Gewalteskalation: Schweizer haben Angst vor Guerilla-Krieg
Aktualisiert

GewalteskalationSchweizer haben Angst vor Guerilla-Krieg

Bangkok brennt: Die Kämpfe weiten sich auf die ganze Stadt aus. Schweizer Augenzeugen erzählen, wovor sie sich am meisten fürchten.

von
Adrian Müller

Die Führung der Rothemden kapituliert, das Chaos in Bangkok geht weiter: «Heute hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Die Armee hat die Kontrolle verloren, es droht ein Guerilla-Krieg, bei dem man als Zivillist leicht in einen Schusswechsel geraten kann», so der Schweizer Bruno Müller* (49), der mitten im besetzten Teil der Bangkoker Innenstadt wohnt.

Flucht aus der Innenstadt

«Wir mussten wegen den Krawallen nach einem Spitalaufenthalt aus der Innenstadt flüchten», sagt der Bündner David Eggimann* (34) zu 20 Minuten Online. Zusammen mit seiner Freundin sitzt er nun bei einem Kollegen in einem Hochhaus, einige Kilometer von der Kampfzone entfernt. Die Aussicht aus dem Fenster ist bedrückend: «Ich sehe überall Brände, dunkler Rauch steigt zwischen den Gebäuden auf.» Wegen der Ausgangssperre würden praktisch keine Autos mehr in den Strassen und auf den mehrstöckigen Highways verkehren – dort wo sich sonst tausende Fahrzeuge drängeln. Die Gassen seien völlig ausgestorben. «Bangkok steht entweder still – oder brennt», fasst Eggimann die momentane Lage zusammen.

Angst vor Attacken auf Touristen

Alle Hände voll zu tun hat Niklaus Geissbühler. Der Hotelbesitzer arbeitet für die Hotline des «Swiss-Support-Swiss»-Clubs in Thailand, wo sich die Auslandschweizer über die aktuelle Lage informieren können. «Laut meinen Informationen sind derzeit keine Schweizer in akuter Gefahr.» Die Schweizer Botschaft rufe ihre Landsleute auf, in ihren Häusern zu bleiben. Geissbühler hofft auf ein baldiges Ende der Gewalt: «Wenn die Kämpfer aber wie Guerilla-Krieger in den Untergrund abtauchen, wird es schwieriger, sie zu kontrollieren.»

Raus, so rasch als möglich

Gemeinsam mit Eggimann sitzt auch eine Thai-Familie vor dem Fernseher und schaut sich die gespenstischen Krawall-Bilder im Thai-TV an: «Die Einheimischen verdrängen die Situation so gut wie es geht.» Er hingegen habe Angst, dass radikale Rothemden-Kämpfer auf die Touristen losgehen. «Sonst sind ihnen ja alle Druckmittel ausgegangen.» David Eggimann, der sich auf einer mehrmonatigen Asienreise befindet, will nun so rasch als möglich aus Thailand ausreisen. «Die Thais haben ihr Lächeln verloren. Bangkok, wie man es kennt und liebt, gibt es nicht mehr.»

*Namen geändert

Ein Interview mit dem eingekesselten Schweizer Bruno lesen Sie am Donnerstag in der Printausgabe von 20 Minuten.

(Mitarbeit: Nico Menzato)

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