sie als gestohlen gemeldet sind.

Zivilklage eingereicht

Nach Widmers Einschätzung missachte Apple mit dieser Praxis das Schweizer Eigentumsrecht, da Fundsachen ab einem Wert von 50 Franken nach drei Monaten wiederverkauft werden dürfen. «Apple hat für uns im Herbst 2015 auch rund 60 über die iCloud gesperrte Geräte freigeschaltet. Plötzlich hiess es dann, der Aufwand sei zu gross», so der Geschäftsführer. Eine Begründung dafür habe er nicht erhalten. Dafür hat er kein Verständnis: «Wir wären sogar bereit, für den Aufwand etwas zu bezahlen.»

Er hat nun den offiziellen Weg gewählt und eine Zivilklage beim Zürcher Friedensrichteramt wegen «Missachtung des Eigentumsrechts» eingereicht. Der Termin der Schlichtungsverhandlung ist für den 7. September angesetzt. Laut Widmer werde eine Vertretung von Apple an dem Termin anwesend sein.

«Keine Rechtsgrundlage»

Martin Steiger, ein auf IT-Recht spezialisierter Rechtsanwalt sagt, dass er Verständnis für die unerfreuliche Situation der Firma habe. Denn diese muss alle Fundsachen en bloc übernehmen – egal ob es sich dabei um wertlose Gegenstände oder Diamantringe handle. Doch: Eine Rechtsgrundlage, die Apple dazu zwingen könnte, die Geräte mit bestehender Aktivierungssperre (siehe Box) freizuschalten, sieht Steiger nicht.

Eingeführt wurde die Sperre mit dem Betriebssystem iOS 7. Sie ist automatisch aktiviert. «Seither ist es wesentlich weniger attraktiv geworden, iPhones oder iPads zu klauen», sagt Steiger.

Gleichzeitig habe jemand, der sein iPhone verloren habe, mit «Mein iPhone suchen» eine gute Möglichkeit, das Gerät wiederzufinden. Schade sei allerdings, dass Fundbüros anscheinend keine Möglichkeit hätten, die gefundenen Handys an Apple zu melden. «Denn eigentlich sollte Apple in der Lage sein, die entsprechenden iCloud-Nutzerinnen und -Nutzer über den Fund zu informieren.»

Aktivierungssperre

Nutzer können anhand dieser Apple-Website prüfen, ob ein iPhone über eine Aktivierungssperre verfügt. Dazu muss entweder die IMEI- oder die Seriennummer angegeben werden. Das lohnt sich vor allem vor dem Kauf eines Occasions-iPhones.

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