Coronavirus: Schweizer fürchten, dass ihre Liebsten krank werden
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CoronavirusSchweizer fürchten, dass ihre Liebsten krank werden

Eine Umfrage zeigt, was den Schweizern am Coronavirus am meisten Angst macht. Die Sorge um wirtschaftliche Folgen hält sich in Grenzen.

von
Anja Zingg
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Rund 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fürchten sich besonders davor, dass Personen aus dem Familien- und Freundeskreis an Covid-19 erkranken. Das zeigt eine Umfrage.

Rund 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fürchten sich besonders davor, dass Personen aus dem Familien- und Freundeskreis an Covid-19 erkranken. Das zeigt eine Umfrage.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen steht nicht zuoberst auf der Sorgenliste. 36 Prozent fürchten sich eher vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems, 35 Prozent vor einer eigenen Ansteckung. Angst vor persönlichen finanziellen Folgen haben 33 Prozent der Befragten.

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen steht nicht zuoberst auf der Sorgenliste. 36 Prozent fürchten sich eher vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems, 35 Prozent vor einer eigenen Ansteckung. Angst vor persönlichen finanziellen Folgen haben 33 Prozent der Befragten.

Keystone/Georgios Kefalas
Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind momentan schwer abzuschätzen. Kurz vor Ostern hat das Staatssekretariat für Wirtschaft bekannt gegeben, dass in einem möglichen Szenario das Schweizer Bruttoinlandprodukt zehn Prozent zurückgehen könnte.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind momentan schwer abzuschätzen. Kurz vor Ostern hat das Staatssekretariat für Wirtschaft bekannt gegeben, dass in einem möglichen Szenario das Schweizer Bruttoinlandprodukt zehn Prozent zurückgehen könnte.

Keystone/Peter Klaunzer

Rund 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fürchten sich besonders davor, dass Personen aus dem Familien- und Freundeskreis an Covid-19 erkranken. Das zeigt eine Umfrage der Marktforscherin Ursula Kaspar zum Thema «Corona und Wirtschaft».

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen steht nicht zuoberst auf der Sorgenliste. 36 Prozent fürchten sich eher vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems, 35 Prozent vor einer eigenen Ansteckung. Angst vor persönlichen finanziellen Folgen haben 33 Prozent der Befragten.

Ein unsichtbarer Feind

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind momentan schwer abzuschätzen. Kurz vor Ostern hat das Staatssekretariat für Wirtschaft bekannt gegeben, dass das Schweizer Bruttoinlandprodukt in einem negativen Szenario um bis über zehn Prozent zurückgehen könnte.

Dass die Sorge um die Gesundheit im Vordergrund steht, überrascht Wirtschaftspsychologen Christian Fichter trotzdem nicht. Es gebe mehrere Erklärungen für das Ergebnis: «Was eine schwere Krankheit ist, darunter können sich viele etwas vorstellen. Wirtschaftliche Folgen dagegen sind abstrakt und weniger greifbar.»

Doch auch unsere Erfahrung mit Krisen spiele mit, sagt Fichter. «Ein Virus ist ein unsichtbarer Feind. Wir wissen gar nicht so recht, wie damit umgehen.» Eine Wirtschaftskrise hingegen kenne man bereits und eine solche habe die Schweiz auch schon gemeistert.

«Dagegen hatten wir eine Situation wie die Corona-Pandemie noch nie. Ob wir das schaffen, wissen wir nicht. Es ist rational, vor dem Virus Angst zu haben.»

Lokal einkaufen ist gefragt

Die Umfrage untersucht nicht nur, wovor wir uns fürchten. Ursula Kaspar hat bei den rund 1000 Teilnehmern auch nachgefragt, wie sie die Wirtschaft unterstützen wollen, wenn sich die Situation wieder normalisiert. 67 Prozent wollen vermehrt lokale Anbieter berücksichtigen. 66 Prozent wollen häufiger einheimische Produkte kaufen. Resultate, die Kaspar freuen. «Die Unterstützungsbereitschaft ist gross.»

Ausserdem geben 30 Prozent an, bereits jetzt zu prüfen, ob ihre üblich genutzten Unternehmen Lieferoptionen anbieten. 28 Prozent der Befragten prüfen proaktiv, ob lokale Unternehmen, die sie bisher nicht genutzt haben, Lieferoptionen anbieten. «So entsteht für Unternehmen eine Chance, Neukunden zu gewinnen», sagt Kaspar. «Es zeigt sich ein kleiner Paradigmenwechsel. Die Leute suchen von sich aus nach lokalen Lösungen.»

Ähnlich erklärt sich auch Marktforscherin Ursula Kaspar das Ergebnis: «Das wirtschaftliche Ausmass ist für viele schwierig abzuschätzen. Das eigene Wohlbefinden und jenes von Freunden und Familie ist emotional viel näher und wichtiger.» Die Studie zeige auch sehr gut das Verdrängungsverhalten: «Die Angst um andere ist viel grösser, als um sich selbst.» Man rechne nicht damit, dass es einen selber treffen könnte.

Erwartungen über Normalisierung

Trotz Ängsten erwarten die Befragten, dass sich die Situation

wieder normalisiert. 65 Prozent gehen davon aus, dass die Corona-Krise bis zu den Sommerferien oder früher durchgestanden ist. 18 Prozent denken, dass es Herbst wird. Sieben Prozent erwarten, dass es bis Ende Jahr oder länger dauern wird. Der Rest denkt, dass es nie mehr so sein wird, wie es wahr, oder kann es nicht einschätzen.

Anders beurteilen die Befragten die Situation im Ausland: 30 Prozent geben an, dass sich die Lage in Europa erst im Herbst normalisiert. 38 Prozent erwarten, dass die Corona-Krise in den USA noch bis Ende Jahr oder länger andauern wird.

Zur Umfrage

Die Studie «Corona & Wirtschaft» wurde durch die unabhängige Marktforscherin Ursula Kaspar bei 1'012 Personen zwischen 14 und 69 Jahren der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt. Die Interviews wurden zwischen dem 31. März und 7. April 2020 erhoben. Der maximale Fehlerbereich des Stichprobenfehlers beträgt +/- 3.1%.

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