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Auf FacebookSchweizer Firma sucht explizit nach Ausländern

Eine Leserin entdeckte ein Inserat, in dem nur ausländische Arbeitnehmer gesucht werden. Der Autor spricht von einem Missverständnis.

von
juu
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Ein Inserat auf Facebook sorgt derzeit für Aufsehen: Darin wird explizit nach «Mitarbeitern mit Migrationshintergrund» gesucht.

Ein Inserat auf Facebook sorgt derzeit für Aufsehen: Darin wird explizit nach «Mitarbeitern mit Migrationshintergrund» gesucht.

Screenshot/Facebook
Es ist nicht das erste Mal, dass Stelleninserate in der Vergangenheit für Wirbel sorgten. Ein Gastrofirma suchte hier explizit einen männlichen Geschäftsführer.

Es ist nicht das erste Mal, dass Stelleninserate in der Vergangenheit für Wirbel sorgten. Ein Gastrofirma suchte hier explizit einen männlichen Geschäftsführer.

Screenshot
Die Inhaberin von Hong Kong Food Paradise sagte damals auf Anfrage: «Wir haben gezielt nach einer männlichen Person gesucht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese zeitlich flexibler ist.»

Die Inhaberin von Hong Kong Food Paradise sagte damals auf Anfrage: «Wir haben gezielt nach einer männlichen Person gesucht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass diese zeitlich flexibler ist.»

Tam

«Ich finde es ja gut und recht, dass Ausländer hier die Chance auf eine Stelle bekommen. Aber bei so einer Formulierung fühle ich mich als Schweizerin sehr diskriminiert», schimpft eine Leser-Reporterin. Sie stiess am Sonntagabend auf Facebook auf ein fragwürdiges Inserat. Darin werden für den Aufbau eines Unternehmens «motivierte Mitarbeiter mit Migrationshintergrund» gesucht. Explizit seien folgende Nationalitäten von besonderem Interesse: Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Brasilien, Chile, China und Indien. Vorkenntnisse seien keine nötig.

Die 34-Jährige ist fassungslos: «Ich habe mich gestern tödlich aufgeregt und finde es eine Sauerei. Es gibt genügend Schweizer, die selber einen Job suchen.» Die Leserin glaubt, dass das Unternehmen ausschliesslich auf der Suche nach billigen Arbeitskräften sei. Zudem sei es dubios, dass der Verfasser der Jobausschreibung keine weiteren Details zum Unternehmen preisgeben wollte.

Dieser Meinung sind auch andere User. Über 100 Kommentare, zumeist negative, waren am Montag unter dem Beitrag zu finden. Viele kritisieren dabei die Formulierung betreffend dem Migrationshintergrund und die schwammige Angabe zum Unternehmen. Die Mutmassungen gehen von Finanzsystem über Bitcoin-Firma bis hin zu einem Schneeballsystem.

Personalleiter rudert zurück

Doch was steckt wirklich dahinter? Auf Anfrage von 20 Minuten gibt sich der Personalleiter des Start-up-Unternehmens wortkarg: «Da es ein Online-Unternehmen ist, suche ich Mitarbeiter, die an den jeweiligen Standorten harmonieren. Dabei geht es vor allem um die Mentalität und die Kultur der Arbeitnehmer.» Wo der kulturelle Unterschied zwischen Österreichern, Deutschen und Schweizern denn liege, konnte der Verfasser nicht ausführen. Auch in welchem Bereich die Firma tätig ist, will der Personalleiter nicht genau sagen.

Dass er gezielt ausländische Arbeitnehmer wegen des Lohns suche, verneint er aber. «Bei uns gibt es für alle den gleichen Lohn. Egal, welche Nationalität.» Zudem seien auch mehrere Schweizer im Unternehmen beschäftigt. Nach der Kritik räumt der Personaler ein: «Vielleicht habe ich den Beitrag unglücklich formuliert. Ich wollte nicht, dass sich jemand benachteiligt fühlt»

«Inserat ist schräg, aber rechtlich nicht zu beanstanden»

Laut Personalexperte Matthias Mölleney ist es erlaubt, Arbeitnehmer aufgrund von Merkmalen direkt zu suchen. «Wenn man beispielsweise eine Stelle als Flight-Attendant zu vergeben hat, dann eignet sich eine körperlich beeinträchtigte Person einfach nicht. Das darf auch von Anfang an klar kommuniziert werden.» Bedingung sei allerdings, dass man die speziellen Anforderungen sachlich begründen können müsse. «Wenn man beispielsweise einen Texter sucht, dann ist es bedeutungslos, welche Nationalität dieser hat, solange die Deutschkenntnisse gewährleistet sind», sagt Mölleney.

Aus rechtlicher Sicht sei der Schutz für Bewerber allerdings schwach, sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Uni Zürich. Das gelte bei Stellenausschreibungen sogar für die Geschlechterdiskriminierung. Es komme dazu, dass aus strafrechtlicher Sicht die Diskriminierung einer blossen Nationalität noch keine Rassendiskriminierung darstelle. «Schliesslich bedeutet das Suchen nach Leuten mit einem Migrationshintergrund auch nicht zwingend, dass beispielsweise eingebürgerte Schweizer ausgeschlossen sind», so Rudolph. Sein Fazit: «Das Inserat ist, so schräg es auch in der Landschaft liegt, rechtlich nicht zu beanstanden.»

Welche Stelleninserate in der Vergangenheit ebenfalls für Aufsehen gesorgt haben, sehen Sie oben in der Bildstrecke.

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