Aktualisiert 01.02.2018 18:28

Flawil SGSchweizer hat 00.00.1954 als Geburtsdatum im Pass

T. K.* (64) lässt seinen Schweizer Pass verlängern und hat plötzlich das Geburtsdatum 00.00.1954. Für ihn ist das eine Art Identitätsverlust.

von
lad
Seit der Erneuerung seines Passes steht beim 64-jährigen Flawiler als Geburtsdatum der 00.00.1954.

Seit der Erneuerung seines Passes steht beim 64-jährigen Flawiler als Geburtsdatum der 00.00.1954.

privat

Als T. K. aus Flawil SG sein rotes Passbüchlein nach dessen Verlängerung zurückerhielt, glaubte er an einen Fehler: In seinem Pass wurde das Geburtsdatum 00.00.1954 eingetragen. Der Flawiler meldete die seltsamen Zahlen dem kantonalen Passbüro und bat um Korrektur. Doch dort wurde er an die Gemeinde verwiesen, er müsse dort seinen Geburtsschein vorlegen. Das Problem ist nur: Der 64-Jährige besitzt keinen.

Jedes Jahr mit der Familie gefeiert

T. gehört zur ersten Generation tibetischer Flüchtlinge. Meist kamen diese ohne Ausweise in die Schweiz. Zudem hat das Geburtsdatum in der tibetischen Kultur sowieso keine Bedeutung. An Silvester werden einfach alle ein Jahr älter. Deshalb trugen die Schweizer Behörden bei Einbürgerungen meist den 1. Januar als Geburtsdatum ein, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet. So auch bei der Einbürgerung von T. vor 20 Jahren.

Das sei gar nicht mal so falsch gewesen: «Nach der Zeitrechnung, die wir haben, muss ich im Januar auf die Welt gekommen sein. Das genaue Datum war einfach nicht wichtig bei uns», sagt K. gegenüber 20 Minuten. Nach über 40 Jahren mit diesem Geburtsdatum sei er zufrieden gewesen und habe jedes Jahr die Familie zum Feiern eingeladen.

Identitätsverlust

Das Geburtsdatum von K. wurde bei der Verlängerung abgeändert, weil 2010 die damalige Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf die neue Verordnung über die Ausweise für Schweizer Staatsangehörige in Kraft setzte. Dort heisst es: «Ist der genaue Tag oder der Geburtsmonat unbekannt oder sind beide unbekannt, so werden die unbekannten Ziffern durch Nullen ersetzt. Das Geburtsjahr ist immer anzugeben.»

Dies brachte dem Flawiler seit der Erneuerung seines Passes vor allem beim Reisen Probleme ein. «Als wir im Dezember 2016 nach Indien flogen, schauten sie vor allem bei unserer Landung in Neu-Delhi besonders genau hin, weil das Datum 00.00. ja eigentlich gar nicht existent ist», erzählt der 64-Jährige. Sie seien sicher zwei Stunden aufgehalten worden. «Abgesehen von den Problemen, die ich bei Auslandreisen habe, wurde mir mit dem abgeänderten Datum ein Teil meiner Identität genommen», klagt er. Das sei nach so vielen Jahren einfach nur schlimm. Auch sei die Geburtstagsfeier am 1. Januar nicht mehr dasselbe: «Wir haben uns überlegt, ob wir überhaupt ein Fest machen sollen, schlussendlich war die Stimmung sehr getrübt.»

Jeder fünfte ist offiziell an diesem Tag geboren

«Meine Geschichte steht für das Schicksal von vielen», sagt der 64-Jährige. Tatsächlich ist K. mit seinem abgeänderten Geburtsdatum bei weitem nicht der Einzige. Auch Tsering Hug aus Walenstadt SG war verzweifelt. Über ein Jahr lang wurde die 52-Jährige von einem Amt zum anderen geschickt. Schlussendlich erreichte sie, dass das eingetragene Datum in ihrem Pass geändert wurde. Dazu brauchte sie jedoch eine beglaubigte Aussage ihrer Mutter.

Doch K. mag nicht vor Gericht kämpfen: «Dafür bin ich einfach zu alt.» Obwohl es sehr mühsam sei. Für Auslandsreisen werde er ab jetzt einfach mehr Zeit einberechnen.

* Name der Redaktion bekannt.

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