Aktualisiert 25.06.2019 07:40

Transparenz

Schweizer Firmen haben Facebook-Admins in Indien

Emmi und Zweifel betreuen ihre Facebook-Seite zu 100 Prozent aus der Schweiz. Und sind damit laut Facebook die Ausnahme.

von
Dorothea Vollenweider
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Auf Facebook-Seiten wird neuerdings angezeigt, wie viele Administratoren die Seite verwalten und in welchen Ländern sie sitzen.

Auf Facebook-Seiten wird neuerdings angezeigt, wie viele Administratoren die Seite verwalten und in welchen Ländern sie sitzen.

Golibo
Eine Stichprobe von 20 Minuten bei Schweizer Firmen zeigt: Zweifel Chips und Emmi lassen ihre Facebook-Seite zu 100 Prozent von Schweizer Administratoren betreuen. Bei vielen anderen Firmen sitzen die Administratoren gemäss Facebook zumindest teilweise im Ausland.

Eine Stichprobe von 20 Minuten bei Schweizer Firmen zeigt: Zweifel Chips und Emmi lassen ihre Facebook-Seite zu 100 Prozent von Schweizer Administratoren betreuen. Bei vielen anderen Firmen sitzen die Administratoren gemäss Facebook zumindest teilweise im Ausland.

20 Minuten
Sunrise hat laut Facebook sieben Administratoren, die in Indien sitzen. Sunrise-Sprecherin Séverine de Rougemont erklärt: «Gewisse Tests zur Kampagnensteuerung werden von einer spezialisierten Firma in Indien und Agenturen in Deutschland durchgeführt.»

Sunrise hat laut Facebook sieben Administratoren, die in Indien sitzen. Sunrise-Sprecherin Séverine de Rougemont erklärt: «Gewisse Tests zur Kampagnensteuerung werden von einer spezialisierten Firma in Indien und Agenturen in Deutschland durchgeführt.»

20min

Nutzer können auf Facebook-Seiten neuerdings nachschauen, wie viele Administratoren die Seite hat und wo diese sitzen. Facebook hat das Feature eingeführt, um nach den Skandalen mit Cambridge Analytica und den Wahlmanipulationen in den USA mehr Transparenz zu schaffen. Das Ziel: Nutzer können sehen, woher eine Facebook-Seite verwaltet wird, um einzuschätzen, wie vertrauenswürdig sie ist.

20 Minuten hat eine Stichprobe gemacht: Wie viele der Facebook-Administratoren von Schweizer Firmen sitzen in der Schweiz? Das Resultat: Die allerwenigsten haben gemäss Informationen von Facebook ein reines Schweizer Team. Dazu gehören Zweifel Chips und Emmi (siehe Bildstrecke). Bei den allermeisten sitzt zumindest ein Teil des Social-Media-Teams im Ausland.

Schweizer Firmen mit internationalen Social-Media-Teams

Bei Sunrise sitzen gemäss Facebook sieben Administratoren in Indien und 17 in Deutschland. Sunrise-Sprecherin Séverine de Rougemont erklärt: «Gewisse Tests zur Kampagnensteuerung werden von einer spezialisierten Firma in Indien und Agenturen in Deutschland durchgeführt.» Das Content Management, die Redaktionsplanung und auch der Kundendienst der Facebook-Accounts erfolge jedoch ausschliesslich in der Schweiz.

Bei der Migros setzt sich das Administratorenteam aus 85 Schweizern, drei Österreichern, einem Dänen und einem Deutschen zusammen. Migros-Sprecherin Cristina Maurer Frank sagt jedoch, das ganze Administratorenteam sitze in der Schweiz. «Unser Social-Media-Team, die werbetreibende Agentur und unsere beratende Agentur sind alle in der Schweiz.»

Hauptwohnsitz oder Herkunft?

Die Herkunft der Administratoren erklärt sie so: Wenn Migros jemanden als Facebook-Business-Manager aufnehme, erschienen die Daten aus seinem persönlichen Profil. Wenn also jemand ein dänisches Profil angelegt hat, ist er bei den Administratoren als Däne drin.

Auch Coop erklärt auf Anfrage, dass der absolute Grossteil «in House» betreut werde. Die Herkunft der Administratoren (siehe Bildstrecke) erklärt sich der Detailhändler damit, dass die Team-Mitglieder in der Schweiz verschiedene Nationalitäten hätten. Ähnlich erklärt auch die Post die Herkunft ihrer Administratoren.

Abweichungen sind möglich

Gemäss Facebook wird bei den Administratoren der Seite der Hauptwohnsitz angezeigt. Aber stimmt das wirklich immer? Facebook-Experte Thomas Hutter erklärt, wie Abweichungen zum Standort der Administratoren zustande kommen können: «Bei Personen, die beispielsweise drei oder mehr Wochen an einem Standort sind, wird der entsprechende Wohnsitz angezeigt», so Hutter. Oder es könne vorkommen, dass ein Mitarbeiter den Lebensmittelpunkt in Deutschland habe, aber jede Woche in die Schweiz reise. Dann wird Deutschland als Hauptwohnsitz angezeigt.

Was bedeutet die neue Transparenzinitiative von Facebook für Schweizer Firmen? Schadet es ihnen, wenn der Nutzer sieht, dass die Administratoren aus dem Ausland stammen? «Es kann durchaus ein Reputationsrisiko sein», sagt Martin Steiger, Rechtsanwalt und Experte für Recht im digitalen Raum.

Globale Firmen haben internationale Teams

Heikel kann es beispielsweise dann sein, wenn sich die Firma gegen aussen besonders schweizerisch gibt und intern Aufgaben ins Ausland verlagert. Ist eine Firma jedoch international tätig wie beispielsweise die Schweizer Firmen Victorinox und Swatch, sei es nicht aussergewöhnlich, wenn die Administratoren aus verschiedenen Ländern stammten.

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