Neutralisiert auch Omikron: Schweizer Forschende entdecken «sehr starken» Coronavirus-Antikörper

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Neutralisiert auch OmikronSchweizer Forschende entdecken «sehr starken» Coronavirus-Antikörper

Sie sprechen von einem «entscheidenden Schritt im Kampf gegen Covid-19»: Forschende des Universitätsspitals Lausanne und der ETH Lausanne haben einen Antikörper identifiziert, der auch gegen die Omikron-Varianten wirkt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das Coronavirus ist in Form der Varianten BA.4 und BA.5 noch immer unter uns. Die Omikron-Subvarianten können der Immunantwort des Körpers besser entkommen als ihre Vorgänger. 

Das Coronavirus ist in Form der Varianten BA.4 und BA.5 noch immer unter uns. Die Omikron-Subvarianten können der Immunantwort des Körpers besser entkommen als ihre Vorgänger. 

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Doch nun melden Forschende aus Lausanne, einen monoklonalen Antikörper gefunden zu haben, der die Omikron-Varianten des Coronavirus neutralisiert.

Doch nun melden Forschende aus Lausanne, einen monoklonalen Antikörper gefunden zu haben, der die Omikron-Varianten des Coronavirus neutralisiert.

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An der Entdeckung beteiligt waren Forschende der ETH Lausanne … 

An der Entdeckung beteiligt waren Forschende der ETH Lausanne … 

Wikimedia Commons/Christoph Müller/CC BY-SA 4.0

Darum gehts

  • Die Suche nach einem Mittel, das der Covid-19-Pandemie ein Ende setzen kann, läuft noch immer auf Hochtouren. 

  • Forschende aus Lausanne melden nun die Entdeckung eines neuen Antikörpers: P2G3. 

  • P2G3 soll alle Omikron-Varianten neutralisieren können. 

  • Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Schlieren sind  im Kampf gegen das Coronavirus einen Schritt vorangekommen.

Im Alltag spielt das Sars-CoV-2 für viele Menschen keine Rolle mehr. Doch das Coronavirus ist noch da. Aktuell sorgen die Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5 für Erkrankungen. Am Dienstag (26. Juli 2022) meldete das Bundesamt für Gesundheit BAG für die Vorwoche 37'738 neue Fälle, 421 Spitaleinlieferungen und 30 neue Todesfälle.

Auch für Forschende ist das Thema Coronavirus noch immer aktuell. Sie suchen nach Möglichkeiten, Infektionen zu verhindern, zu lindern oder gar zu heilen. Ein Team des Lausanner Universitätsspitals (Chuv) und der ETH Lausanne (EPFL) wurde nun fündig: Es identifizierte einen monoklonalen Antikörper, der die Omikron-Varianten des Coronavirus neutralisiert. Das ebne den Weg für neue prophylaktische und therapeutische Anwendungen, heisst es in einer Mitteilung.

Vollständiger Schutz

Dieser neue Antikörper verleiht laut der im Fachjournal «Nature Microbiology» veröffentlichten Studie bei Affen einen vollständigen Schutz, wenn er prophylaktisch eingesetzt wird, und zeigt auch eine hohe therapeutische Wirksamkeit. Die Entdeckung böte neue Möglichkeiten zum Schutz von Risikopersonen. «Insbesondere von Personen mit Immunschwäche.»

Der Antikörper namens P2G3 war von einem infizierten und zweimal geimpften Spender isoliert worden. Er zeigte eine «sehr starke» neutralisierende Aktivität gegen alle besorgniserregenden Corona-Varianten, einschliesslich der Omikron-Subvariante.

Auch Schlierener Firma meldet Erfolg

Auch die Firma Molecular Partners aus Schlieren ist einen Schritt vorangekommen. Sie entwickelt sogenannte DARPins, die wie Antikörper funktionieren, aber anders als diese ausschliesslich im Labor erzeugt werden. Eines dieser DARPins ist Ensovibep, welches das Unternehmen gemeinsam mit Novartis entwickelt hat. Es handelt sich dabei um ein trispezifisches Molekül. Das heisst: Um die DARPins gegen das Spike-Protein des Coronavirus effizienter zu machen, wurden drei verschiedene zu einem Molekül zusammengefasst. Dadurch kann es sich laut Mitteilung besser an das Spike-Protein des Coronavirus binden und besser mit Mutationen umgehen. Dass das funktioniert, zeigt eine im Fachjournal «Nature Biotechnology» veröffentlichte Studie, in der Ensovibep unter anderem an Zwerghamstern getestet wurde.

Laut Emanuel Wyler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin, der an der Studie mitgewirkt hat, laufen bereits klinische Studien. «Zur Zeit muss aber noch geprüft werden, wie gut die Wirksamkeit gegen BA.5, die aktuelle Omikron-Untervariante, noch ist.»

Gute Ergänzung zu weiterem Antikörper

Durch eine Bindung an eine bestimmte Region des Spike-Proteins könne der Antikörper das Virus daran hindern, an jenen Rezeptor (ACE-2) anzudocken, der auf den Zielzellen der Infektion vorhanden ist. «Durch diese Bindung verhindert der Antikörper zudem – anders als alle bislang zugelassenen Antikörper – Mutationen bei allen Varianten», so das Fazit der Forschungsgruppe. Weiterer Vorteil: P2G3 kann auch ergänzend zu einem weiteren von Chuv- und EPFL-Forschenden entdeckten Breibandantikörper P5C3 eingesetzt werden. Anders ausgedrückt: Jene Mutanten, gegen die P5C3 nicht wirkt, könnten von P2G3 neutralisiert werden.

Die Studie zu P2G3 wurde vor dem Auftauchen der Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 durchgeführt, heisst es in der Mitteilung. Neuere Daten deuteten jedoch darauf hin, dass der P2G3-Antikörper seine neutralisierende Aktivität gegen die aktuell kursierenden BA.4- und BA.5-Mutanten beibehält. Klinische Studien, die im August 2022 beginnen, sollen dies bestätigen.

Die Entdeckung dieses neuen neutralisierenden Antikörpers stellt laut Mitteilung einen entscheidenden Schritt im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie dar. Die Impfungen ersetzen soll sie jedoch nicht. Die Impfung sei nach wie vor das wirksamste Mittel zum Schutz vor der Infektion.

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