Presseschau: «Schweizer, grinsend wie Mörgeli?»
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Presseschau«Schweizer, grinsend wie Mörgeli?»

In der deutschen Sendung «Anne Will» durfte sich Nationalrat Christoph Mörgeli zur SVP-Initiative äussern. Bei der Presse schneidet er nicht nur gut ab.

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lüs/pwe/wed

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli lieferte sich gestern spätabends in der ARD-Talksendung «Anne Will» mit Luxemburgs Aussenminister Jean Asselborn einen harten Schlagabtausch. «Sie sind abgehoben und hören nicht gern Widerspruch», griff Mörgeli ihn an, «die Luxemburger würden wie wir stimmen, wenn Sie sie liessen.»

Asselborn seinerseits bezeichnete Mörgeli als «Aufwiegler» und riet: «Machen Sie doch einen Zaun um die Schweiz.» Auch SPD-Frau Gesine Schwan gab Mörgeli Saures: «Sie sagen Sachen, da frage ich mich, ob sie dabei mitdenken.» Mörgeli erklärte den geringeren Ja-Anteil in den Schweizer Städten damit, dass man dort viele Einbürgerungen vorgenommen habe. Faktisch seien eigentlich 40 Prozent der Bevölkerung Ausländer. Die Bilateralen seien für die Schweiz «keine Rosinenpickerei, sondern Krötenschlucken».

Presse: Mörgeli zeigte das wahre Gesicht der SVP

In der deutschen Presse wird Mörgeli zwar nicht gerade gefeiert wie Roger Köppel nach seinem Auftritt in «Hart aber fair», doch die «Welt» ist beispielsweise fasziniert von Mörgelis spezieller Art. «Es fiel kaum auf, wie oft und selbstverständlich er Ausländer und Last in einem Satz sagt», schreibt die Zeitung. Und wundert sich über die Aussage von Mörgeli, dass richtige Schweizer die SVP wählen: «Sind richtige Schweizer braungebrannt und grinsend wie er?» Für den «Spiegel» hat die Sendung das wahre Gesicht der SVP entlarvt – nicht wie beim «zumindest halbnetten» SVP-Freund Roger Köppel am Montag.

Die «Rheinische Post» bezeichnet Mörgelis Auftritt als «durchschaubaren Populismus-Tanz». Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt ebenfalls kritisch: «Die deutschen Sender werden ihm auch in Zukunft Roger Köppel vorziehen.» Für die «Bild» hatte die Sendung «fast alles» und erfreut sich am Schlagabtausch zwischen Mörgeli und dem luxemburgischen Aussenminister Jean Asselborn – «es war hitzig, emotional und kontrovers».

Kritik an Moderation und Kräfteverhältnis

Die Sendung hat auch auf Twitter ein grosses Echo ausgelöst. Die Meinungen decken dabei das ganze Spektrum ab.

Claudio Kuster, ein Hintermann der Minder-Initiative, kritisiert das Kräfteverhältnis.

Auch der Moderationsstil wurde kritisiert – wie immer bei Talk-Sendungen. Nach Ansicht vieler habe Frau Will die Teilnehmer nicht ausreden lassen und sei parteiisch gewesen.

Die «Frankfurter Allgemein Zeitung» twittert ebenfalls kritisch.

Mit dem Hashtag #annewill führt der Schweizer Medienjournalist Dennis Bühler einen vielgenutzten Seitenhieb auf die Gästeliste.

Wer in diesem Fall der «Hitler» sein soll, lässt er offen.

Über den Inhalt wurde nicht viel getwittert. Die Meinungen sind wohl grösstenteils schon gemacht.

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