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Schweizer Gasindustrie macht sich keine Sorgen

Die Schweizer Erdgaswirtschaft macht sich wegen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine keine Sorgen.

Der Gasdruck blieb bis zum Montagmorgen auf gewohntem Niveau. Die Fachleute betonten, die Schweiz sei nicht von Russland abhängig und könne ihren Bedarf notfalls auch aus anderen Ländern decken.

Gemäss Angaben des grössten Schweizer Erdgasimporteurs, Swissgas, wurde bis zum Montagmorgen kein Rückgang bei den Gasimporten registriert. Der Gasdruck sei normal, er bewege sich innerhalb der gewohnten Schwankungen, hiess es auf der Zentrale der Swissgas in Zürich. Wie der Präsident des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), alt Nationalrat Hajo Leutenegger, sagte, hängt die Schweiz nicht nur an russischem Gas. Die Importe seien stark diversifiziert; neben Russland bestünden eine Reihe anderer Bezugsquellen, etwa in der Nordsee oder in den Niederlanden. Der VSG-Präsident verwies auch darauf, dass mehrere Pipelines von Russland nach Westeuropa führen. «Kurzfristig machen wir uns keine Sorgen und eigentlich auch langfristig nicht», sagte Leutenegger, «denn sowohl Russland wie auch die Ukraine sind darauf angewiesen, Gas zu liefern.»

Auch die Gefahr, dass die Ukraine mittelfristig die Durchleitungsgebühren durch ihr Territorium erhöht und dadurch der Gaspreis in Westeuropa steigen könnte, wird im VSG als gering eingeschätzt. Pressesprecher Daniel Bächtold sagte, es sei nicht das erste Mal, dass sich Russland und die Ukraine eine Machtprobe lieferten.

Laut VSG bezieht die Schweiz rund einen Viertel des gesamthaften Erdgasimports von 35.000 Gigawattstunden pro Jahr aus Russland. Knapp zehn Prozent davon werden von Swissgas direkt beim russischen Monopolisten Gasprom bezogen. Der Rest kommt indirekt über Deutschland und wird dort von E.ON Ruhrgas in die Schweiz weiter geliefert. Verteilt wird das importierte Erdgas in der Schweiz über vier Regionalgesellschaften und knapp 100 lokale Energieversorger, die zum grössten Teil im Besitz der öffentlichen Hand sind. Rund 40 Prozent des Gases gehen an Haushalte und werden zu Heizzwecken verwendet. Einen Drittel nimmt die Industrie ab, die das Gas ebenfalls zum Heizen sowie für die Erzeugung von Prozesswärme braucht, etwa zum Schmelzen von Metallen.

(dapd)

Probleme in Europa

Infolge des Gas-Streits zwischen Russland und der Ukraine ist es in mehrere europäischen Ländern zu Druckabfällen in den Gasleitungen gekommen. Betroffen waren Österreich, Polen und die Slowakei.

Bei der Versorgung Europas mit russischem Erdgas kommt der Ukraine als Transitland eine zentrale Bedeutung zu. Die ehemalige Sowjetrepublik durchziehen nach russischen Angaben fünf Pipelines.

Davon versorgen zwei den Binnenmarkt Ukraine mit Gas. Die drei Transitleitungen beliefern unter anderem den wichtigsten Kunden Deutschland sowie Tschechien, die Slowakei, Österreich, Polen, Ungarn und Rumänien. Der vom Kreml kontrollierte Konzern Gasprom pumpt jährlich 110 Milliarden Kubikmeter Gas in Richtung Ukraine.

(20 Minuten/SDA)

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