Zu wenig Beratung: Schweizer haben keine Ahnung von ihren Pneus
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Zu wenig BeratungSchweizer haben keine Ahnung von ihren Pneus

Schon bald ist es wieder Zeit für den Wechsel auf die Winterreifen. Eine Studie im Auftrag von Continental zeigt aber, dass zwei Drittel der Schweizer nicht wissen, was diese können.

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vro
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Laut einer Umfrage von Continental informieren sich Schweizer Autofahrer kaum über das Thema Reifen.

Laut einer Umfrage von Continental informieren sich Schweizer Autofahrer kaum über das Thema Reifen.

Keystone/Alessandro Della Bella
Laut Reto Blättler, Reifentestspezialist beim TCS, liegt das unter anderem daran, dass viele ihr Auto einfach in die Werkstatt bringen. Aufgrund des Zeitdrucks, unter dem Garagisten während des Saisonwechsels oft stehen, erhalten die Autofahrer keine ausreichende Beratung.

Laut Reto Blättler, Reifentestspezialist beim TCS, liegt das unter anderem daran, dass viele ihr Auto einfach in die Werkstatt bringen. Aufgrund des Zeitdrucks, unter dem Garagisten während des Saisonwechsels oft stehen, erhalten die Autofahrer keine ausreichende Beratung.

Mark Keppler
Ein Problem ist laut Blättler auch, dass manche Schweizer auch im Sommer mit Winterpneus herumfahren, um diese noch möglichst lange zu fahren, bevor es auf die neue Saison hin neue Reifen gibt. Doch im Sommer verhalten sich die Winterreifen nicht wie im Winter.

Ein Problem ist laut Blättler auch, dass manche Schweizer auch im Sommer mit Winterpneus herumfahren, um diese noch möglichst lange zu fahren, bevor es auf die neue Saison hin neue Reifen gibt. Doch im Sommer verhalten sich die Winterreifen nicht wie im Winter.

AP/Kai-uwe Knoth

Zwei Drittel der Schweizer Autofahrer wissen kaum darüber Bescheid, was ihre Winterreifen können und weshalb sie in der kalten Jahreszeit unersetzlich sind. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1000 Personen, die das Marktforschungsinstitut GfK im Auftrag von Continental durchgeführt hat.

Grund dafür sei, dass sich die Leute schlicht zu wenig damit auseinandersetzen. «Für manche Autofahrer ist ein Reifen einfach nur schwarz und rund. In der Ausbildung zum Autofahrer nimmt das Thema Reifen schliesslich einen bescheidenen Platz ein. Dass in den Pneus jedoch hochwertige Technologien verbaut sind, wissen die wenigsten», erklärt Kevin Jung, Key Account & Product Manager PLT bei Continental Suisse SA.

Auf das Nutzverhalten kommt es an

Dass die Schweizer über ihre Bereifung ungenügend Bescheid wissen, ist auch Reto Blättler, Reifentestspezialist beim TCS, bekannt. Der Club hat bereits selbst eine Umfrage gemacht. Und diese brachte hervor, dass Herr und Frau Schweizer beim Saisonwechsel in der Regel zu einem Garagisten fahren, der die neuen Pneus montieren soll. «Dabei erhalten sie oft zu wenig Beratung», sagt Blättler.

Das Problem: Weil die meisten Besitzer ihr Auto erst kurz vor dem ersten Schnee in die Werkstatt bringen, werden die Mitarbeiter dort oft überrannt. «Dann bleibt einfach zu wenig Zeit, detailliert auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.» Je nachdem, wie das Fahrzeug genutzt werde, seien unterschiedliche Reifen nötig.

Winterpneus ab sieben Grad und tiefer

Blättler rät den Autobesitzern, mehrere Offerten über empfohlene Pneus einzuholen. Ausserdem sei es von Vorteil, dem Garagisten das eigene Fahrverhalten zu schildern, damit dieser sich ein besseres Bild machen könne. Auch sei es sicherer, alle benötigten Teile und Reifen von einem einzigen Lieferanten zu beziehen. Um dem Ansturm in den Garagen zu entgehen, sei es schlau, sich frühzeitig anzumelden.

Denn da sieht auch Jung das Problem: «Viele denken erst beim ersten Schneefall oder beim ersten Bodenfrost an Winterreifen. Sommerreifen werden jedoch schon ab einer Aussentemperatur von unter sieben Grad zum Risiko, dann ist es höchste Zeit für die Winterpneus.»

Sicherheitsrisiko Bremsweg

Aus der Umfrage von Continental geht zudem hervor, dass jeder dritte Befragte den Unterschied beim Bremsweg zwischen Sommer- und Winterreifen auf verschneiter Fahrbahn falsch einschätzt.

Das birgt ein erhebliches Unfallrisiko. «Der Bremsweg mit Sommerreifen auf Schnee und Eis kann doppelt so lang sein wie mit Winterreifen», wird die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Mitteilung zitiert. «Jeder, der bei winterlichen Strassenverhältnissen mit den falschen Reifen fährt, gefährdet sich und andere Verkehrsteilnehmer.»

Winterreifen im Sommer

Doch eine Ursache dafür nimmt bereits im Sommer ihren Anfang. Laut Blättler gibt es viele Schweizer, die bei den warmen Temperaturen mit Winterpneus herumkurven. Der Grund: Sie wollen im Sommer nochmals richtig Gummi geben, bevor es dann im Herbst auf die neue Saison hin neue Reifen gibt. Auch das sei gefährlich, der Bremsweg sei massiv länger, die Stabilität des Fahrzeugs in Kurven schwammiger, der Benzinverbrauch steige und die Pneus seien bei einer Vollbremsung schnell nicht mehr zu gebrauchen, erklärt Blättler. Für möglichst sicheres Fahren empfiehlt der Experte deshalb, die Reifen vor jeder neuen Saison zu wechseln.

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