Aktualisiert 16.03.2006 10:27

Schweizer geriet in Gewaltwelle in Gaza

Israels Armee hat mit dem Sturm auf ein Gefängnis in Jericho eine Welle von Entführungen ausgelöst, darunter die eines Schweizer IKRK-Delegierten. Julien Grosclaude war sieben Stunden in der Gewalt der Entführer.

Der im Gazastreifen verschleppte Schweizer Mitarbeiter des Roten Kreuzes ist wieder frei. Dies wurde Stunden nach seiner Entführung in den palästinensischen Autonomiegebieten bekannt.

Nach der Erstürmung eines palästinensischen Gefängnisses durch israelische Soldaten hatten bewaffnete Palästinenser mindestens zehn Ausländer als Geiseln genommen. Neben dem Schweizer wurden drei Französinnen, zwei Koreaner, ein Kanadier und zwei Australier entführt, mehrere der Geiseln wurden rasch wieder freigelassen. Kurzzeitig wurde auch im Westjordanland ein Amerikaner verschleppt.

Gefängnis gestürmt

Die israelische Armee umstellte am Morgen das Gefängnis im Westjordanland, nur wenige Minuten nach dem Abzug von britischen Beobachtern. Die Armee brach die Aussenwand der Anlage auf und liess dann Planierraupen vorfahren. Bei Schusswechseln wurden zwei Palästinenser getötet.

Per Lautsprecher forderte die Armee Ahmed Saadat, den Chef der radikalen Organisation Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), auf, sich zu ergeben. Saadat verschanzte sich noch Stunden lang mit mehreren Gefolgsleuten in dem Gebäude.

Saadat und vier weitere PFLP-Mitglieder sassen wegen des Mordes an dem israelischen Tourismusminister Rechavam Seevi im Oktober 2001 ein. Seit 2002 waren sie im Gefängnis von Jericho unter US- britischer Aufsicht.

Beobachter zurückgezogen

Der grösste israelische Einsatz in den palästinensischen Autonomiegebieten seit Monaten löste gewalttätige Reaktionen aus. Diese richteten sich vornehmlich gegen Ausländer, da die USA und Grossbritannien ihre Beobachter aus dem Gefängnis in Jericho zurückgezogen hatten.

Hunderte Palästinenser stürmten das britische Kulturzentrum in Gaza und steckten das Gebäude in Brand. Auch in Ramallah nahmen Demonstranten das dortige britische Kulturzentrum ein.

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