Schweizer Hackerin Maia Arson Crimew riskiert beim Reisen eine Verhaftung

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GeheimdienstexperteRufmordkampagne gegen Hackerin? «So lenkt CIA von Enthüllungen ab»

Die Schweizer Hackerin Maia Arson Crimew hat bereits eine US-Anklage am Hals – nach ihrer letzten Aktion könnte sich die Lage nun verschärfen. Ein Geheimdienstexperte ordnet ein.

von
Christina Pirskanen
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Eine Reise in ein Land mit Auslieferungsabkommen mit den USA ist für die Schweizer Hacktivistin künftig ein Risiko. 

Eine Reise in ein Land mit Auslieferungsabkommen mit den USA ist für die Schweizer Hacktivistin künftig ein Risiko. 

Getty Images/iStockphoto
Das sagt Geheimdienstexperte Adrian Hänni.

Das sagt Geheimdienstexperte Adrian Hänni.

privat
Weil Maia Arson Crimew in den USA angeklagt worden ist, droht ihr ein internationaler Haftbefehl. 

Weil Maia Arson Crimew in den USA angeklagt worden ist, droht ihr ein internationaler Haftbefehl. 

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Darum gehts

  • Die Schweizer «Hacktivistin» Maia Arson Crimew aus Luzern, früher als Tillie Kottmann bekannt, ist auf dem Radar der CIA gelandet. 

  • Da in den USA Anklage gegen sie erhoben wurde, droht ihr ein internationaler Haftbefehl. 

  • Reisen in Länder, die ein Auslieferungsabkommen mit den USA haben, sind laut einem Experten schon jetzt ein Risiko. 

  • Im Vergleich zu Julian Assange oder Edward Snowden spiele Crimew aber in einer ganz anderen Liga. 

Die 23-jährige Luzernerin Maia Arson Crimew entdeckte vergangene Woche auf einem ungesicherten Server die «No Fly»-List, oder Flugverbotsliste, der US-Behörde für Transportsicherheit (TSA). Maia wurde bereits 2021 von einem US-Gericht angeklagt – ihr werden Computerbetrug und -Missbrauch, elektronische Kriminalität und Identitätsdiebstahl vorgeworfen.

Was nun auf die Hackerin zukommen könnte und inwieweit der US-Geheimdienst, die Central Intelligence Agency (CIA), eingreifen wird, erklärt Geheimdienstexperte und Professor der Universität Zürich, Adrian Hänni.

Körperliche Bedrohung in seltenen Ausnahmefällen

Was man zu erwarten habe, sobald man auf dem Radar der CIA landet, sei im Einzelnen sehr unterschiedlich, sagt Hänni. In vielen Fällen beschränkten sich Gegenmassnahmen auf elektronische Überwachung oder Versuche, die digitale Infrastruktur lahmzulegen. Gegen sehr prominente Whistleblower seien dagegen in der Vergangenheit häufig Diffamierungskampagnen geführt worden.

«Ziel solcher Rufmordkampagnen ist es, den Überbringer der Botschaft zu diskreditieren und von den eigentlichen Enthüllungen abzulenken», sagt Hänni. In seltenen Ausnahmefällen könne es auch zu einer körperlichen Bedrohung kommen: Offenbar habe die CIA unter Mike Pompeo dem Nationalen Sicherheitsrat mehrere Vorschläge unterbreitet, Julian Assange in London zu entführen. Schliesslich seien die diskutierten Operationen allerdings nicht ausgeführt worden.

Schweizer Behörden kooperieren mit der CIA

«Faktisch geniesst die CIA als wichtiger Partnerdienst in unserem Land gewisse Operationsmöglichkeiten und kann auf eine bestimmte Kooperation seitens Schweizer Behörden zählen», sagt der Geheimdienstexperte. In der Vergangenheit sei das insbesondere dann der Fall gewesen, wenn Aktivitäten und Zusammenarbeit im Geheimen erfolgten und man in Bern deshalb keinen innenpolitischen Druck oder neutralitätspolitische Probleme befürchtet habe.

Im Fall der Schweizer Hackerin Maia hätten immerhin Schweizer Polizeibeamte die Hausdurchsuchungen durchgeführt. «Im Juni 2003 stieg ein CIA-Team gleich selbst ins Haus des Atomschmugglers Marco Tinner im beschaulichen Winzerdorf Jenins in der Bündner Herrschaft ein, um belastendes Material zu finden», erzählt Hänni. In diesem Fall habe der US-Auslandsgeheimdienst die Souveränität der Schweiz massiv verletzt.

Assange und Snowden spielen in anderer Liga

Da in den USA gegen Maia Anklage erhoben wurde, liege nun ein international ausgeschriebener Haftbefehl zumindest als Drohung in der Luft – sollte Maia in ein Land mit Auslieferungsabkommen mit den USA reisen, sei dies sicher risikobehaftet, sagt Hänni. Der Geheimdienstexperte beruhigt aber: «Maia Arson Crimews Enthüllungen wie die «No Fly»-List sind nicht einmal ansatzweise so gravierend wie die Leaks von Edward Snowden für die NSA oder die Publikation der Vault 7-Dokumente durch Wikileaks für die CIA», sagt Hänni. Vor allem geben sie keine Daten über Mitarbeitende, Quellen und operative Methoden der US-Geheimdienste preis.

«Ich gehe entsprechend auch nicht davon aus, dass die CIA oder andere US-Behörden ähnlich aggressiv gegen sie vorgehen werden, wie gegen Assange oder Snowden», sagt der Experte. Das heisse aber nicht, dass Maia nicht selbst zum Ziel einer Cyberattacke oder staatlicher Überwachung werden könne – zumal die Biden-Administration an dieser Front verstärkt in die Offensive gehen wolle. «Ihre neue National Cybersecurity Strategy wird die US-Sicherheitsbehörden ermächtigen, die Computernetzwerke von Gesetzesbrechern zu hacken, sowohl zur Vergeltung als auch zur Prävention von Angriffen auf amerikanische Netzwerke.»

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