11.09.2020 09:57

Britische StudieDarum lassen sich Schweizer weniger impfen

Eine gross angelegte Studie eines bekannten britischen Fachmagazins zeigt, dass Menschen in Europa Impfstoffen nicht allzu hohes Vertrauen schenken. Die Schweiz schneidet auf den hintersten Rängen ab.

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Impfen ist bei der Schweizer Bevölkerung nicht gerade hoch im Kurs.

Impfen ist bei der Schweizer Bevölkerung nicht gerade hoch im Kurs.

KEYSTONE
Nur 33 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben demnach Vertrauen in die Sicherheit von Impfstoffen. Das berichtet das renommierte britische Fachmagazin «The Lancet».

Nur 33 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben demnach Vertrauen in die Sicherheit von Impfstoffen. Das berichtet das renommierte britische Fachmagazin «The Lancet».

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Auch die Wichtigkeit von Impfungen halten Schweizer und Schweizerinnen nicht für besonders hoch: Nur 53 Prozent sagen, dass sie Impfungen als wichtig empfinden.

Auch die Wichtigkeit von Impfungen halten Schweizer und Schweizerinnen nicht für besonders hoch: Nur 53 Prozent sagen, dass sie Impfungen als wichtig empfinden.

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Darum gehts

  • Impfen oder nicht impfen ist eine Frage, die viele Menschen beschäftigt – auch ausserhalb des Corona-Virus.
  • Eine gross angelegte Studie eines bekannten Fachmagazins zeigt nun: Das Vertrauen in Impfstoffe ist in Europa im Vergleich zu anderen Weltregionen nicht stark ausgeprägt – in der Schweiz noch weniger als anderswo.
  • «Impfstoffe sind Opfer ihres eigenen Erfolgs», sagt Sonja Merten vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut.

Impfen oder nicht impfen: Das ist nicht nur in Zeiten des Corona-Virus eine heiss diskutierte Frage. Eine im Fachmagazin «The Lancet» publizierte Studie gibt ein Bild zum weltweiten Impfstoffvertrauen ab. In der Schweiz liegt das Vertrauen im globalen Vergleich nicht besonders hoch.

Im internationalen Vergleich reihte sich die Schweiz puncto Impfstoffvertrauen auf den hintersten Rängen ein. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Sicherheit von Impfstoffen stieg zwar von 2015 bis 2019 (von 30 auf 33 Prozent). Die Prozentzahl derer, die Impfungen als wichtig empfinden, sank hingegen von 65 auf 53 Prozent.

Schwindendes Vertrauen

Doch in mehreren europäischen Ländern wie Finnland, Frankreich und Italien wuchs das Vertrauen. Die Skepsis, dass Impfstoffe sicher seien, wachse besonders in Ländern, die von politischer Instabilität und religiösem Extremismus betroffen seien, schrieben die Autoren. Als wichtigen Grund für schwindendes Vertrauen nennen sie gezielte Desinformationskampagnen in der Öffentlichkeit.

Für die Studie werteten die Forschenden Daten aus 149 Ländern aus. Sie beruht auf 290 Befragungen von über 284'000 Menschen, die zwischen September 2015 und Dezember 2019 gemacht worden waren. Darin ging es um die Beurteilung von Sicherheit, Wirksamkeit und Wichtigkeit von Impfstoffen. Das Ergebnis: In Europa blieb das Vertrauen in Impfstoffe im Vergleich zu anderen Regionen gering.

Sinkende Zahl Grippeimpfungen

«Diese Befunde gehen Hand in Hand mit der sinkenden Anzahl von verabreichten Grippeimpfungen», sagte Sonja Merten vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) im Gespräch mit Keystone-SDA. Sie erforscht gemeinsam mit Kollegen in einem Nationalen Forschungsprogramm unter Leitung von Philip Tarr vom Kantonsspital Baselland, warum Menschen zögern, sich impfen zu lassen. Die Anzahl von Kinderimpfungen seien jedoch generell nicht zurückgegangen.

Doch auch bei Kinderimpfungen sieht Merten ein Problem. Durch die heutigen Kombinationsimpfungen können Eltern weniger gut selber entscheiden, gegen welche Krankheiten und wann sie ihre Kinder piksen lassen wollen. Das könne negative Gefühle gegenüber Impfungen auflodern lassen.

«Opfer ihres eigenen Erfolgs»

Hinzu kommt: «Impfungen sind Opfer ihres eigenen Erfolgs», sagte sie. Viele Krankheiten seien durch das Impfen in der Schweiz verschwunden. Das könne zu einer grösseren Angst vor Nebenwirkungen als vor der Krankheit selbst führen.

Eine frühere Studie von Merten und ihren Kollegen wies darauf hin, dass Ärztinnen und Ärzte nicht klar Stellung gegenüber Impfungen beziehen. Das verunsichere Patienten und könne das Vertrauen in Impfungen schwächen. «Es ist wichtig, auf die Gefühle der Patienten einzugehen – aber trotzdem klar Stellung zu beziehen», erklärte Merten.

(SDA)

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278 Kommentare
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Daisy007

13.09.2020, 00:28

Weil all diese Chemie dem Körper ganz bestimmt nicht nur gut tut! Finde es wichtig abzuwägen und mitzudenken. Impfgegner bin ich nicht, aber werde mich garantiert nie gegen Corona, oder Grippe impfen!

Carmen

12.09.2020, 13:36

Ich lasse mich nicht gegen Grippe impfen. Ich habe mich viele Jahre dagegen impfen lassen. Erfolg gleich null. Seit sechs Jahren verzichte ich auf diese Impfung und kam diese Jahre ohne Grippe durch den Winter.

Kundi

12.09.2020, 10:40

Es kommt wohl von der viel gesünderen "chemisierten" Nahrung und Luft, weshalb wir heute viel älter werden. Träumt weiter, liegt wohl wirklich am IQ!