Aktualisiert 29.06.2017 08:49

Game-Diplom an ZHdKSchweizer Gamedesigner werden immer besser

14 Games, jedes ein starkes Stück: Die diesjährigen Diplomarbeiten der Gamedesigner der ZHdK sind so professionell wie noch nie.

von
Jan Graber
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Im Lauterbrunnental geht der Kettenhund um: «Gottlieb: A Desperate Journey» von Julia Bohren und Andres Bucher erzählt eine grimmige Geschichte um die Pest von 1669 in Wengen und Umgebung. Eine bildgewaltige und starke Arbeit.

Im Lauterbrunnental geht der Kettenhund um: «Gottlieb: A Desperate Journey» von Julia Bohren und Andres Bucher erzählt eine grimmige Geschichte um die Pest von 1669 in Wengen und Umgebung. Eine bildgewaltige und starke Arbeit.

«Blu Is Mad» von Eric Schärrer widmet sich dem Faschismus und dem daraus resultierenden Regulierungswahn.

«Blu Is Mad» von Eric Schärrer widmet sich dem Faschismus und dem daraus resultierenden Regulierungswahn.

Die Architektin Francine Rotzetter befasst sich in ihrer Masterarbeit «Game Guidance» der intuitiven, optischen Spielerführung durch Open-World-Games.

Die Architektin Francine Rotzetter befasst sich in ihrer Masterarbeit «Game Guidance» der intuitiven, optischen Spielerführung durch Open-World-Games.

Am Anfang waren Skepsis, Kinderkrankheiten, Widerstände. Als vor über zehn Jahren die damalige Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst (heute Zürcher Hochschule der Künste, ZHdK) begann, Gamedesign als Ausbildung anzubieten, hatten die ersten Studenten noch einige Hürden zu überwinden. Salopper formuliert: Es bestand nur ein vager Plan, wohin der Weg führen sollte. Dozierende und Studierende mussten das Spielfeld für die Zukunft erst vorbereiten.

Mittlerweile gehört die Fachrichtung Gamedesign der ZHdK zu den renommierten Ausbildungsstätten für Videospiele und bringt immer professionellere Designer hervor, wie an der kürzlich zu Ende gegangenen Diplomausstellung zu sehen war. «Das Niveau ist enorm gestiegen», bestätigt Maike Thies, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachrichtung Gamedesign und verantwortlich für die Medien. Der Grund: Die Studierenden würden schon vor dem Studium gute Kenntnisse mitbringen und wüssten, was sie erwartet.

Für den Markt

Gamedesign ist auch keine ausschliessliche Männerdomäne mehr: Fast ein Drittel der Studierenden im Fachbereich sind Frauen. «Bei den Abschlussarbeiten haben wir reine Frauenteams», sagt Thies. Mehr Gewicht liegt bei einigen auch auf der Vermarktbarkeit ihrer Arbeiten. Für das Spiel «Far: Lone Sails», vor zwei Jahren eine Bachelor-, nun eine Masterarbeit, ist bereits die Veröffentlichung auf der Download-Plattform Steam vorgesehen. Und die Diplomarbeit «Retimed» basiert auf spezifischen Marktanalysen.

Generell setzten sich die Studierenden vertieft mit spezifischen Fragen auseinander. So untersuchte die Architektin und Quereinsteigerin Francine Rotzetter in der Arbeit «Game Guidance», mit welchen grafischen Mitteln Spielerinnen und Spieler in einem Open-World-Adventure geführt werden können. Die Arbeit «The Cathartic Escape» geht der Frage nach, wie sich ein hybrides Spiel entwickeln lässt, das sowohl im virtuellen Raum als auch auf dem 2-D-Bildschirm funktioniert. Auffällig viele Arbeiten widmeten sich dieses Jahr akademischen und technischen Fragen.

Aber nicht nur: Für einige Studierende stand das Storytelling im Fokus. «Gottlieb: A Desperate Journey» beispielsweise erzählt eine grimmige Geschichte im Berner Lauterbrunnental zur Zeit der Pest 1669. «After the Hunt» lässt stimmungsvoll in einen interaktiven Roman eintauchen. In auffallend vielen erzählerischen Arbeiten schwingt eine eigenartige Melancholie mit, die sich immer wieder in Schweizer Games finden lässt.

Der Preis fürs Niveau

Die Professionalisierung des Studiums kostet indes ihren Preis. Dieses Jahr fehlen weitgehend die wilden Experimente, die mit unerwarteten künstlerischen Ideen für Aufsehen sorgen. Die diesbezüglich ungewöhnlichsten Arbeiten sind das grafisch und musikalisch auffallende Multiplayergame «Flux» sowie das sarkastische «Blaster Brothers», im dem Spielende unverhofft aus der Action eines Twin-Stick-Shooters gerissen werden und das mit Genre-Erwartungen bricht. Und das VR-Game «Soundscape» lässt Spielende wie Dirigenten gestikulierend ihre eigene Welt bauen.

Vielleicht aber täuscht auch nur der Eindruck und das durchgehend hohe Niveau ebnet einfach die Wahrnehmung ein – so dass unter den hochklassigen Arbeiten einfach keine Spitzen mehr auszumachen sind. Sicher aber ist, dass die Hürden genommen und Games im Schweizer Alltag angekommen sind. Maike Thies: «Games sind heute eine Selbstverständlichkeit.»

Gametrailer «Far: Lone Sails»

Gametrailer «Gottlieb: A Desperate Journey»

Gametrailer «Far: Lone Sails»

Gametrailer «Gottlieb: A Desperate Journey»

Gametrailer «Gottlieb: A Desperate Journey»

Gametrailer «Gottlieb: A Desperate Journey»

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