Angriff auf Botschaft in Athen: «Schweizer Firmen sollen jetzt Massnahmen treffen»
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Angriff auf Botschaft in Athen«Schweizer Firmen sollen jetzt Massnahmen treffen»

Extremisten bedrohten einen Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Athen. Die Aktion hat ihren Urspung in der Schweiz. Was heisst das für unsere Sicherheit?

von
rol
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der Terrorismusexperte Jacques Baud betont: «Klar gibt es auch in der Schweiz anarchistische Aktivisten, die mit Rubikon wohl in Kontakt sind. Solche Gruppierungen machen vor allem Hintergrundlärm und nutzen die Unzufriedenheit von Minderheiten, um mit lauten Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen.»

der Terrorismusexperte Jacques Baud betont: «Klar gibt es auch in der Schweiz anarchistische Aktivisten, die mit Rubikon wohl in Kontakt sind. Solche Gruppierungen machen vor allem Hintergrundlärm und nutzen die Unzufriedenheit von Minderheiten, um mit lauten Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen.»

Keystone/Peter Schneider
Schweizer Firmen in Athen empfiehlt Jacques Baud (Mitte), sich entsprechend zu rüsten: «Es wäre sicher empfehlenswert, wenn sie nach der Protestaktion in der Schweizer Botschaft sicherheitstechnische Massnahmen träfen. Dabei geht es um Vorkehrungen für Gebäude und Personal.»

Schweizer Firmen in Athen empfiehlt Jacques Baud (Mitte), sich entsprechend zu rüsten: «Es wäre sicher empfehlenswert, wenn sie nach der Protestaktion in der Schweizer Botschaft sicherheitstechnische Massnahmen träfen. Dabei geht es um Vorkehrungen für Gebäude und Personal.»

Keystone/Peter Schneider
Linksautonome sind am Montag in den Warteraum der Botschaft der Schweiz in Griechenlands Hauptstadt Athen eingedrungen.

Linksautonome sind am Montag in den Warteraum der Botschaft der Schweiz in Griechenlands Hauptstadt Athen eingedrungen.

EDA

Herr Baud*, die linksautonome Aktivistengruppe «Rubikon» ist in die Schweizer Botschaft in Athen eingedrungen. Wie schätzen sie diese Gruppierung ein?

Jacques Baud: Es handelt sich um eine kleine anarchistische Gruppierung, die seit 2015 vermehrt für solche Aktionen in Griechenland verantwortlich ist. Sie prangert Staatsreformen oder Korruption in Wirtschaft und Politik an. Rubikon will das System aufrütteln und etwas Unruhe stiften.

Rubikon bewegt sich nur am Rande des Terrorismus, aber stets im Graubereich von zivilem Ungehorsam und Anarchismus...

Ja, aus sicherheitspolitischer Sicht sind sie deutlich weniger relevant als spezifische Terroristengruppen. Aber sie machen vor allem Hintergrundlärm. Das heisst, sie nutzen die Unzufriedenheit von Minderheiten, um mit lauten Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen. Diese Aktionen sind zwar radikal, gehen aber meist ohne Verletzte aus.

Die Attacke auf die Botschaft war ein solidarischer Akt der Rubikoner, weil ein Gleichgesinnter der Gruppierung Ende Januar in der Schweiz verhaftet wurde. Dem Mann wird die Beteiligung an Brandanschlägen auf eine Funkstation der Stadtpolizei Zürich (2016) und auf Armeefahrzeuge in Hinwil ZH (2015) vorgeworfen. Wie verbandelt sind die Rubikoner mit der Schweiz?

Es gibt inzwischen zahlreiche solche anarchistisch geprägten Kleingruppierungen in Europa. Die reichen von Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz auch bis nach Griechenland. Das heisst aber nicht, dass Rubikon in diesen Ländern Ableger hat – auch in der Schweiz nicht. Klar gibt es auch hier anarchistische Aktivisten, die mit Rubikon wohl in Kontakt sind. Aber im Allgemeinen sind sie weniger koordiniert.

Wie vernetzt sind diese Gruppierungen in Europa?

Sie sind meist nur lose miteinander vernetzt in Europa. Klar, sie helfen sich in einigen Punkten und haben Sympathien füreinander. Aber sie agieren grundsätzlich immer eigenständig und sind untereinander nur marginal organisiert. Der Hintergrund ist, dass diesen Gruppen eine einheitliche Ideologie oder Doktrin fehlt. Daher schaffen sie es auch nicht, eine grössere Menge Menschen zu mobilisieren.

Vor Jahresfrist attackierten Rubikoner bereits den Sitz von Novartis in Athen. Müssen Schweizer Firmen in der griechischen Hauptstadt in puncto Sicherheit aufrüsten?

Es wäre sicher empfehlenswert, wenn sie nach der Protestaktion in der Botschaft sicherheitstechnische Massnahmen träfen. Dabei geht es aber um die normalen Sicherheitsvorkehrungen für Gebäude und Personal.

Und in der Schweiz selbst? Muss der Bund Massnahmen treffen?

Meines Erachtens überhaupt nicht. Sicherheitspolitisch ist die Aktivistengruppe Rubikon für die Schweiz irrelevant. Auch ähnliche anarchistisch gefärbte Gruppierungen sind so klein, bislang kaum in Erscheinung getreten und daher bezüglich der nationalen Sicherheit irrelevant.

*Jacques Baud ist Terrorismusexperte, Oberst im Generalstab und ehemaliger Analyst des Nachrichtendienstes.

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