Drei Kubikkilometer Eis: Schweizer Gletscher 2022 stärker geschmolzen als je zuvor

Aktualisiert

Drei Kubikkilometer EisSchweizer Gletscher 2022 stärker geschmolzen als je zuvor

Wenig Schnee im Winter und mehrere Hitzewellen im Sommer sorgten dafür, dass sämtliche Rekorde der Eisschmelze in den Schweizer Alpen gebrochen wurden.

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Noch nie haben die Schweizer Gletscher so viel Eis verloren. Sechs Prozent waren es in 2022.

Noch nie haben die Schweizer Gletscher so viel Eis verloren. Sechs Prozent waren es in 2022.

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Sie waren schon mit wenig Schnee in den Sommer gestartet und die lange Hitzewelle hatte ihnen im Sommer zu schaffen gemacht.

Sie waren schon mit wenig Schnee in den Sommer gestartet und die lange Hitzewelle hatte ihnen im Sommer zu schaffen gemacht.

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Derweil zeigt sich, dass die Gletscher immer schneller schmelzen. In den letzten sechs Jahren verloren sie gesamt zwölf Prozent ihres Volumens.

Derweil zeigt sich, dass die Gletscher immer schneller schmelzen. In den letzten sechs Jahren verloren sie gesamt zwölf Prozent ihres Volumens.

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Darum gehts

Die Gletscher in der Schweiz haben in diesem Jahr mehr als sechs Prozent ihres Eisvolumens verloren – mehr als je zuvor. Wie die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) am Mittwoch mitteilte, sorgten sehr wenig Schnee im Winter und eine anhaltende Hitzewelle im Sommer dafür, dass sämtliche Rekorde der Eisschmelze gebrochen wurden.

Der Untersuchung zufolge gingen seit Jahresbeginn rund drei Kubikkilometer Gletschereis verloren. Zum Vergleich: Bislang wurden Jahre mit zwei Prozent Eisverlust schon als «extrem» bezeichnet.

Kleine Gletscher sind praktisch verschwunden

Besonders litten laut SCNAT kleine Gletscher: Der Pizolgletscher oder der Vadret dal Corvatsch etwa seien praktisch verschwunden.

Im Engadin und im südlichen Wallis schmolz Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zufolge in 3000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel eine Eisschicht von vier bis sechs Metern Dicke. Dass viele Gletscherzungen zerfallen und Felsinseln aus dem dünnen Eis auftauchen, beschleunigt den Eisverlust weiter.

Saharastaub liess Schnee schneller schmelzen

Das Jahr startete den Angaben zufolge bereits mit einer geringeren Schneehöhe in den Alpen als sonst üblich, vor allem im Süden der Schweiz. Grosse Mengen Saharastaub im Frühling verstärkten den Effekt: Der verunreinigte Schnee absorbierte mehr Sonnenstrahlen und schmolz schneller – die Gletscher verloren den schützenden Schnee bereits im Frühsommer und die anhaltende, teils massive Hitze im Sommer liess die Gletscher somit noch schneller schmelzen.

Gletscher sind unter anderem als Wasserspeicher von grosser Bedeutung und damit auch für die Energieerzeugung mit Wasserkraftwerken. Der Weltklimarat IPCC hatte 2019 in einem Sonderbericht über die Ozeane und die weltweiten Eis- und Schneevorkommen prognostiziert, dass wegen der fortschreitenden Erderwärmung niedrig gelegene Gletscher wie in den Alpen und in Skandinavien bis zum Ende dieses Jahrhunderts rund 80 Prozent ihrer Masse einbüssen.

Funde von Skeletten und mumifizierten Körpern im schmelzenden Eis

Diesen Sommer waren im Kanton Wallis drei Skelette gefunden worden, eines auf dem Chessjen-, eines auf dem Stockji- und eines auf dem Corbassière-Gletscher. Beim Skelett vom Stockji-Gletscher handelt es sich um einen Deutschen, der im Jahr 1990 von Chamonix über die Walliser Alpen nach Domodossola hatte laufen wollen. Er war am Zielort aber nie angekommen und galt seither als vermisst.

Zudem wurden auch zwei ältere mumifizierte Körper gefunden. Bei den Mumien handelt es sich um einen Mann und eine Frau, wie eine DNA-Analyse zeigt. Dies berichten das Westschweizer Fernsehen RTS und die Nachrichtenagentur SDA. Laut Bericht schätzen Archäologinnen und Archäologen, dass die beiden Menschen zwischen 1640 und 1800 gelebt haben. Es ist aber unklar, ob die zwei zusammen unterwegs waren oder nur per Zufall am selben Ort gefunden wurden. Ihre Überreste waren nicht an einem Ort, sondern verstreut über mehrere Hundert Quadratmeter. Bei ihnen wurde alte Ausrüstung zum Bergwandern gefunden, wie RTS weiter berichtet. 

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(AFP/smk/ore)

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