Aktualisiert 18.03.2015 14:24

Eine Branche gibt Gas

Schweizer Game- Entwickler entern die USA

Sie sind angereist, um die Welt zu erobern: Schweizer Spiele-Entwickler zeigen in Übersee, dass ihre Games locker mit der internationalen Konkurrenz mithalten können.

von
Jan Graber, San Francisco
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Durchstarter: Mario von Rickenbach (Mitte) zeigt sein grafisches Meisterwerk «Krautscape »an der GDC Play. Das Spiel wurde mit dem «Best of GDC Play»-Award ausgezeichnet.

Durchstarter: Mario von Rickenbach (Mitte) zeigt sein grafisches Meisterwerk «Krautscape »an der GDC Play. Das Spiel wurde mit dem «Best of GDC Play»-Award ausgezeichnet.

Jan Graber
Umschwärmt: Die Gametechnologie «Faceshift »von Brian Amberg (Mitte) und Thibau Weise stösst bei den Besuchern der GDC Play ebenfalls auf grosses Interesse.

Umschwärmt: Die Gametechnologie «Faceshift »von Brian Amberg (Mitte) und Thibau Weise stösst bei den Besuchern der GDC Play ebenfalls auf grosses Interesse.

Jan Graber
Ausgezeichnet: Auch das Puzzlegame Grooh!! erhielt den «Best of GDC Play»-Award. Von links nach rechts: Jörg Sigrist, sein Bruder Jann Sigrist und Alexandre Renevey von Digidingo.

Ausgezeichnet: Auch das Puzzlegame Grooh!! erhielt den «Best of GDC Play»-Award. Von links nach rechts: Jörg Sigrist, sein Bruder Jann Sigrist und Alexandre Renevey von Digidingo.

Jan Graber

Es gibt sie noch: die magischen Momente, in denen sich meine Nackenhaare aufstellen und ein Schaudern den Körper ergreift. Nur kommt der Schauder dieses Mal nicht von einem Game, sondern wird durch die Schweizer Gameentwickler hervorgerufen, die nach San Francisco gereist sind, um ihre Spiele vorzustellen.

Mein Erschauern entsteht an einem verhangenen Morgen in den Büros der swissnex San Francisco, der Vernetzungswerkstätte des Staatsekretariats für Bildung, Forschung und Innovation. Rund zehn Schweizer Entwickler haben sich eingefunden, um ein zweites Mal für einen Pitching-Event zu üben, der von der swissnex San Francisco organisiert wird. Zum Event sind internationale Profis aus der Gamebranche, Investoren, Publisher und Medienleute eingeladen. Drei Minuten haben die Schweizer Zeit, um ihre Spiele vorzustellen und die Aufmerksamkeit der potenziellen zukünftigen Kunden und Partner zu gewinnen.

Extra Englisch gelernt

Es sind Präsentationen, die aufhorchen lassen und eines zeigen: Die Schweizer Gameentwickler haben die nächste Stufe gezündet. Sie sind professionell geworden. Denn was sie nur schon an dieser Probe präsentieren, beeindruckt. So zum Beispiel Alan Marghitola von A Swiss Game Company, der sein Spiel «AeroDrift» vorstellt. Mit Charme und Begeisterung zeigt er sein ungewöhnliches Rennspiel. Er sei extra einen Monat früher angereist, um Englisch zu lernen, sagt er; vorher habe er kein Wort gesprochen. «Wir haben Alan auch bei der Herstellung seiner Präsentation unterstützt», sagt Sophie Lamparter, Head of Public Programs der swissnex San Francisco.

Ebenso verdeutlichen die Präsentationen von «Grooh!!» (Digidingo), «Highest Heart» (Jeremy Spillmann), «Moonga» (EverdreamSoft), «Orbital» (Reto Senn), «Cannon Crusha» (Codebox) oder «Krautscape» (Team Krautskape/Mario von Rickenbach), wo die Schweizer Entwickler ihre Stärken auszuspielen wissen: grafische Exzellenz, innovative Technologien und einzigartiges Gameplay.

Es steht indessen auch viel auf dem Spiel, zumindest für einige der Angereisten: «Am Ende der GDC werden wir etwa 10'000 Franken für den Event investiert haben», verrät Jann Sigrist von Digidingo. Darin enthalten sind Flugtickets, Hotelaufenthalte und die Standmiete an der GDC Play. Diese alleine schlägt mit rund 4000 Franken zu Buche, aus eigener Kasse bezahlen die Schweizer Entwickler rund 1000 Franken. Der Rest wird von der Swissnex respektive Geldern der Pro Helvetia, der Stadt Zürich und der Greater Zurich Area getragen.

Nominiert für Traumpreis

Der erste Erfolg der Schweizer zeichnet sich bereits ab. Zwei der an der GDC Play gezeigten Games - «Krautscape» und «Grooh!!» - wurden mit dem «Best of GDC Play»-Award ausgezeichnet. Ein weiterer Schweizer, der Mathematiker Tobias Neukomm, ist mit seinem Spielexperiment «LiquidSketch» sogar für den Independent Game Award nominiert – eine Traum-Auszeichnung für jeden Indie-Game-Entwickler.

Die Auszeichnungen sowie erfolgreiche Pitching-Präsentationen sind von enormer Bedeutung: Für Kleinentwickler wird es zunehmend schwierig, in der Flut der Spiele überhaupt wahrgenommen zu werden. «Es gibt zu viele Spiele auf dem Markt», sagt Jann Sigrist. Gerade wegen des «Best of GDC Play»-Awards hätten bedeutsame Publisher, wie beispielsweise Konami, sein Spiel «Grooh!!» überhaupt angeschaut.

Auch für den Pitching-Event, der im Rahmen eines «Swiss Game Developers Breakfast» bei Swissnex San Francisco stattfindet, haben sich bereits bedeutsame Gäste angemeldet. So sollen Vertreter von Nokia, Microsoft, Intel Capital und Miniclip – einer der grössten Publisher für Mobile Games – vor Ort sein. Mit Sicherheit wird auch einige von ihnen ein Schaudern ergreifen, wenn sie zum Beispiel ins grafisch-musikalische Meisterwerk «Krautscape» eintauchen oder von der ulkigen Spielfigur Grooh begrüsst werden.

GDC 2013

Die Game Developer Conference wurde erstmals vor 26 Jahren durchgeführt - im Wohnzimmer eines namhaften Entwickler und mit der Beteiligung von 25 weiteren Gameentwicklern. Unterdessen reisen jeweils rund 25'000 Entwickler und Publisher aus der ganzen Welt an. Im Rahmen der GDC findet die GDC Play statt, bei der auch fünf Schweizer Entwickler ihre Arbeiten zeigen. Die Schweizer Spiele «Grooh» (digidingo) und «Krautscape» (Team Krautscape) wurden mit dem Award «Best in Play» ausgezeichnet.

Unser Gamejournalist Jan Graber berichtet für Sie live von der Game Developer Conference in San Francisco.

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