Schweizer Hackerin: Maia Arson Crimew kämpft gegen CIA

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Schweizer Hackerin«Die CIA als Gegnerin zu haben, ist schon scary»

Die Schweizer Hackerin Maia Arson Crimew entdeckte vergangene Woche auf einem Server eine amerikanische «No Fly»-Liste. 20 Minuten hat sie zum Interview getroffen.

von
Christina Pirskanen
Daniel Graf
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Maia Arson Crimew aus Luzern ist eine 23-jährige Schweizer «Hacktivistin».

Maia Arson Crimew aus Luzern ist eine 23-jährige Schweizer «Hacktivistin».

20min/Taddeo Cerletti
Die Identität von Hackerinnen und Hackern ist oft ihr gut gehütetes Geheimnis. (Symbolbild)

Die Identität von Hackerinnen und Hackern ist oft ihr gut gehütetes Geheimnis. (Symbolbild)

Getty Images
Nicht so bei der Luzernerin Maia Arson Crimew. Dass sie mit Bild und Name in der Öffentlichkeit steht, bereut sie aber mittlerweile. 

Nicht so bei der Luzernerin Maia Arson Crimew. Dass sie mit Bild und Name in der Öffentlichkeit steht, bereut sie aber mittlerweile. 

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Die 23-jährige Luzerner Hackerin «Maia Arson Crimew» hat eine geheime amerikanische «No Fly»-Liste an Journalisten geleakt. 

  • Damit hat sie erneut die Aufmerksamkeit amerikanischer Geheimdienste auf sich gezogen.

  • Wegen früherer Delikte drohen Maia in den USA bereits bis zu 20 Jahre Haft.

  • Mit ihrem Namen und Gesicht in der Öffentlichkeit aufzutreten, bezeichnet sie mittlerweile als Fehler. Trotzdem will die anarchistische Hacktivistin weitermachen. 

Seit die 23-jährige «Hacktivistin» Maia Arson Crimew aus Luzern, früher als Tillie Kottmann bekannt, durch eine Sicherheitslücke auf eine amerikanische «No Fly»-Liste gestossen ist, hatte sie keine ruhige Minute mehr. Sie leakte die Liste an Journalisten des amerikanischen Techmagazins «Daily Dot» – es folgte ein weltweiter Medienrummel und eine Aufforderung zur Untersuchung des Falls im US-Kongress durch den Republikaner Dan Bishop.

Maia, wie fühlt es sich an, eine solche Sicherheitslücke aufzudecken?

Es herrschen eine gewisse Euphorie und viel Adrenalin, gleichzeitig ist ein solcher Fund schon sehr schockierend – obwohl ich weiss, wie unsicher diese Systeme sind. Es ist also keine Überraschung. Ich wusste, dass dieser Fund gross war, aber ich bin schon erstaunt, für wie viel Aufsehen ich damit jetzt gesorgt habe.

Die Liste selbst wurde noch gar nicht veröffentlicht. Was genau steht dort drauf? Würde die Veröffentlichung jemanden in Gefahr bringen?

Das ist eine Liste mit etwa 1,5 Millionen Einträgen – inklusive voller Namen und Geburtsdaten. Eine solche Liste von Menschen, welche eine Regierung als «schlecht» betrachtet, hat in vielen Händen natürlich ein riesen Potential für Missbrauch.

Wieso hast du dich damals dazu entschieden, mit Gesicht und deinem richtigen Namen aufzutreten?

Das war eigentlich eine blöde Idee – aber es gibt mir die Möglichkeit, mit Medien zu sprechen und meine Aktionen zu erklären. Zudem macht es mich vertrauenswürdiger und schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, weil ich hinter dem stehe, was ich mache.

US-Gericht klagte Schweizer Hackerin an

2021: Maia ist an einem Quellcode-Leck des Automobilherstellers Nissan beteiligt. Im März hackt eine Gruppe, bei der Maia Mitglied ist, die cloudbasierte Überwachungsfirma Verkada. Dadurch konnten sie auf Live-Bildmaterial und Aufnahmen von über 150’000 Kameras zugreifen. Diese befanden sich etwa in einer Tesla-Fabrik, in einem Gefängnis, einem Spital und privaten Haushalten.
Im März wird die Schweizer Hackerin von einem US-Gericht wegen mehrerer Hacks angeklagt. In der zwölfseitigen Anklageschrift wird sie des Computerbetrugs und -Missbrauchs, der elektronischen Kriminalität und des Identitätsdiebstahls beschuldigt. Die Kantonspolizei Luzern führte eine Hausdurchsuchung durch, bei der ihre elektronischen Geräte beschlagnahmt wurden.

Was ist dein Ziel mit deinem «Hacktivismus»?

Am Ende des Tages bin ich Anarchistin und würde mich freuen, würde ich den Hack schaffen, der den Kapitalismus zerstört. Das ist aber ein ziemlich hoch gestecktes Ziel, also fokussiere ich mich darauf, in kleinen Schritten Tatsachen aufzudecken. Meine Spezialitäten liegen hier vor allem im Sicherheitsbereich – also Überwachungen und «Watchlisting». Ausserdem will ich einen Einblick geben, wie einfach «Hacktivismus» eigentlich ist und wie viel man als Einzelperson erreichen kann. Mein Endziel des Anarchismus werde ich aber nicht alleine zustande bringen.

Wen oder was würdest du am liebsten mal hacken?

Das ist wohl die inkriminierendste Frage, die man mir hätte stellen können. Darauf habe ich aber auch keine Antwort, irgendwie würde ich gerne alle und alles mal hacken. Mehr sollte ich hierzu wohl nicht sagen.

Die CIA sieht nicht gerne Whistleblower und Menschen, die geheime Daten aufdecken. Assange und Snowden haben den Zorn des amerikanischen Geheimdienstes zu spüren gekriegt – machst du dir keine Gedanken dazu?

Fragen zur CIA sollte ich nicht beantworten. Aber ja, es ist schon scary, dass ich es mit einem solch mächtigen Gegner zu tun habe, dem alle denkbaren Mittel zur Verfügung stehen. Aber um mein Leben möglichst normal fortsetzen zu können, muss ich versuchen, nicht daran zu denken. Paranoia bringt gar nichts, sondern ist genau das, was sie wollen.

Ist dein «Hacktivismus» all das wert?

Das will ich nicht beantworten. Aber beim Aktivismus muss man immer abwägen, was mögliche Konsequenzen sind. Es ist wichtig, dass man sich strikt an die Grenzen hält, die man sich selbst setzt.

Was hältst du von «Hacktivismus»?

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