Global Drug Survey 2015: Schweizer greifen weniger oft zu Alkohol und Drogen
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Global Drug Survey 2015Schweizer greifen weniger oft zu Alkohol und Drogen

Über 6000 Menschen aus der Schweiz haben am Global Drug Survey teilgenommen. Dabei zeigt sich: Der Konsum von Alkohol und illegalen Drogen geht zurück.

von
Marco Lüssi
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Der Global Drug Survey 2015 zeigt: Der Anteil der Personen, die Alkohol oder illegale Drogen konsumieren, hat gegenüber dem Vorjahr abgenommen.

Der Global Drug Survey 2015 zeigt: Der Anteil der Personen, die Alkohol oder illegale Drogen konsumieren, hat gegenüber dem Vorjahr abgenommen.

Martin Ruetschi
87 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr Alkohol getrunken zu haben - 2014 waren es noch 93 Prozent gewesen.

87 Prozent der Befragten gaben an, im vergangenen Jahr Alkohol getrunken zu haben - 2014 waren es noch 93 Prozent gewesen.

urs Flueeler
Einen Rückgang gabs auch beim Tabakkonsum: Zur Zigarette griffen gemäss dem Global Drug Survey 2015 in der Schweiz 57 Prozent, im Vorjahr waren es 64 Prozent gewesen.

Einen Rückgang gabs auch beim Tabakkonsum: Zur Zigarette griffen gemäss dem Global Drug Survey 2015 in der Schweiz 57 Prozent, im Vorjahr waren es 64 Prozent gewesen.

Martin Ruetschi

Der Global Drug Survey (GDS) ist die grösste Drogenumfrage der Welt. 102'000 Menschen aus über 50 Ländern haben dieses Jahr online Auskunft über ihren Alkohol- und Drogenkonsum gegeben, 6204 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der nicht repräsentativen Umfrage stammen aus der Schweiz. Die Schweizer Resultate liegen 20 Minuten exklusiv vor.

Die Rangliste der meistkonsumierten Substanzen ist gleich geblieben wie im Vorjahr: Beliebteste Substanz ist Alkohol, darauf folgen Tabak, Cannabis, MDMA/Ecstasy und Kokain. «Das sind die ‹Big Five›, die beim Drogenkonsum schon seit Jahren die Hauptrolle spielen», sagt Alexander Bücheli von Safer Nightlife Schweiz.

Griff zu Kokain und Ecstasy nahm ab

Die Umfrageteilnehmer haben angegeben, welche Substanzen sie in den letzten zwölf Monaten konsumiert haben. Vergleicht man diese Angaben mit jenen des GDS 2014, zeigt sich: Fast jede der Substanzen wurde von einem kleineren Personenanteil konsumiert. 87 Prozent der Befragten gaben an, im letzten Jahr Alkohol getrunken zu haben – 2014 waren es noch 93 Prozent gewesen. Zur Zigarette griffen gemäss dem GDS 2015 in den vergangenen zwölf Monaten 57 Prozent gegenüber 64 Prozent im Vorjahr. Einen Rückgang gab es auch bei MDMA/Ecstasy (von 15 auf 11 Prozent) und beim Kokain (von 12 auf 9 Prozent).

Ob diese Resultate einen realen Rückgang des Konsums von Alkohol und illegalen Drogen widerspiegeln, ist laut Larissa Maier vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung jedoch nicht sicher. «Das Ergebnis könnte auch damit zusammenhängen, dass in der Schweiz eine breitere, weniger drogenaffine Zielgruppe erreicht wurde.» So haben 26 Prozent der Teilnehmer angegeben, noch nie illegale Drogen genommen zu haben – 2014 waren es nur 18 Prozent gewesen. Kaum Veränderungen wurden beim Cannabis registriert: Gekifft haben 43 Prozent der Befragten des GDS 2015 – beim GDS 2014 war der Anteil mit 41 Prozent nur unwesentlich geringer.

«Abnahme bei Ecstasy und Kokain ist bemerkenswert»

Für Bücheli ist vor allem auffällig, dass die Werte sowohl beim Ecstasy als auch beim Kokain zurückgegangen sind: «In der Vergangenheit war der Rückgang bei der einen Substanz jeweils durch eine Zunahme bei der anderen kompensiert worden – dass es bei beiden eine Abnahme gibt, ist bemerkenswert.»

Verglichen mit den Zahlen aus den anderen Ländern zeigt sich laut Bücheli, dass in der Schweiz ein «moderater Drogenkonsum» stattfindet. Hohe Werte erzielt die Schweiz im internationalen Vergleich jedoch beim Tabak und beim Cannabis. Dass sie eventuell etwas zu viel rauchen beziehungsweise kiffen, sehen auch viele Umfrageteilnehmer so. Maier: «Ein Drittel der Cannabiskonsumenten gab an, in den nächsten zwölf Monaten weniger kiffen zu wollen – und von den Rauchern möchten 58 Prozent künftig weniger häufig zur Zigarette greifen.»

Das ist der Global Drug Survey

Der Global Drug Survey (GDS) wurde von Adam R. Winstock, einem Psychiater aus London, begründet. die internationale Umfrage wird jedes Jahr durchgeführt und basiert auf einer anonymen Online-Befragung. Das Ausfüllen nimmt relativ viel Zeit im Anspruch – unter den Teilnehmern befinden sich daher überdurchschnittlich viele Personen, die sich für Drogen interessieren und diese entsprechend auch nehmen. Die Planung, Durchführung und Auswertung des Schweizer GDS übernahm das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF in Kooperation mit dem Kompetenznetzwerk von Infodrog, Safer Nightlife Schweiz. 2015 nahmen 6204 Personen aus der Schweiz teil, so viele wie noch nie. (lüs)

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