Aktualisiert 05.02.2018 09:38

JobwunderSchweizer Firmen haben 177'000 Stellen offen

Derzeit suchen Firmen im Vergleich zum Vorjahr 15 Prozent mehr Angestellte. Zum Jobwunder führen der Frankenkurs sowie der Boom in der EU.

von
pam
1 / 10
1. PlatzPflegefachpersonal: 6338 ausgeschriebene Stellen.

1. PlatzPflegefachpersonal: 6338 ausgeschriebene Stellen.

Keystone/Jean-christophe Bott
2. PlatzElektromonteur: 3905 ausgeschriebene Stellen.

2. PlatzElektromonteur: 3905 ausgeschriebene Stellen.

Keystone/Gaetan Bally
3. PlatzProjektleiter: 2520 ausgeschriebene Stellen.

3. PlatzProjektleiter: 2520 ausgeschriebene Stellen.

Keystone/Gaetan Bally

Der Frankenschock ist überwunden, die Exportmaschinerie läuft wieder. Das schlägt sich nun auch in der Zahl der ausgeschriebenen Stellen nieder. So registrierte das Unternehmen x28 in seinem Jobradar, den es exklusiv für 20 Minuten erstellt hat, per Ende Januar 176'980 offene Stellen. Das sind 15 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

«Der markante Anstieg an ausgeschriebenen Jobs lässt erkennen, dass Unternehmen dem neuen Jahr wirtschaftlich optimistisch entgegenblicken», sagt Cornel Müller, Geschäftsleitungsmitglied von x28. Die Konjunkturforschungsstelle KOF prognostiziert für das Jahr 2018 ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent.

Exportindustrie schafft prozentual die meisten neuen Jobs

Am meisten mehr Jobs im Vergleich zum Vorjahresmonat inserierten Firmen in der Branche Uhren und Schmuck. Die Zahl nahm um 53 Prozent zu. Danach folgen die Branchen Umwelttechnik (+28%), Elektro- und Medizinaltechnik (+22%) sowie die Metall- und Maschinenbauindustrie (+20%).

«Dass vor allem auch die Exportbranchen wieder mehr Fachkräfte suchen, lässt darauf schliessen, dass nicht nur die Schweiz, sondern auch die Länder, die Schweizer Produkte importieren, sich von der wirtschaftlichen Flaute erholt haben», sagt Müller. Marco Salvi, Ökonom bei der Denkfabrik Avenir Suisse, spricht gar vom «Jobwunder Schweiz» (siehe Interview).

Pflegefachleute können aus Tausenden Stellen wählen

Der Zuwachs bei den Stelleninseraten aus den Branchen Uhren oder Umwelttechnik geht aber von einem tiefen Niveau aus. Die meisten Stellen sind nämlich im Bereich Gesundheitswesen ausgeschrieben. Dort sind derzeit 6338 Stellen offen, fast 500 mehr als im Vorjahr.

Dasselbe zeigt sich bei der Auswertung nach Berufszweigen: Zwar legten Jobs im Bereich Informatik prozentual am meisten zu. So wurden im Vergleich diesen Januar 50 Prozent mehr IT-Sicherheitsexperten gesucht. «Die Zunahme weist deutlich darauf hin, wie wichtig Jobs im IT-Bereich werden», sagt Müller. Doch die IT-Jobs verzeichnen nur einen grossen Zuwachs, weil bisher nur einige Hundert dieser Stellen ausgeschrieben wurden, während die Pflege auch bei der Auswertung nach Berufsgruppen die Rangliste anführt.

Handwerker trotz Digitalisierung gesucht

Auch wenn die IT-Branche boomt, zeigt die Auswertung von x28 nach den konkreten ausgeschriebenen Jobprofilen weiter, dass die Schweizer Wirtschaft grösstenteils nach Handwerkern wie Elektromonteuren, Sanitären und Polymechanikern sucht. In den Top Ten der meistinserierten konkreten Jobs sind fünf von zehn handwerkliche Berufe (siehe Tabelle). Der Software-Entwickler ist hingegen der einzige Beruf aus der Informatik.

Vom Jobwunder profitieren können aber nicht alle gleich. Am meisten zusätzliche Stellen im Vergleich zum Vorjahr wurden in der Region Bern geschaffen: Diesen Januar sind 17830 Jobs inseriert (+7975). Danach folgt Basel-Stadt (+3835) sowie der Aargau (+1962). Weniger Jobs gab es einzig im Kanton Uri. Dort wurden 507 Stellen ausgeschrieben (-9).

Bilden Sie sich derzeit weiter, um einen Job in einer Branche zu finden, in der es viele offene Stellen gibt? Melden Sie sich!

Top-10-Zuwachs nach Branchen

1. Uhren & Schmuck +53%

2. Umwelttechnik +28%

3. Elektrotechnik +22%

4. Metallindustrie +22%

5. Maschinenbau +21%

6. Facility Management +20%

7. Verkehr & Transport +20%

8. Pharma & Chemie +18%

9. Sozialversicherungen +18%

10. Textilgewerbe +18%

Meistinserierte Jobs

1. Pflegefachmann 6338

2. Elektromonteur 3905

3. Projektleiter 2544

4. Software-Entwickler 2520

5. Verkaufsberater 2396

6. Sanitärinstallateur 2301

7. Schreiner 2087

8. Service-Techniker 1888

9. Polymechaniker 1881

10. KV-Angestellter 1721

Herr Salvi, im Vorjahresvergleich wurden diesen Januar 15 Prozent mehr Jobs ausgeschrieben. Woran liegts?

Das ist ein grossartiges Beispiel dafür, wie das Jobwunder Schweiz funktioniert, wenn die äusseren Einflüsse stimmen. Es sollte auch allen zu denken geben, die das Ende der Arbeit ausgerufen haben oder die positiven Effekte der Personenfreizügigkeit hinterfragen. Wir erleben derzeit in der Eurozone eine Aufschwungsphase, während der abgeschwächte Franken die bisher gebeutelte Exportindustrie wieder antreibt. Das führt dazu, dass exportorientierte Firmen wie die die Uhrenbranche oder die Industrie prozentual am meisten neue Jobs ausgeschrieben hat.

Insgesamt haben Arbeitnehmer im Pflegebereich die grösste Auswahl. Dort sind 6400 Stellen ausgeschrieben. Warum ist das so?

Einerseits ist die Fluktuation im Gesundheitswesen traditionell hoch. Viele wechseln die Stelle nach kurzer Zeit wieder, worauf die Unternehmen Stellen oft inserieren. Andererseits ist es eine wachsende und personalintensive Branche. Im Pflegebereich könnten wir uns aber auch effizienter organisieren.

Trotz der Digitalisierung sind Handwerker wie Sanitär, Heizungsinstallateur oder Schreiner nach wie vor gesucht. Warum?

Diese Jobs lassen sich nur schwer automatisieren. Zudem beschert der Boom am Immobilienmarkt den Handwerksbetrieben derzeit viele Aufträge, für die sie wiederum Personal benötigen. Die Digitalisierung wird sich aber auch im Handwerksbereich durchschlagen: Handwerkliche Fähigkeiten werden mit digitalen Wissen ergänzt werden. Das wird in Zukunft auch in anderen Berufen wichtig werden.

Was raten aufgrund dieser Entwicklung?

Es gibt zwei Strategien. Kurzfristig kann es Sinn machen, einen Beruf zu wählen, der jetzt gesucht ist und sich mit einer Weiterbildung Fähigkeiten aneignen, die in diesem Beruf mit der Digitalisierung nützlich sind. Eine zweite Strategie ist, in die Allgemeinbildung zu investieren und flexibel zu bleiben, indem man sich nicht auf eine Branche oder ein Jobprofil versteift. So bleibt man längerfristig auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Marco Salvi ist Ökonom bei der wirtschaftsnahen Denkfabrik Avenir Suisse.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.