Aktualisiert 09.02.2015 18:50

Kampf um Pappeln

«Schweizer haben unsere Bäume gerettet»

Die Stadt Konstanz fällte Bäume im thurgauischen Tägerwilen. Jetzt hat die Kantonspolizei Thurgau den Kettensägen einen Riegel geschoben.

von
jeb
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Die Bevölkerung in Tägerwilen TG und Konstanz (D) kämpfte gemeinsam gegen die Abholzung von 116 Pappeln, die die Stadt Konstanz fällen lassen wollte.

Die Bevölkerung in Tägerwilen TG und Konstanz (D) kämpfte gemeinsam gegen die Abholzung von 116 Pappeln, die die Stadt Konstanz fällen lassen wollte.

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Klein und...

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... gross setzten sich für die Pappeln ein. In der Mitte Aktivistin Christel Thorbecke von der Bürgerinitiative Tägerwiler Nervensägen.

... gross setzten sich für die Pappeln ein. In der Mitte Aktivistin Christel Thorbecke von der Bürgerinitiative Tägerwiler Nervensägen.

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«Wir kämpfen um jeden Baum», hiess es auf einem Flugblatt, mit dem die Aktivistengruppe Tägerwiler Nervensägen auf die Rodung von zahlreichen Pappeln im Thurgauer Naturschutzgebiet Tägermoos aufmerksam machten. Die deutsche Stadt Konstanz, Besitzerin des Landstückes, das auf Schweizer Hoheitsgebiet liegt, hatte die Abholzung aus Sicherheitsüberlegungen in Auftrag gegeben: Kranke Bäume könnten eine Gefahr für Spaziergänger werden, begründete die Stadt den Auftrag. Gefällt wurden aber sowohl kranke wie auch gesunde Bäume, was Spaziergänger und Jogger auf den Plan rief.

Antrag auf Fällungsstopp gut geheissen

Auf beiden Seiten der Grenze war die Empörung über die Abholzung gesunder Bäume gross. Es formierte sich Widerstand und die Bürgerinitiative mit Christel Thorbecke an der Spitze kämpfte um den Erhalt der Bäume. In nur sechs Tagen wurden 1400 Unterschriften für eine Petition gesammelt, in Konstanz klagten 20 Gemeinderäte die eigene Verwaltung ein: Mittels dringenden Antrags beim Verwaltungsgericht wurde ein Stopp des Bäumefällens gefordert. Dieser Antrag wurde am Montagmorgen gutgeheissen. «Darauf erschien ein technischer Mitarbeiter des Oberbürgermeisters im Tägermoos und sprach mit den Forstarbeitern», so Hening Hülsmeier vom Bürgerkomitee. In der Folge sei mit Hochdruck weitergearbeitet worden. «Möglicherweise hat der Mitarbeiter der Stadt die Anweisung gegeben, bis zur Frist noch möglichst viele Bäume zu fällen», mutmassen die Aktivisten. «Bis fünf vor zwölf wurde emsig weitergearbeitet, so dass über den ganzen Morgen fünf Bäume geschlagen wurden.»

Gleichzeitig wurde auch Jost Rüegg, Thurgauer Kantonsrat (Grüne) und Mitglied des WWF Thurgau-Bodensee, sowie ein Komiteemitglied aktiv: Sie forderten die Kantonspolizei Thurgau auf, zu kontrollieren, ob eine schriftliche Bewilligung für die Abholzung vorliegt.

Als die Polizeipatrouille eintraf, war die Baumfällaktion bereits seitens der Stadt Konstanz gestoppt worden. Die Kantonspolizei Thurgau zog unverrichteter Dinge weiter. «Die Angelegenheit muss jetzt auf Verwaltungsebene geregelt werden», so ein Polizeisprecher. Ob eine schriftliche Bewilligung für das Abholzen im Naturschutzgebiet nötig ist und ob diese vom Kanton Thurgau oder der Stadt Konstanz kommen muss, ist noch in Abklärung. Das letzte Kapitel in dieser Angelegenheit ist also noch nicht geschrieben.

Freude im Paradies

Die Stadt Konstanz hatte geplant, dass diesen Winter 55 Bäume gefällt werden. Bis zum Fällstopp wurden 35 Bäume Opfer der Kettensägen. Trotzdem ist Aktivistin Thorbecke überglücklich: «Als Deutsche und Schweizer konnten wir gemeinsam unser schönes Naherholungsgebiet vor der Rodung retten. In nur sechs Tagen haben wir als Bürger gemeinsam viel erreicht.» Schade sei nur, dass auch rund dreissig gesunde Bäume gefällt wurden. Trotzdem sei der Erfolg ein vielversprechendes Zeichen im grenzüberschreitenden Zusammenleben.

Für das Konstanzer Quartier Paradies sei das Naherholungsgebiet Tägermoos auf der Schweizer Seite der Grenze von grosser Bedeutung, da im Viertel der Verkehr in den letzten Jahren stark zugenommen habe und das Tägermoos nun die Ruheoase für die Paradiesler sei. Thorbecke ist dankbar, dass die Baumfällaktion nun vorerst gestoppt ist, und ist froh, dass der WWF Thurgau-Bodensee und die Kantonspolizei eingeschritten sind. «Die Schweizer haben unsere Bäume gerettet», so Thorbecke.

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