Corona-Alarm: Schweizer hamstern Lebensmittel wegen Virus
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Corona-AlarmSchweizer hamstern Lebensmittel wegen Virus

Schweizer tätigen Grosseinkäufe wegen des Coronavirus-Ausbruchs in Italien. Im Tessin stellt Aldi vereinzelt Hamsterkäufe fest.

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les/pro

Droht ein solches Szenario auch in der Schweiz? In Mailand leeren sich die Supermärkte. (Video: Storyful)

Teigwaren, Reis, Schokolade oder Hygieneartikel: Solche Produkte landen gegenwärtig in grösseren Mengen in den Einkaufskörben der Schweizer. Sie wollen gerüstet sein, falls das Coronavirus auch die Schweiz erreicht.

Die Mutter F. L. (31) etwa will in den nächsten Tagen einen Notvorrat anlegen. «Wenn sich das Coronavirus in der Schweiz ausbreitet, werden wohl ganze Dörfer oder sogar Städte abgeriegelt. Spätestens dann kommt es zu Hamsterkäufen», sagt sie. Sie wolle nicht vor leeren Regalen stehen, sonst sei sie aufgeschmissen mit acht hungrigen Personen zu Hause. Morgen wolle sie einkaufen gehen, damit sie genügend Nahrung und Hygieneartikel haben. «Ich kaufe sicher Teigwaren, Essen in Konserven und Wasser. Im Moment haben wir nur ein einziges Kästchen voller Vorrat. Das reicht vielleicht für eine Woche.»

B. B. (42) hat ihren Grosseinkauf bereits getätigt. In ihrem Einkaufskorb landeten unter anderem Teigwaren, Reis, Bratensauce, Mehl und Eier. «So können wir auch das Brot selber backen. Ausserdem haben wir eine grosse Tiefkühltruhe, um Fleisch und Tiefkühlprodukte mit Gemüse oder Früchten einzufrieren.» Sie wolle jetzt reagieren, solange das Angebot in den Läden noch da sei. «Ich kann mir gut vorstellen, dass es zu Lieferengpässen kommen wird.»

«Wir wollen dem Ansturm entgehen»

Albert Jauch hat sich heute einen Notvorrat für sich und seine Frau angelegt, der für drei bis vier Wochen reichen soll. «Wir haben vor allem lang haltbare Lebensmittel wie Teigwaren, Reis, Schokolade und Konserven gekauft», sagt der 68-Jährige. Dass der Einkauf nicht sonderlich abwechslungsreich ausfällt, stört die beiden Pensionäre nicht: «Wir sind da nicht so wählerisch. Wir wollen dem grossen Ansturm in den Läden entgehen, falls das Coronavirus wirklich in die Schweiz kommt.» Schon heute habe es so viele Leute im TopCC gegeben wie noch nie.

Auch in Facebook-Gruppen geht die Sorge wegen des Coronavirus um. Eine Mutter etwa fragt in der Mami-Community um Rat: «Wir haben uns jetzt ein bisschen mit Lebensmitteln und Wasser eingedeckt. Habt ihr euch irgendwie vorbereitet?» Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung bestätigt auf Anfrage, dass dieses Wochenende vermehrt Nachfragen bezüglich Notvorrat eingegangen sind. Insgesamt waren es rund 30 Anfragen.

«Am Anfang Masken, jetzt Lebensmittel»

Das veränderte Einkaufsverhalten wegen des Coronavirus bekommen auch Betreiber von Geschäften für Notvorräte zu spüren. Stefan Schätti, Mitinhaber der Sichersatt AG, sagt: «Wir werden im Moment überrannt. Die ganze Schweiz merkt, dass das Virus in Chiasso nicht haltmacht.» Am Wochenende seien einige Hundert Bestellungen eingegangen, das seien zehn bis zwanzig mal mehr als sonst. «Wir verkaufen vor allem Vorratspakete. Der durchschnittliche Kunde sorgt für einen Monat vor. Vorher waren es eher Prepper, die schon vorher Vorräte angelegt haben. Jetzt kommen auch Leute, die das vorher gar nicht auf dem Radar hatten.»

Auch bei Notvorrat24 läuft das Geschäft auf Hochtouren. «Am Anfang waren es vor allem Masken, jetzt sind es die Lebensmittel. In einem Paket sind 120 Mahlzeiten, die Leute kaufen manchmal auch mehrere davon», sagt Inhaberin Claudia Scalise.

«Im Tessin werden Waren aufgestockt»

Auch die Grossverteiler bereiten sich auf einen Andrang vor. Aldi Suisse stellt im Tessin bereits vereinzelt eine Tendenz zu Hamsterkäufen fest. «Vor allem Artikel mit langer Haltbarkeit sind gefragt. Im Tessin werden diese Waren deshalb aufgestockt», so Sprecher Philippe Vetterli.

Bei Migros und Coop seien noch keine Hamsterkäufe festzustellen, heisst es auf Anfrage. Migros-Sprecher Marcel Schlatter: «Wir sind entsprechend vorbereitet, damit die Migros ihrem Versorgungsauftrag während einer möglichen Pandemie gerecht wird. Die Migros-Gruppe hat einen Krisenstab gebildet, der auch an Lösungen für zu erwartende Probleme in der weltweiten Logistik arbeitet.»

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