In den Ferien : Schweizer Freundinnen vom Blitz erschlagen
Aktualisiert

In den Ferien Schweizer Freundinnen vom Blitz erschlagen

A. B. aus Baar und ihre Freundin I. I. aus Hausen am Albis
wurden in Serbien von einem Blitz getroffen. Sie überlebten das Unglück nicht.

von
Qendresa Llugiqi
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Die 14-jährige A. B.* aus Baar ZG ...

Die 14-jährige A. B.* aus Baar ZG ...

zvg
... und ihre Freundin I. I.* (15)  wurden während eines Unwetters in Serbien von einem Blitz getroffen.

... und ihre Freundin I. I.* (15) wurden während eines Unwetters in Serbien von einem Blitz getroffen.

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A. B. war auf der Stelle tot.

A. B. war auf der Stelle tot.

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Die 14-jährige A. B.* und ihre Freundin I. I.* (15) wurden am Montagabend gemäss serbischen Zeitungen in Aleksandrovac von einem Blitz getroffen. B., die in Baar ZG wohnte, war auf der Stelle tot, ihre Freundin aus Hausen am Albis ZH verstarb trotz zweistündiger Reanimationsversuche im Spital.

Laut der Zeitung hatten die beiden jungen Frauen unter einem Baum Schutz vor dem Unwetter gesucht. «Es gab einen Knall. Ich lief auf die Strasse und die Mädchen lagen regungslos auf dem Trottoir», sagte ein Zeuge der Zeitung «Blic». Die Polizei untersucht, ob eine von ihnen ein Handy bediente, als der Blitz einschlug.

Familie bestätigt den Tod

Der Vater von B., M. B.,* bestätigt 20 Minuten den Tod seiner Tochter und von deren Freundin: «Die beiden waren gerade auf dem Weg in die Stadt, als sie vom Blitz getroffen wurden.» Die Familie von B. wohnt nur wenige Meter vom Unfallort entfernt und habe den Blitzeinschlag deutlich hören können. «Wir versuchten unsere Tochter anzurufen, aber sie ging nicht mehr ans Telefon», sagt er. Weil er und seine Frau kurz davor noch mit der Tochter telefoniert hätten und sie plötzlich nicht mehr zu erreichen gewesen sei, habe sie beide ein mulmiges Gefühl überkommen.

«Wir gingen los und suchten in der Stadt nach ihr», sagt der Vater von B. Da diese Aktion erfolglos geblieben sei, seien sie schliesslich zur örtlichen Notfallstation gegangen. «Als die Tür geöffnet wurde, sah ich meine Tochter daliegen – tot», sagt B.s Vater. Seine Stimme wird dabei immer leiser, dann bricht er in Tränen aus.

«Mein Herz wurde herausgerissen»

Man erzählte ihm dann, dass jemand die Mädchen gleich nach dem Blitzeinschlag entdeckt habe. Leute, die mit ihren Autos an der Stelle vorbeigekommen seien, hätten die Freundinnen in die Notfallstation gebracht. «Dort konnte nur noch der Tod unserer Tochter festgestellt werden», sagt der Vater. «Ihre Freundin wurde in einem Krankenwagen gleich in ein besseres Spital gefahren. Doch auch sie ist gestorben.»

Er sei im Schock: «Mein Herz wurde herausgerissen. Was ich fühle, ist unmöglich in Worten zu beschreiben.»

«Beide Mädchen waren lebensfroh»

Ein Verwandter von I., der mit den beiden Mädchen im gleichen Folklore-Verein tanzte, sagt zu 20 Minuten: «Beide waren sehr jung. Man denkt nicht daran, dass sie sterben könnten. Vor allem auf diese Art und Weise.»

Laut dem 21-Jährigen kursieren verschiedene Versionen, weshalb der Blitz die Mädchen getroffen hat. «Ich halte die Version für am wahrscheinlichsten, dass die beiden Mädchen in der Stadt unterwegs waren und dann unter einem Baum in der Nähe eines Sportzentrums Schutz suchten», sagt er.

Weiter sagt er: «I. war immer sehr engagiert und ging offen auf Menschen zu», sagt der Verwandte von I., der auch B. gut kannte: «In ihrem Gesicht war immer ein Lächeln. Sie animierte uns alle, vor allem die neuen Mitglieder. Beide Mädchen waren sehr lebensfrohe Menschen.»

«Ich kann es immer noch nicht glauben»

Eine Freundin von B. kann es immer noch nicht fassen, dass ihre langjährige Freundin nicht mehr lebt. «Eine Kollegin schrieb in einem Gruppenchat auf Whatsapp, dass B. tot ist», sagt sie zu 20 Minuten. «Ich konnte es nicht glauben, also ging ich auf die Suche nach den serbischen Medienberichten.» Dort habe sie dann gelesen, dass eine A. B. von einem Blitz getroffen worden und gestorben sei. «Ich las zwar die Texte und sah den Namen, glaubte aber immer noch an eine Verwechslung», sagt die 13-Jährige aus Baar ZG. «Deshalb habe ich weiterhin versucht, B. anzurufen.»

Dann habe sie gesehen, dass gemeinsame Freunde das Bild von B. mit dem Schriftzug R.I.P. auf Snapchat veröffentlicht hatten. «Auch auf Instagram fragten viele ‹Hey, was ist los mit dir?›. Ich glaube, keiner von uns konnte so richtig fassen, dass sie weg ist.»

Hätte tolle Zukunft gehabt

Weiter erzählt die Freundin: «B. war ein aufgestellter Mensch, sie war völlig anders als andere. Sie konnte gut zuhören und hat mir in den dunkelsten Momenten geholfen.» Zudem sei sie sehr gut in der Schule gewesen und habe das KV machen wollen. «Sie hätte eine tolle Zukunft gehabt», so die Freundin.

Weiter sagt sie: «Ihre Familie tut mir schrecklich leid. Ich würde sie gerne anrufen, aber ich möchte sie in diesem Moment nicht stören. Am meisten tut mir ihr kleiner Bruder leid.»

EDA bestätigt Tod der Schweizerin

Gemäss dem Bekannten reisten die beiden Freundinnen wie jeden Sommer nach Serbien in die Ferien. I. habe zudem an einer Hochzeit teilnehmen wollen. Die Beerdigung der beiden Mädchen findet am Mittwoch in Serbien statt.

Nur eines der Mädchen hatte einen Schweizer Pass: Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten bestätigt den Tod einer Schweizer Bürgerin in Serbien. Weitere Angaben macht das EDA aufgrund des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht.

*Namen der Redaktion bekannt

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