Swiss Games: Schweizer Games kommen ins Rollen
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Swiss GamesSchweizer Games kommen ins Rollen

Geri Oester entwickelt mit seiner Firma Games2Be Spiele für das iPhone und iPad. Ohne staatliche Gameförderung der Pro Helvetia wäre dies unmöglich.

von
Jan Graber
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Erstlingswerk: Geri Oester, CEO von games2be, zeigt «Spoing»,

Erstlingswerk: Geri Oester, CEO von games2be, zeigt «Spoing»,

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Persönlicher Schatz: Oester erfasst seine Ideen in einem dicken Notizbuch.

Persönlicher Schatz: Oester erfasst seine Ideen in einem dicken Notizbuch.

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So wurde auch «Spoing» festgehalten.

So wurde auch «Spoing» festgehalten.

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Die Geschichte beginnt wie in einem Traum: Geri Oester, 34 Jahre alt, Absolvent der Studienvertiefung Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), liegt am Strand in Korsika und zeichnet in sein Ideenbuch. Darin sammeln sich zahllose Skizzen und Zeichnungen zu Gameideen. Oester lässt den Gedanken freien Lauf, pro Tag finden vier bis fünf Ideen ins Buch. Oester hat einen der steinigsten Wege in der hiesigen Arbeitswelt eingeschlagen: er ist Schweizer Gameentwickler.

Wunschtraum Gamedesigner

Geri Oester wusste seit seiner Kindheit, dass er Spiele entwickeln wollte. Er stand jedoch vor einem Problem: In der Schweiz fehlten Ausbildungsplätze, der Studienlehrgang Game Design an der ZHdK musste erst noch erfunden werden. Also verschickte er Bewerbungsbriefe in der ganzen Welt, auf der Suche nach einer Lehrstelle. Tatsächlich kam eine Antwort: Das deutsche Studio Sunflowers wollte ihn einstellen. Da verliess ihn der Mut. «Es war für mich zu früh, um wegzugehen», sagt Oester.

Der Samen jedoch war gepflanzt. Oester absolvierte die Kantonsschule Wohlen, begann ein Informatikstudium an der ETH, brach es ab (Oster: «Zu abstrakt»), entdeckte die Kunst und seine Vorliebe für die Zusammenarbeit mit Menschen. Er wurde Sekundarlehrer, wusste aber, dass er in diesem Beruf nicht alt werden wollte. Er widmete sich verstärkt der Malerei – als der ZHdK-Studiengang Game Design ins Leben gerufen wurde. Oesters Chance war gekommen.

Zuwenig Arbeitsplätze

Er bewarb sich um einen Platz und absolvierte als einer der ersten ein Gamestudium in der Schweiz. Und stand somit bereits vor der nächsten Hürde. «Die Schweiz bietet Gamedesigner nicht genügend Arbeitsplätze», sagt Oester. Eigentlich gar keine, denn grosse Studios gibt es hierzulande nicht. Einzig für Handy- und Flashgame-Programmierer gäbe es Jobs, die meisten davon in der Werbung.

Oester wollte jedoch mehr: Er wollte richtige Spiele entwickeln. Er fand seinen ersten Arbeitgeber in Deutschland: Gameforge. Die Firma bestand damals aus 150 Entwicklern und drei Gamedesignern, sollte aber rapide wachsen, denn das Unternehmen ritt auf einer Erfolgswelle. Im Nu zählte Gameforge 370 Angestellte und 30 Gamedesigner – und Oester fand sich in der Rolle eines Managers wieder, der drei Gamedesignern und 15 Entwickler leitete. In dieser Stellung kam er aber nicht mehr dazu, selber Spiele zu entwickeln. Oester wollte aber Spiele von Grund auf selber erstellen.

20 000 Downloads reichen nicht

Bei Gameforge hatte er zudem Max Keilbach kennengelernt. Noch bei Gameforge hatten sie begonnen, neben der Arbeit ein Spiel zu entwickeln. Keilbach und Oester verstanden sich blendend und entschlossen sich, eine eigene Firma zu gründen: games2be. Das brauchte zwar Mut, aber Oester hatte ein wenig Geld zur Seite gelegt.

Bald darauf erschien das iPad- und iPhone-Game «Spoing», ein simples, aber süchtig machendes Plattformspiel (siehe Kasten). Mit 20 000 anfänglichen Downloads startete das Game solide auf dem Markt. Dennoch schaffte es die kritische Masse nicht, um für genügend Aufmerksamkeit zu sorgen und zum Selbstläufer zu werden. Nur die wenigsten Games schaffen dies, Spiele wie «Tiny Wings» oder «Angry Birds».

Harte Konkurrenz

Das Problem: Auf dem Markt buhlen Tausende von Kleinstunternehmen wie games2be mit abermals Tausenden von Games um die Gunst der Spieler. Wessen Spiel hier nicht gleich zu Beginn in die Hitparadenplätze aufsteigt, verschwindet nach wenigen Wochen in der hinteren Rängen der Downloads – dort wo es niemanden mehr interessiert.

Davon lassen sich Oester und sein Partner indessen nicht abschrecken. Nach einem Intermezzo mit einer Feuerwerksimulation namens «Firecraft» – notabene mit 300 000 Downloads – bringen sie pünktlich zum Animationsfilm- und Gamefestival Fantoche ihr neuestes Werk heraus. «Jump N Roll» für das iPad und iPhone ist eines von sieben von der Gameförderung der Pro Helvetia prämierten Spielen (20 Minuten Online berichtete).

Überleben dank Förderung

Ohne die staatliche Föderung wäre es eng geworden für das Game. «Der Beitrag hat uns Luft verschafft», sagt Oester, «Wir konnten damit ein Spiel herstellen, das potenziell erfolgreich ist.» Einfach so kamen sie jedoch nicht zum Geld: Neben einem Spielprototyp musste ein handfester Businessplan eingereicht werden, danach entschied eine Jury über Sein und Nichtsein.

Mit dem Beitrag können games2be und manch anderes Schweizer Gamestudio von der Aufmerksamkeit, die das Fantoche-Festival geniesst, profitieren. «Wir können uns keine grosse Werbekampagne leisten», sagt Oester.

Es geht weiter

Bereits hat games2be ein weiteres Spiel mit dem Arbeitstitel «Plop» im Köcher – ein Spiel mit Suchtpotenzial, das Ende Jahr erscheinen soll. Bis Oester und Keilbach aber vom Gamedesign werden leben können, dürfte weiterhin ein langer Atem notwendig sein. Bis dahin wird Oester weiterhin im Nebenjob unterrichten müssen und an einem Strand am Meer viele weitere Spielideen in sein dickes Buch schreiben.

Eine ausführliche Review zu «Jump'n'Roll», das am 6. September im App Store erscheint, lesen Sie nächste Woche in 20 Minuten und auf 20 Minuten Online.

Das neue Spiel von games2be: «Jump'n'Roll»

«Spoing»

«Spoing» basiert auf dem phyikalischen Prinzip eines Gummizugs. Die Spielfigur wird mittels Gummiseil in die Höhe von Ebene zu Ebene gespickt, wobei mit jedem Spicken eine Melodie entsteht. Ab einem gewissen Level muss der Spieler mittels Fingerstrick eigene Plattformen bauen, je höher die Figur steigt, desto leerer wird der Level. Spieler schaffe so quasi en passant ihr eigenes Spiel.

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