Aktualisiert 11.06.2015 15:07

Ferienflüge

Schweizer fliegen mehr – aber ohne Klimaticket

Die Schweizer nehmen im Schnitt fast sechsmal im Jahr das Flugzeug. Der CO2-Ausgleich wird dabei für sie immer unwichtiger. Easyjet hat den Link dazu gestrichen.

von
Isabel Strassheim
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Es sind nicht etwa Geschäftsflüge, die die Schweizer zu einem Volk der Vielflieger machen. Vier von fünf Flügen sind Freizeitreisen.

Es sind nicht etwa Geschäftsflüge, die die Schweizer zu einem Volk der Vielflieger machen. Vier von fünf Flügen sind Freizeitreisen.

Martin Ruetschi
Was die Treibstoffeffizienz unter ausgewählten Airlines angeht, erzielt Easyjet dank hoher Auslastung und moderner Flotte die beste. Pro Passagier und 100 geflogenen Kilometern verbraucht der Billigflieger im Schnitt unter 3,5 Liter Kerosin,wie die Monitoring-Studie zum Luftverkehr Schweiz von Intraplan zeigt.

Was die Treibstoffeffizienz unter ausgewählten Airlines angeht, erzielt Easyjet dank hoher Auslastung und moderner Flotte die beste. Pro Passagier und 100 geflogenen Kilometern verbraucht der Billigflieger im Schnitt unter 3,5 Liter Kerosin,wie die Monitoring-Studie zum Luftverkehr Schweiz von Intraplan zeigt.

Jean-christophe Bott
Laut der Intraplan-Studie liegen Swiss und Air France/KLM bei der Treibstoffeffizienz mit rund 3,5 Litern Verbrauch auf dem zweiten Platz. Der Durchschnitt der Airlines liegt bei rund 3,7 Litern pro 100 Passagierkilometern.

Laut der Intraplan-Studie liegen Swiss und Air France/KLM bei der Treibstoffeffizienz mit rund 3,5 Litern Verbrauch auf dem zweiten Platz. Der Durchschnitt der Airlines liegt bei rund 3,7 Litern pro 100 Passagierkilometern.

Christian Beutler

Die Schweizer sind Vielflieger. Pro Kopf steigen sie im Jahr rund 5,5-mal ins Flugzeug ein und wieder aus. Bei den Deutschen oder Franzosen liegt die durchschnittliche Zahl der Flüge lediglich bei 2,5. Vor allem in den Ferien geht für Schweizer nichts ohne das Flugzeug: Vier von fünf Flügen sind Freizeit- und nicht Geschäftsreisen. Die Tendenz zeigt nach oben. Zugleich geht die Kompensation des beim Fliegen verpufften Treibhausgases CO2 zurück: Immer weniger Schweizer kaufen ein Klimaticket.

Beim grössten Kompensationsanbieter der Schweiz, Myclimate, stagniert die Zahl der dort gelösten Umwelttickets, berichtet der Sprecher der Stiftung, Kai Landwehr. Leicht zurück geht sie über den Myclimate-Link bei der Swiss: Immer weniger Menschen sorgen beim Online-Ticketkauf eines Swiss-Fluges auch gleich für eine Klimakompensation, um die Erderwärmung in Grenzen zu halten.

WWF: Easyjet redet sich heraus

Easyjet hat den Link zu einem Umweltticket inzwischen generell herausgenommen. Der offizielle Grund: «Es gibt nun viele Anbieter für die CO2-Kompensation und die Kunden können es bei ihnen direkt tun, wenn sie möchten», sagt Sprecherin Aurélie Charlet.

Für WWF-Klimaexperten klingt das nach einer Ausrede. «Ein Link auf einen seriösen Anbieter wie Myclimate würde ja völlig genügen», kritisiert Philip Gehri. In der Schweiz werden jährlich 50 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen, wegen unserer geringen Einwohnerzahl gehören wir damit zu den grössten Klimaverschmutzern der Welt. Mehr als 15 Prozent davon gehen dem WWF zufolge auf das Konto des Flugverkehrs, 2020 dürften es schon 22 Prozent sein.

Billiger Herd für Kenia, teures Biogas für den Aargau

Kritisiert wurde Myclimate jedoch, weil der CO2-Ausgleich vor allem durch Projekte in den Entwicklungsstaaten zustande kommt. Der Vorwurf: Schweizer gehen mit Ablassticket und ruhigem Gewissen weiter auf Fernreisen, sie tun aber im eigenen Land nichts für die Reduktion des Treibhausgases. Stattdessen soll mit Projekten am anderen Ende der Welt die Lösung des Ferienflieger-Problems erfolgen.

Myclimate bietet jedoch auch Klimaprojekte in der Schweiz an. Aber: Die sind deutlich teurer. Für den Flug Zürich–Korfu und zurück kostet das Klimaticket für Projekte in Entwicklungsländern 15 Franken. Soll jedoch mindestens die Hälfte des dabei verpufften CO2 durch Projekte in der Schweiz kompensiert werden, steigt der Preis um mehr als das Dreifache, nämlich auf 47 Franken. Laut Sprecher Landwehr wählt nur jeder zehnte Umweltticket-Käufer die teurere Schweizer Kompensation und unterstützt etwa eine Biogas-Anlage im Aargau. Der Kauf von effizienteren Holzherden in Kenia, um den Ferienflug zu kompensieren, ist eben billiger.

Verleiten Klimatickets zum Vielfliegen?

So oder so, laut Greenpeace sind Klimatickets nicht die Lösung des Flugproblems. «Was vor allem hilft, ist, weniger zu fliegen», sagt Sprecher Marco Fähndrich. Die Kompensation könne sogar problematisch sein, wenn sie dazu verleite, mehr zu fliegen. Bei Greenpeace werde für absolut nötige Geschäftsreisen doppelt kompensiert: «Um die Klimaerwärmung wie von der Wissenschaft gefordert unter 2 Grad zu halten, müssen die CO2-Emissionen deutlich reduziert und nicht nur kompensiert werden.»

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