Karriere: Schweizer Firmen befördern konservativ
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KarriereSchweizer Firmen befördern konservativ

Wer es in der Schweiz zum Manager bringen will, muss 100 Prozent arbeiten, bereits im Unternehmen arbeiten und zudem mit dem Chef gut auskommen.

Für die internen Bewerber empfiehlt es sich, mit dem Chef gut auszukommen. (Bild: colourbox.com)

Für die internen Bewerber empfiehlt es sich, mit dem Chef gut auszukommen. (Bild: colourbox.com)

Wird weiter so konservativ befördert wie bisher, landen die Unternehmen in der Sackgasse, so der Befund in einer Studie der Personalsberatungsfirma Lee Hecht Harrison (LHH). Wie der Aufstieg in die Teppichetage vor sich geht, entspreche nicht mehr der allgemeinen Entwicklung der Lebensweise. Befördert werde nur, wer 100 Prozent arbeite und arbeiten wolle - Teilzeitpensen seien kaum möglich.

Das schliesse Bewerber aus, die andere als traditionelle Familienformen leben wollen, und versperre den Unternehmen den Zugang zu einem ganzen Pool von kreativen Kräften und Köpfen - nicht zuletzt unter den Frauen. Nicht die Besten würden deshalb befördert, sondern die zu 100 Prozent Verfügbaren, moniert LHH.

Immer kürzere Beförderungszyklen

Der Durchlauferhitzer bei den Karrieren läuft zudem auf hoher Stufe, die Beförderungszyklen werden immer kürzer. Führungskräfte vor allem in international ausgerichteten Unternehmen bleiben gemäss LHH aktuell noch 1,5 bis 3 Jahre auf dem Posten.

Da bereits amtierende Kader die Hierarchiestufen so schnell erklimmen, erwartet die nächste Generation eine noch raschere Beförderung. Das Selbstbild der angeeigneten Kompetenzen dürfte in diesen Fällen selten dem Fremdbild entsprechen, merkt LHH an.

So werden immer mehr Leute promoviert, ohne dass sie nachhaltige Erfolge ausweisen können - Konstanz und Stabilität in den Abteilungen bleiben auf der Strecke. Als Grund für die schnellen Beförderungen ortet LHH die Angst, als Hoffnungsträger eingeschätzte Kader an andere Firmen zu verlieren.

Interne bevorzugt

Überhaupt gehen Managerposten in der Schweiz zu zwei Dritteln an interne Bewerber. Externe Kadermitglieder werden nur hereingenommen, wenn sie absolut dem gesuchten Profil entsprechen.

Für die internen Bewerber empfiehlt es sich, mit dem Chef gut auszukommen. Allen Talentsystemen und -evaluationen zum Trotz nämlich entscheidet immer der Vorgesetzte über die Selektion und lässt dabei häufig objektive Kriterien ausser Acht.

Für die Studie «Beförderungspolitik 2013» befragte LHH 2500 seiner Kunden, 9 Prozent davon antworteten auf einen Fragebogen. Die gewonnenen Erkenntnisse vertiefte die Outplacement-Beratungsfirma mit qualitativen Interviews. (sda)

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