Aktualisiert 01.02.2019 14:12

Level upSchweizer Games haben auch wirtschaftlich Erfolg

Am fünften Ludicious Zürich Game Festival stehen unter anderem Schweizer Games im Fokus. Ein Blick auf das einheimische Schaffen.

von
Jan Graber

Sie wurden ausgezeichnet, haben sich gut verkauft oder setzen Massstäbe. Zehn prägende Schweizer Games. (jag)

Vor noch nicht allzu langer Zeit führten Schweizer Games ein Schattendasein. Die hiesigen Spielschmieden machten zwar mit feinen, aber kleinen Games auf sich aufmerksam, wirklich wahrgenommen wurden sie aber nur am Rande. Doch der Boden war fruchtbar, die Entwickler gewannen an Selbstvertrauen, brachten immer eindrücklichere Werke heraus. Heute geniessen Schweizer Games international einen hervorragenden Ruf.

Besonders in Hollywood fanden Schweizer Studios in letzter Zeit offene Türen. Das Zürcher Studio Dreipol konnte mit dem interaktiven Film-Game «CtrlMovie» den Hollywood-Giganten Twentieth Century Fox überzeugen, Gbanga gewann einen Wettbewerb der Universal Studios. Auch die internationalen Gamepublisher und die Wirtschaft blicken gespannt auf die Schweiz. Die Bitcoin-Gametechnologie Bitcrystals des Genfer Studios EverdreamSoft wird vom Start-up-Programm Ubisoft Innovation Lab gefördert. Und mit Fabian Rastorfer vom Studio Fabraz hat es nach Philomena Schwab der zweite Schweizer Gamedesigner auf die Forbes-Liste «30 under 30» für technische Wegbereiter geschafft.

Auf eigenen Beinen

Auszeichnungen sind schön, fürs Überleben der Studios braucht es aber vor allem Geld. Auch hier schaffen es Schweizer Studios zunehmend, auf eigenen Füssen zu stehen, wie Sylvain Gardel, Leiter Schwerpunkt Kultur + Wirtschaft bei Pro Helvetia, weiss. «Spiele wie ‹Far: Lone Sails›, ‹Niche› und ‹Airships› haben nicht nur internationale Preise abgeholt, sondern auch mindestens die Produktionskosten eingespielt.» Die Ausgangslage habe sich generell verändert. Schweizer Games entstehen längst nicht mehr in Hinterzimmern von Mini-Teams, sondern sind zunehmend Produkte professionell agierender Gamestudios mit zehn bis 15 Entwicklern.

Zu den bekanntesten gehören neben den Alteingesessenen wie Gbanga und Bitforge heute Stray Fawn Studios, Blindflug, Okomotive, Sunny Side, Digital Kingdom und AirConsole. Gardel stellt generell eine Tendenz zum Wachstum fest, entsprechend fokussiere sich die Pro Helvetia auf diese. «Schöne Grafiken allein reichen nicht mehr, um international zu bestehen, die Konkurrenz hat aufgeholt. Pro Helvetia verhilft Studios deshalb, auch in internationalen Märkten erfolgreich zu sein», sagt er.

Der Markt als Chance

Der Game-Markt ist dabei ebenso eine Herausforderung, wie er Chancen bietet: Während sich das Feld bei den Blockbustern (oder AAA-Spielen) zuspitzt und immer weniger Studios dreistellige Millionenbeträge riskieren, tut sich im Mittelfeld der AA-Games Raum auf. Auf diesem Feld mitspielen können Schweizer Studios aber nur, wenn sie professionell aufgestellt sind. Gardel: «Der Wettbewerb wird härter.»

Für die Förderung ist die Pro Helvetia deshalb auch eine Partnerschaft mit dem Start-up-Förderprogramm Venturelab des Bundes eingegangen. Venturelab unterstützt beispielsweise das Studio 5am Games bei der Firmengründung; das Game «Letters» des Studios zählt zu den vielversprechendsten kommenden Schweizer Games. Aber auch die Pro Helvetia sitzt nicht still: «Wir werden die bisherige Arbeit vertiefen und haben die Absicht, Spieleförderung fest in ihre Förderaktivitäten aufzunehmen.»

Nominiert für den SGDA Game Award 2019

Jährlich verleiht die Swiss Game Developers Association SGDA den Preis fürs beste Schweizer Spiel. Diese Games sind nominiert.

Doch die Sache hat einen Haken: In der Schweiz mangelt es an Produzenten, also an Profis, die die Produktion mehrere Games inklusive Finanzierung, Einhalten von Terminen, Marketing und mehr begleiten. Diese sind unabdingbar, um das nächsthöhere Level auf dem Spielfeld der Gameentwicklung erreichen zu können.

Das war das Ludicious 2018

Das war die Ludicious 2018

Eindrücke des Ludicious Zürich Game Festivals 2018.

Ludicious Zurich Game Festival

Vom 31. Januar bis 3. Februar findet das fünfte Ludicious Zürich Game Festival statt. Zwar richtet sich das Festival vor allem an die Gameentwicklerszene: Rund 60 Sprecherinnen und Sprecher sind vor Ort, an Vorträgen und Workshops tauschen sich die Gamedesigner aus. Das Festival hat zwischen Freitag und Sonntag aber auch dem öffentliche Publikum vieles zu bieten: Besucher können sich an 60 ausgestellten Games versuchen, an einem Nintendo Labo Workshop teilnehmen oder den «Swiss Made Games League eSports»-Final verfolgen. Am Sonntag ist die Ausstellung geschlossen, dafür lernen Interessierte, eigenes Game zu entwickeln.

Alle Infos: www.ludicious.ch

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.