Aktualisiert 14.12.2013 11:09

Wegen Redtube

Schweizer Grosi erhält Porno-Abmahnung

Weil sie auf der Pornoseite Redtube gesurft sein soll, hat Suzanne Nielsen aus dem Kanton Schwyz per Mail eine Abmahnung erhalten. Die 62-jährige Grossmutter ist empört.

von
lüs

Die Anwaltskanzlei Urmann + Collegen (U + C) aus dem deutschen Regensburg hat Pornokonsumenten im Visier: Sie hat Tausende Abmahnungen an deutsche Internet-Nutzer verschickt und wirft diesen vor, mit dem Ansehen von Pornofilmen Urheberrechtsverletzungen begangen zu haben.

Eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung hat auch Suzanne Nielsen aus dem Kanton Schwyz erhalten: Weil sie sich den Film «Hot Stories» angeschaut habe, müsse sie 3127 Euro bezahlen, hiess es in einem Mail, das sie diese Woche erhielt. Die 62-jährige Grossmutter fiel aus allen Wolken: «Ich bin zwar viel im Internet, ich surfe aber sicher nicht auf Pornoseiten.» Da sie alleinstehend sei, sei es auch nicht möglich, dass jemand anders ihren PC oder iPad genutzt habe, um sich Sexfilme anzusehen. Dass man ihr ein solches Mail schicke, sei «eine Frechheit».

Betrüger kannten neben E-Mail-Adresse auch den Namen

Im E-Mail, das Nielsen erhalten hat, war ebenfalls die Kanzlei U + C als Absender aufgeführt. Doch dahinter steckt nicht das Anwaltsbüro. Dessen rechtlich zwar ebenfalls fragwürdigen, aber «echten» Abmahnungen wurden per Briefpost verschickt. Per Mail operieren nur Internet-Betrüger, die sich als das Anwaltsbüro ausgeben. Besonders geschickt gingen sie dabei nicht vor, findet Nielsen, auch wenn man ihnen relativ gute Rechtschreibekenntnisse attestieren müsse: «Die IP-Adresse, die im Mail aufgeführt wird, ist nicht meine, und das Datum, an dem ich den Porno angesehen haben soll, lautet 17. Dezember 2013, liegt also in der Zukunft.»

Es beunruhigt Nielsen allerdings, dass die unbekannten Täter nicht nur ihre E-Mail-Adresse kannten, sondern auch ihren vollen Namen – dieser wurde im Mail in der Anrede erwähnt. «Woher sie den kennen, ist mir schleierhaft – da ich aber relativ viele Bestellungen im Internet mache, vermute ich, dass die Daten bei einer der Firmen geklaut wurden, wo ich Kundin bin.»

Kobik erhielt mehrere Meldungen aus der Schweiz

Nielsen ist nicht die einzige Person aus der Schweiz, die eine solche Porno-Abmahnung per Mail bekommen hat, wie es bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) des Bundes heisst: «Die Kobik hat in den letzten Tagen ein paar Meldungen erhalten», sagt Sprecher Alexander Rechsteiner. E-Mails dieser Art solle man wie Spam behandeln, rät er: «Sie sollten weder geöffnet noch beantwortet werden, noch sollten im Mail erhaltene Links angeklickt werden.»

Dass Nielsen den Anhang nicht geöffnet hat, war die richtige Entscheidung: Wer draufklickt, installiert auf seinem Gerät schädliche Software, warnt die Kobik.

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