Aktualisiert 21.10.2016 10:36

ParabelflugSchweizer Forscher fliegen in die Schwerelosigkeit

Am Samstag startet in Dübendorf der zweite Schweizer Parabelflug. Mit an Bord sind auch Privatpersonen.

von
ij
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Ein paar Sekunden ohne Erdanziehungskraft: Wissenschaftler und interessierte Personen auf dem ersten Schweizer Parabelflug, der am 22. September 2015 stattfand.

Ein paar Sekunden ohne Erdanziehungskraft: Wissenschaftler und interessierte Personen auf dem ersten Schweizer Parabelflug, der am 22. September 2015 stattfand.

Keystone/Universität Zürich
Der zweite von der Universität Zürich organisierte Parabelflug wird wie damals vom Militärflugplatz Dübendorf aus starten.

Der zweite von der Universität Zürich organisierte Parabelflug wird wie damals vom Militärflugplatz Dübendorf aus starten.

Keystone/Universität Zürich
15 Wissenschaftler wollen insgesamt 7 Experimente durchführen.

15 Wissenschaftler wollen insgesamt 7 Experimente durchführen.

Keystone/Universität Zürich

Der Airbus «A310 ZERO-G» startet morgen Samstag vom Militärflugplatz Dübendorf zum zweiten Schweizer Parabelflug. Mit an Bord: Forscher, die Experimente durchführen, und Privatpersonen, die einen der 40 Plätze ergattern konnten.

Das Flugzeug wird über dem Mittelmeer mehrere Parabeln fliegen, also abwechselnd steile Aufstiege und Sinkflüge, teilt die Universität Zürich mit. Während der Sinkflüge wird für rund 22 Sekunden Schwerelosigkeit an Bord herrschen.

Beim ersten Flug vor einem Jahr war ein Reporter dabei. (Quelle: SRF)

15 Forschende haben insgesamt sieben Experimente geplant. Neben Hochschulen sind auch Unternehmen an der Gelegenheit interessiert, Technologie unter Weltraumbedingungen zu testen.

Flüge bringen mehr als Freifall-Türme

Um den Effekt der Schwerelosigkeit auf biologische oder physikalische Prozesse zu erforschen, bieten Parabelflüge viele Vorteile, erklärt Oliver Ullrich von der Universität Zürich. «Man erreicht damit längere Zeitabschnitte in Schwerelosigkeit als beispielsweise in Freifall-Türmen am Boden», so der Leiter der Plattform für Forschung in Schwerelosigkeit.

Ausgedehntere Schwerelosigkeitszeiten als mit solchen Flügen erreiche man mit ballistischen Raketen oder an Bord einer Raumstation im Orbit, wobei die Kosten pro Experiment jedoch um ein Vielfaches höher lägen. Zwar gibt es auch Geräte, die durch ständige Drehbewegung die Richtung der Schwerkraft ständig ändern und so den Einfluss einer gerichteten Gravitation aufheben. «Das ist aber nur eine wenig befriedigende Simulation der Realität», so Ullrich.

Flugticket kostet 8500 Franken

Neben 15 Forschenden werden auch 25 Privatpersonen mitfliegen, die auf diese Weise einmal die Schwerelosigkeit erleben wollen. Jeder der 40 Plätze an Bord kostet 8500 Franken, egal ob für Forschende oder Privatleute, verrät Ullrich.

In Zukunft sollen weitere Parabelflüge folgen, voraussichtlich ein- bis höchstens zweimal im Jahr. «Der Bedarf seitens der Forschenden ist da», sagt Ullrich. Es seien seit dem ersten Flug vor einem Jahr immer wieder Anfragen eingegangen, ob es weitere Flüge gebe.

Tests für Astronauten und zu Rückenschmerzen

Die Universität Zürich testet, wie Säugetierzellen in Schwerelosigkeit auf Sauerstoffmangel reagieren. Eine wichtige Frage für die Raumfahrt, um die Auswirkungen von Ausseneinsätzen im Weltraum auf Astronauten besser einschätzen zu können. Das Startup SpacePharma wird an Bord ein Mini-Labor für biochemische Experimente testen, das bei Weltraummissionen zum Einsatz kommen soll.

Forschende der Universitätsklinik Balgrist wollen der Rolle der Schwerkraft bei der Entstehung von Rückenschmerzen auf den Grund gehen. Dafür wollen sie während der Aufstiege und Sinkflüge die Stabilität der Wirbelsäule ohne und mit doppelter Erdanziehungskraft messen.

Weitere Experimente stammen unter anderem von der Hochschule Luzern zur Schwerkraftwahrnehmung von Zellen, von der ETH Zürich über grundlegende Mechanismen in Phytoplankton und von der Universität Basel zu Sedimentationsverhalten von Partikeln unter Schwerkraftbedingungen wie auf dem Mars. Damit wollen die Basler Forschenden mathematische Modelle kalibrieren, um die Umweltgeschichte des Roten Planeten rekonstruieren zu können.

Nicht nur Raumfahrt-Experimente

«Es gibt unglaublich viele Forschungsfragen, die die Schwerelosigkeit brauchen», so Ullrich. Dabei gehe es nicht mal um die grossen Forschungsprojekte für die Raumfahrt, die von Europas Raumfahrtagentur ESA im Orbit durchgeführt werden. Auf dieses Angebot kann auch die Schweiz als ESA-Mitglied zurückgreifen. «Wir bedienen mit den Parabelflügen viel mehr die Forschungsnormalität», sagte Ullrich.

Die Universität Zürich führte vor einem Jahr den ersten Schweizer Parabelflug durch und startete die Forschungsplattform für Schwerelosigkeit. (ij/sda)

Der Parabelflug – Zum Vergrössern bitte anklicken.

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