Versicherungs-Boom: Schweizer gehen auf Nummer sicher
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Versicherungs-BoomSchweizer gehen auf Nummer sicher

Der steigende Wohlstand und das ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis von Herrn und Frau Schweizer bescheren den Versicherungen volle Kassen – und schaffen neue Stellen.

von
Sven Zaugg
Unfall in Bergdietikon: Eine Auto durchbrach eine Fensterfront vermutlich wegen eines Bedienungsfehlers. Verletzt wurde niemand. Es entstand jedoch beträchtlicher Sachschaden.

Unfall in Bergdietikon: Eine Auto durchbrach eine Fensterfront vermutlich wegen eines Bedienungsfehlers. Verletzt wurde niemand. Es entstand jedoch beträchtlicher Sachschaden.

Dass die Schweiz ein einig Volk von Versicherten ist, macht eine atemberaubende Zahl deutlich: 56'800'000'000 Franken. So viel zahlten Schweizer Versicherungsnehmer 2012 gemäss Schätzungen des Versicherungsverbands (SVV) an Prämien. Und die Versicherer dürfen sich freuen – die Einnahmen werden voraussichtlich auch in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen.

Der kleinere Anteil der gesamten Prämieneinnahmen in der Höhe von 25,7 Milliarden geht auf das Konto der Schadensversicherungen. Grund dafür ist der gestiegenen Wohlstand. Dieser sei der wichtigste Treiber, sagt Michael Wiesner vom SVV im Gespräch mit 20 Minuten Online.

Mit der guten Konjunkturlage in der Schweiz hat sich auch der Versicherungsbedarf erhöht, sowohl bei Privat- als auch bei Geschäftskunden. Ein Blick in die Statistik des Bundes unterstreicht das: Lag das Bruttoinlandprodukt pro Kopf (BIP) im Jahr 2001 noch bei 60'842 Franken, ist es für 2011 mit 74'160 Franken veranschlagt. Parallel dazu haben Versicherte in den letzten 10 Jahren 20 Prozent mehr für Schadensversicherungen ausgegeben.

Helvetia mit «soliden» Zahlen

Dass das Versicherungsgeschäft profitabel ist, zeigen die aktuellen Zahlen von Helvetia. Die Versicherungsgruppe konnte den Gewinn im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 342,2 Millionen Franken steigern. Im Leben-Geschäft verzeichnete Helvetia ein Plus von 10 Prozent auf 139,5 Millionen Franken. Im Nichtleben-Geschäft konnte der Gewinn gar um 33 Prozent auf 180,6 Millionen Franken gesteigert werden.

Man sei zufrieden mit diesem Ergebnis, sagt Mediensprecher Martin Nellen im Gespräch mit 20 Minuten Online. Er spricht von einem «soliden» Ergebnis. Das Anlageergebnis der Gruppe konnte gegenüber dem Vorjahr um knapp 300 Millionen Franken verbessert werden. Und der Heimmarkt präsentiert sich mit einem Ergebnisbeitrag von 237 Millionen Franken weiterhin als solider Pfeiler der Versicherungsgruppe.

Der Start ins Geschäftsjahr 2013 ist laut Nellen erfreulich verlaufen: «Wir halten an unseren langfristigen finanziellen Zielsetzungen fest, verzichten jedoch auf konkrete Prognosen für die Zukunft.»

KMUs auf Sicherheit bedacht

Der grössere Anteil der Gesamtsumme von 56,8 – nämlich 31,1 Milliarden Franken – ist den Lebensversicherungen geschuldet. «Bei der beruflichen Vorsorge ist die Nachfrage von Vollversicherungsmodellen sehr hoch», sagt SVV-Kommunikationschef Wiesner. Das hat primär mit der wirtschaftlich unsicheren Lage zu tun. Klein- und Mittelunternehmen wollen sich entsprechend absichern gegen das Risiko, Nachzahlungen leisten zu müssen.

Die stetig steigenden Prämieneinnahmen sind letztlich auch die Folge eines ausgeprägten Sicherheitsbedürfnisses von Herrn und Frau Schweizer. «Wir gehören zu den bestversicherten Bürgern der Welt», sagt Wiesner. Vor allem im Bereich von Reise- oder Pannenversicherungen gebe es Personen, die überversichert sind.

500 neue Stellen

Die höheren Prämieneinnahmen führten auch dazu, dass in der Versicherungsbranche 2012 rund 500 neue Stellen geschaffen wurden. Die Branche wird laut Wiesner noch weiter wachsen: «Aber sicher nicht in dem Tempo wie das BIP, da sich die Produktivität der Versicherungen ebenso erhöhen wird.»

Dass die Schweizer Versicherer laufend qualifizierte Arbeitskräfte suchen, zeigt sich auch auf dem Stelleninformationsportal JobDirectory. Derzeit sind 1082 Stellen bei Versicherungen offen.

Versicherungen als Wachstumsmotoren

Jeder zweite Franken, der in der Schweiz in der Versicherungsbranche generiert wird und 42 Prozent der Arbeitsplätze stammen aus Zürich.

Die grössten Schweizer Versicherungen haben im vergangenen Jahr einen Gewinn von rund neuen Milliarden Franken ausgewiesen - dazu gehören die Zürich, Swiss Re, Swiss Life, Axa Winterthur und die Helvetia. (sza)

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