Aktualisiert 23.02.2019 05:15

Nach Datenskandalen

Schweizer haben Angst um ihre Daten

Im Internet sind Schweizer dieses Jahr vorsichtiger als im Vorjahr. Es werden seltener persönliche Daten wie Gewicht, Aufenthaltsort oder Kontonummern geteilt.

von
doz
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Schweizer haben weniger Vertrauen in internationale Internetkonzerne.

Schweizer haben weniger Vertrauen in internationale Internetkonzerne.

Keystone/Gaetan Bally
Dazu gehören Facebook, Google und Co.

Dazu gehören Facebook, Google und Co.

Lukas Schulze
Dafür verwenden 35,1 Prozent ein eigenes Passwort für unterschiedliche Dienste.

Dafür verwenden 35,1 Prozent ein eigenes Passwort für unterschiedliche Dienste.

Lukas Schulze

Schweizerinnen und Schweizer sind im Internet vorsichtiger als noch 2018. Das zeigt eine Studie des Vergleichsdienstes Comparis. Dies könnte hauptsächlich daran liegen, dass sie sich von Internetunternehmen wie Facebook und Google stärker bedroht fühlen. Aber auch staatlichen Unternehmen wird weniger vertraut. Auch bei diesen ist ein signifikanter Anstieg in der Bedrohungsempfindung zu beobachten.

Dies hat zur Folge, dass die Schweizer nicht mehr so freimütig private Inhalte und Daten im Internet teilen. Am stärksten zeigt sich das beim Preisgeben von Kontonummern, persönlichen Videos und Fotos sowie bei der Offenlegung von Krankheiten online.

Datenskandale prägen die öffentliche Meinung

Ebenfalls vorsichtiger ist man beim Teilen des aktuellen Aufenthaltsorts oder des richtigen Geburtsdatums. Unbehagen bereitet vielen auch die öffentliche Nennung von Grösse und Gewicht. Der Digital-Experte Jean-Claude Frick begründet dies mit den jüngsten Datenskandalen grosser Internet-Firmen. «Diese lassen Nutzer vermehrt zögern, persönliche Daten preiszugeben», sagt er.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich beim Vertrauen in Online-Zahlungen. Am meisten Ansehen hat der Bezahldienst Paypal verloren. Etwas weniger, aber noch immer signifikant haben Rechnungen, Nachnahme und Postcard V-Pay an Vertrauen verloren.

Die zunehmende Skepsis hat jedoch auch gute Auswirkungen. So hat sich das Bewusstsein um eine gute Passwortpflege verbessert. Dieses Jahr verwenden bereits 35,1 Prozent der Schweizer ein eigenes Passwort für jeden Dienst. 2018 waren es noch 31,3 Prozent. Ausserdem wechseln mittlerweile 29 Prozent ihre Passwörter regelmässig.

Vertrauen in Schweizer Datenschutz steigt

Trotz allem glauben die Schweizer mehrheitlich daran, dass der Datenschutz in der Schweiz gut geregelt sei. Frick sagt dazu: «Die

Einführung der europäischen Datenschutzgrundverordnung SGVO hat das Thema Datenschutz bekannter gemacht. Die vorgeschriebenen Anpassungen wurden von Webseiten-Betreibern zum Teil auch in der Schweiz bereits umgesetzt und erhöhen das Vertrauen der Nutzer.»

Dieses erhöhte Vertrauen in den Datenschutz hat jedoch dazu geführt, dass mit Updates und Privatsphären-Einstellungen sorgloser umgegangen wird. So aktualisieren nur 56 Prozent aller Befragten ihre Apps und Programme regelmässig. Weniger als die Hälfte ist sich ausserdem über ihre Privatsphären-Einstellungen auf Social Media bewusst.

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