Fehler am Check-in: Schweizer fliegt mit der Bordkarte eines Fremden
Aktualisiert

Fehler am Check-inSchweizer fliegt mit der Bordkarte eines Fremden

Nicht immer wird bei den Ticketkontrollen beim Boarding genau hingeschaut. Zwei Reisende ärgern sich: In Zeiten des Terrors müssten die Regeln strenger sein.

von
mag/vro
1 / 2
Je nachdem, wohin man reist, wird der Ausweis beim Boarden nicht mehr kontrolliert. Ein Passagier konnte von Genf aus ohne Pass nach Spanien fliegen.

Je nachdem, wohin man reist, wird der Ausweis beim Boarden nicht mehr kontrolliert. Ein Passagier konnte von Genf aus ohne Pass nach Spanien fliegen.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Ein anderer flog mit Alitalia nach Süditalien. Auf seiner Bordkarte stand allerdings ein anderer Name. Ärger bekam er erst bei der Rückreise.

Ein anderer flog mit Alitalia nach Süditalien. Auf seiner Bordkarte stand allerdings ein anderer Name. Ärger bekam er erst bei der Rückreise.

AP/Luca Bruno

«Ich finde es untragbar, dass ein Reisender bei den aktuellen Terrorproblemen mit dem Ticket eines anderen an Bord gehen konnte.» Das berichtet ein 27-Jähriger aus Lausanne, der Anfang August mit Alitalia nach Süditalien reiste. Auf dem Hinweg fingen die Probleme an. «Man gab mir die Boardingkarte einer anderen Person», so der junge Mann. Allerdings bemerkte er dies erst, als er in Rom zwischenlandete. Die Kontrollen am Flughafen Genf passierte er ohne Probleme, erklärt er. Auch in Rom wurde er nicht darauf angesprochen. Erst als er erneut ins Flugzeug stieg, fiel ihm der Fehler auf.

Richtigen Ärger gab es dafür auf dem Rückweg. Weil der Romand seine Reise unter seinem echten Namen gar nie angetreten hatte, wurde sein Rückflug gestrichen. Um doch mitfliegen zu können, sollte er 175 Euro bezahlen. Doch der junge Mann zeigte die falsche Bordkarte und versuchte alles zu erklären – vergeblich. «Sie haben mir nicht geglaubt.» Er müsse beweisen, dass er den Hinflug angetreten habe – etwa mithilfe der Überwachungskameras in Genf.

«Der ganze Zirkus ist ein Witz»

Zurück in der Schweiz kontaktierte der 27-Jährige den Flughafen Genf. Doch auch da wurde er abgewiesen: «Wir kennen die Passagierliste nicht und können nicht wissen, wer in welches Flugzeug steigt», erklärt Flughafen-Sprecher Bertrand Stämpfli. Der Passagier müsse das mit der Airline klären. Dass er aufgefordert wurde, mittels Überwachungskamera seinen Hinflug zu belegen, überrascht Stämpfli. «Stellen Sie sich vor, eine Person unter 50'000 Passagieren zu finden.» Zudem sei nicht erkennbar, ob er auch wirklich ins Flugzeug gestiegen sei. Alitalia wollte bisher keine Stellung nehmen.

Laut Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott halten sich die Fluggesellschaften bezüglich der Richtlinien für Passkontrollen an die Vorgaben der Behörden. Bei der Schweizer Airline ist kein ähnlicher Fall bekannt. «Der Qualitätsanspruch bei der Swiss ist so hoch, dass es eigentlich nicht passieren kann, dass jemand aus Versehen eine Bordkarte mit falschem Namen bekommt», sagt Fuhlrott.

Doch der junge Romand ist nicht der Einzige, der sich über die Kontrollen am Flughafen ärgert. Ein anderer Schweizer vergass vergangene Woche seinen Pass, als er nach Spanien wollte. Reisen durfte er trotzdem. «Der ganze Zirkus, den man erdulden muss, wenn man die Schuhe, die Uhr oder den Ring ausziehen muss, ist ein Witz, da ich ohne Papiere reisen konnte», erzählt er.

«Verbotene Gegenstände gefährlicher als papierlose Passagiere»

Stämpfli klärt jedoch auf: Seit 2009 muss man keinen Ausweis zeigen, wenn man sich im Schengen-Raum bewegt. Grenzkontrolle und Airlines würden dies trotzdem regelmässig verlangen, aber nicht systematisch. Bei Easyjet heisst es: «Wir machen eine Kontrolle beim Boarding für Flüge ausserhalb von Schengen und nach Frankreich, wo seit November Ausnahmezustand herrscht.»

Auch Silvain Guillaume-Gentil, Sprecher der Genfer Kantonspolizei, relativiert: «Es ist potenziell gefährlicher, verbotene Dinge im Flugzeug zu haben als eine Person ohne Ausweis.» Dem widerspricht jedoch der französische Terrorexperte Jean-Charles Brisard: In Paris werde der Pass kontrolliert. «Das Problem ist, dass sich nicht alle an diese Regel halten und damit dazu beitragen, dass die Sicherheit in unseren Ländern geschwächt wird.»

Deine Meinung